Rockpalast im Jugendheim

Anders als geplant endet der Junggesellenabend in einem Desaster. Dr. Ansgar Tiefensee (Thomas Beer) hat aber bereits einen Plan B im Ärmel. Während Josef (Christian Mayerhöfer, Zweiter von links) und Peter (Alexander Derwart, rechts) mit Feuer und Flamme dabei sind, ist bei Friedl (Werner Robl, Zweiter von rechts) noch etwas Überzeugungsarbeit nötig. (Foto: Robl)
Vermischtes
Fuchsmühl
23.05.2016
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Ums Fensterputzen und um Anti-Falten-Creme drehen sich die Gesprächsthemen von Emilie (Andrea Hecht), Gertrud (Jasmin Mayerhöfer) und Hedwig (Daniela Seidel, von links). Liane (Christina Hößl, rechts) hat dafür kein Verständnis. (Foto: Robl)

Wenn sich gelangweilte Männer und deren frustrierte Ehefrauen aufmachen, ihre "wilden Zeiten" nochmals aufleben zu lassen, führt das zu irrwitzigen Überraschungen und unangenehmen Peinlichkeiten. Zumindest im Stück "Leberkäs und rote Strapse".

Die Laienspielgruppe begeisterte am Samstag - trotz DFB-Pokalendspiel wieder einmal vor voll besetztem Haus - auf der Jugendheimbühne. Trotz des etwas frivol klingenden Titels "Leberkäs und rote Strapse" bleibt das Stück bis zum Schlussvorhang jugendfrei. Nach den erfolgreichen Aufführungen von "Geräuchertes mit Sauerkraut" und "Lieber einen Mann als gar keinen Ärger" zeigte die LSG Fuchsmühl sicher nicht zum letzten Mal einen Schwank von Regina Rösch.

Die Herren der Schöpfung im Stück sind von den täglichen Fernsehabenden frustriert. Friedl, Peter und Sepp haben Florian Silbereisen und "Bauer sucht Frau" schon lange satt. Für etwas Trost sorgen das Feierabendbier und eine große Portion Leberkäse. Hedwig, Margarethe und Emilie ergeht es noch schlimmer. Den Mittelpunkt ihrer Tagesgespräche bilden das monatliche Fensterputzen, Socken stricken und Anti-Falten-Cremes. Raus aus dem Alltag und hinein ins Leben, heißt die Devise. Da kommen Ansgars und Lianes Vorschläge gerade recht: Einem kleinen Abenteuer nicht abgeneigt, stürzen sich die Protagonisten ins Nachtleben. Natürlich streng geheim und getrennt voneinander. So war zumindest der Plan.

Turbulente Szenen und witzige Pointen machten es den Darstellern leicht, die Herzen ihrer Zuschauer im Sturm zu erobern. Als schließlich Alexander Derwart auch noch das Mikro in die Hand nahm, um mit einer Live-Version von "Smoke on the water" die Bühne in einen Rockpalast zu verwandeln, war das Publikum nicht mehr zu halten. "Ich komme immer gern nach Fuchsmühl, da kann man den ganzen Abend g'scheit lachen", gestand eine auswärtige Zuschauerin beim Hinausgehen. "Ihr steigert euch von Mal zu Mal", lobte ein anderer Gast.

Zweifellos war der Premierenerfolg Regisseur Wolfgang Lang zu verdanken. Mit akribischer Detailverliebtheit spornte er sein Team zu Höchstleistungen an. Für Erstaunen sorgten ungewöhnliche Regieeinfälle wie das bunte Maskentreiben im Schlussakt. Lang spitzte auch wieder seinen Autorenbleistift, um "fehlende" Szenen hinzuschreiben. Der ursprünglich im schwäbischen Raum angesiedelte Schwank wurde kurzerhand in die Oberpfalz verlegt. Hingucker waren die Frauen, die sich vom Lockenwickler-Outfit zu mondänen Damen emporarbeiteten und von Tina Turner musikalisch begleitet schließlich ihren großen Auftritt hatten. Lichtwechsel, eine zweigeteilte Bühne und abwechslungsreiche Szenen stellten Techniker und Handwerker vor knifflige Aufgaben.

Die Darsteller agierten souverän, kleine Textpatzer wurden überspielt. Werner Robl als gestresstem Finanzbeamten Friedhelm, auch seiner emanzipieren Gattin Margarethe - Sabine Eger - waren die Pointen auf den Leib geschrieben. Hin und her giftend spielte Eger ihren "Friedl" an die Wand. Bühnenneuling Christian Mayerhöfer agierte ganz nebenbei im Bühnenbauteam mit. Als "alte Hasen" glänzten Jasmin Mayerhöfer, Thomas Beer und Alexander Derwart.

Stets stand auch das erfahrene Damentrio Andrea Hecht, Christina Hößl und Daniela Seidel im Fokus des Abends. Jeder der Mitwirkenden stand - wenigstens einmal - im Mittelpunkt des kurzweiligen Abends, sogar die beiden Statisten. Lange auf seinen Auftritt musste schließlich der "Stargast" des Abends warten. Wenige Szenen vor dem Schlussapplaus verschaffte er sich lautstark Gehör. Seinen Namen wollen die Laienspieler bis zur Wiederholung am 29. Mai aber noch ein wenig geheim halten.

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