Maibaum in Fuchsmühl aufgestellt
Mit „Hauruck“ nach oben

Begleitet von flotten Klängen der Wiesauer Blasmusik machten sich die Motorradfreunde, kräftig unterstützt auch von starken Männern der Bergwacht, der Feuerwehr und der SG Fuchsmühl, mit langen Stangen ans Werk. Bild: wro
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Fuchsmühl
01.05.2016
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G'standene Mannsbilder sind schon nötig, wenn der Maibaum nach altem Brauch mit reiner Muskelkraft in die Höhe gehievt wird. Die Fuchsmühler haben es wieder geschafft. Naja, ein kleines Malheur passierte aber schon.

"Da Wir Volksfeste lieben und Unseren treuen Untertanen mit wahrer Freude jede ehrbare Ergötzlichkeit gönnen, so wollen Wir hiermit erklären: Es sei von nun an wieder erlaubt, nach uraltem Brauche am 1. Mai in jeder Gemeinde auf dem Lande einen Maibaum aufzusetzen".

Mit diesem königlichen Dekret erlaubte Ludwig I. im April 1827 das Maibaumaufstellen in Bayern. Lange war es nämlich verboten gewesen. Immer wieder wurden die schlanken Frühlingssymbole ohne zu fragen einfach aus den königlichen Wäldern gestohlen. König Ludwig aber fand eine Lösung und vertraute seinem Landvolk. Damit war eine bis heute praktizierte und geliebte Tradition geboren.

In aller Frühe schon machten sich die Fuchsmühler am Samstag auf den Weg nach Schafbruck, um ihren 26 Meter langen Baum aus dem Wald der Friedenfelser Güterverwaltung abzuholen. Um den Maibaumdieben das Handwerk zu erschweren, zog man den Baumstamm erst am frühen Samstagmorgen über Herzogöd hinweg "nach Hause". Die Girlanden lagen schon bereit. Fleißige Hände hatten die Kränze gebunden. Alles schien in bester Ordnung. Als sich dann auch noch die Sonne blicken ließ und ihre warmen Strahlen losschickte, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die Bratwürste brutzelten schon auf dem Grill und die fertig gebratenen Steaks fanden ihre ersten Abnehmer, als der Festzug am frühen Abend an der Marienstraße schließlich Halt machte. Langsam wurden die Halterungen gelöst, der Maibaum vorsichtig abgeladen. Die geschmückte Spitze wippte auf und ab. Warum sie sich plötzlich selbstständig machte, wird wohl ein Rätsel bleiben müssen. Auf einmal lag sie da, nur noch ein nackter Stumpf zierte das Baumende. Vielleicht hatte das kecke Ding beim Heimtransport oder während der Herfahrt schon einen leichten Knacks bekommen, möglicherweise waren auch ein paar Lausbuben am Werk.

"Passiert ist Gott sei Dank nichts", kommentierte Bürgermeister Wolfgang Braun das kleine Malheur und zeigte sich erleichtert, dass niemand zu Schaden gekommen war. Rasch ließ Braun Werkzeug herbeischaffen. Mit vereinten Kräften befestigte man das gute Stück wieder an Ort und Stelle. Dass der Baum nun rund einen Meter kürzer geworden ist, nahm man zähneknirschend zwar in Kauf, dafür aber hatte der "Invalide" ganz unfreiwillig seinen Einzug in die Dorfchronik gehalten.

Das war aber dann auch schon das einzige Missgeschick. Begleitet von flotten Klängen der Wiesauer Blasmusik machten sich die Motorradfreunde, kräftig unterstützt auch von starken Männern der Bergwacht, der Feuerwehr und der SG Fuchsmühl, mit langen Stangen ans Werk. Tradition wird nämlich im Ort großgeschrieben und macht auch vor dem Maibaumwerkzeug nicht halt. Während andernorts auch schon mal technische Mittel zu Hilfe genommen werden, schwört man in Fuchsmühl auf die altbewährte Methode mittels Schwalben. Das macht zwar mehr Arbeit und dauert länger. "Dafür schaut's aber schöner aus", kommentierte einer der Zuschauer die mühselige Arbeit mit den hölzernen Werkzeugen. Mit vereinten "Hauruck"-Rufen ging die Arbeit dann auch leicht von der Hand. Inzwischen hatten sich immer mehr Neugierige eingefunden. Die letzten Takte vom "Böhmischen Traum" waren gerade verklungen, als der leicht lädierte Maibaum dann an Ort und Stelle stand. Jetzt fehlte nur noch der letzte Schliff, nämlich die Zunftzeichen und das zum Anlass passende Vogelgezwitscher. Für letzteres sorgten die "Spatzenkinder" von Sankt Marien. Die Kleinen vom Kinderhaus unter der musikalischen Leitung von Petra und Tanja verrieten schließlich, wie sehr man sich auf den kommenden Mai freue.

Für einige Wochen ziert der Fuchsmühler Maibaum nun die Auffahrt zur Wallfahrtskirche. Und wenn der Wind von der richtigen Seite her weht, dann erstrahlt auch die etwas in Mitleidenschaft gezogene Spitze wieder in altgewohnter Pracht. Die Walpurgisnacht hat der Baum überstanden, geklaut wurde er nicht. Offenbar werden in der Steinwaldgemeinde also doch nicht alle alten Bräuche gepflegt.
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