Rettungsübung im Steinwald
Da zählt jede Sekunde

Höhenangst dürfen die Männer der Bergwacht nicht haben. Ihr Einsatz führt sie in schwindelerregende Höhen. Bild: wro
Vermischtes
Fuchsmühl
04.07.2016
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Die Situation unweit der Brandhütte lässt nichts Gutes ahnen: Scheinbar leblos liegt ein Mensch am Boden, ein Helfer der Fuchsmühler Bergwacht kümmert sich um ihn. Dröhnend kreist ein Polizeihubschrauber über dem Einsatzort, senkt sich Meter für Meter.

Das Bodenpersonal, auch die im Helikopter konzentriert arbeitende Besatzung wartet auf Anweisungen. Das massive Bergwachtaufgebot lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass wieder einmal jede Sekunde kostbar ist.

Rund 12 000 Einsatzstunden leisten die ehrenamtlichen Retter vom Allgäu bis zur Rhön pro Jahr. Man erkennt sie an ihrer auffälligen Kleidung mit dem Roten Kreuz im Edelweiß und dem Schriftzug "Bergwacht Bayern". Arbeits-, Wander- oder Kletterunfälle in schwierigem Gelände sind auch in unserer Region längst keine Seltenheit mehr.

Zum Glück werden die Männer aus Fuchsmühl, Mehlmeisel und Schönsee diesmal nur zu einer groß angelegten, überregionalen und praxisnahen Flugrettungsschulung mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern (Außenstelle Roth) gerufen. Aufmerksam lauschen die Bergwachtfreunde den Ausführungen von Polizeikommissar Michael Waldmüller. Immer wieder mahnt der junge Polizeibeamte zur Besonnenheit. Keinesfalls dürfe man in Hektik verfallen; nötigenfalls müsse man warten. "Gibt es noch Fragen?" Die Männer verneinen. Waldmüller gibt das Zeichen zum Start, der Polizeihubschrauber schwebt empor und holt den "Verletzten" und seinen Helfer am Haken nach oben. Wenige Minuten später zieht der Helikopter nochmal eine große Schleife über die Fuchsmühler Ludwigshöhe und setzt unweit der Brandhütte wieder zur Landung an. Die Prozedur wiederholt sich bis zum Mittag. Höhenangst dürfen die tapferen Männer von der Bergwacht freilich nicht haben.

"Zum Einsatz bei der Übung kommt dieses Mal auch das neue Antirotationsruder, das seit 2016 in ganz Bayern eingesetzt wird", informiert der verantwortliche Ausbildungsleiter in der Region, Armin Leuchter. "Während des Schwebeflugs kann der Luftstrom des Hubschraubers den Bergesack rotieren lassen. Vor Einführung des Ruders versuchte man das mit einem Antirotationsseil zu verhindern." Leuchter informiert ergänzend, dass die Lösung jedoch unbefriedigend war.

Was heute vor Ort im Training vertieft wird, wurde in Bad Tölz im Rahmen der dort stattfindenden regelmäßigen Schulungen am Simulator bereits geübt, fährt der Ausbilder fort. "Unkalkulierbare Faktoren wie Stress, auch die unterschiedlichsten Wetterbedingungen können nur im ,Ernstfall' und vor Ort ins Training einbezogen werden." Wie wichtig die regelmäßige Ausbildung der Rettungskräfte ist, bestätigt auch der Fuchsmühler Bereitschaftsleiter Wolfgang Hartung: "Auch wir fordern bei Bedarf die Unterstützung von Hubschraubern an." Luftrettungslehrgänge würden daher auch in der Region regelmäßig durchgeführt. Die Übung mit dem Polizeihubschrauber sei jedoch die erste dieser Art in Fuchsmühl, schließt Hartung.

Alles wirkt eingespielt, die Handgriffe sitzen. Die Rettungseinsätze im flachen Gelände laufen wie am Schnürchen. Deutlich anspruchsvoller jedoch gestaltet sich die anschließende Aufgabenstellung rund um die Fuchsmühler Felsenlandschaft. Unterstützt werden die Bergretter nun auch von zwei Suchhunden aus Mehlmeisel. Kurz vor 16 Uhr kehrt im Steinwald wieder Ruhe ein. Der Helikopter entschwebt zum Auftanken nach Latsch. Mit Ziel Brandhütte verlassen die Retter von der Bergwacht den Hackelstein.
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