Shadi Al Jamal ist gut in Fuchsmühl integriert
Syrischer Schreiner am Bauhof

Bauhofleiter Siegfried Trottmann (links) ist sehr zufrieden mit seinem syrischen Mitarbeiter. Ob Festbuden bauen, defekte Absperrungen reparieren, Rasen mähen oder Schnee räumen, auf Shadi sei Verlass. Das freut auch Bürgermeister Wolfgang Braun (rechts), der letztendlich die Stelle für den Syrer geschaffen hat.
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Fuchsmühl
07.10.2016
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Mit Rainer Kellner und Patrick Josse (unten von links) ist Shadi Al Jamal (auf dem Hänger) des öfteren beim Arbeitseinsatz. Die Verständigung des eingespielten Teams klappt problemlos - notfalls mit Händen und Füßen.

Shadi Al Jamal war mit seiner Freundin zur falschen Zeit am falschen Ort. In einem Café gerieten sie zufällig zwischen die Fronten der syrischen Armee und der Rebellen. Es war wohl ein Querschläger, der die junge Frau tötete. Nur ein tragisches Schicksal, von Tausenden, wie sie der Krieg in Syrien fordert.

Vor zweieinhalb Jahren hat der 31-Jährige aus Hama, die Stadt liegt zwischen Aleppo und Damaskus, in Fuchsmühl Zuflucht gefunden. Als der Krieg die Straße erreicht hatte, wo die Familie lebte und alles Hab und Gut zerstört war, flüchtete sie. Mit dem Flieger landeten er, seine Eltern und seine Geschwister in Hannover. Danach war die Familie zwei Wochen in einem Lager in Friedland und anschließend eine Woche lang noch im Hotel Faltenbacher Hof in Wiesau untergebracht, bevor sie ein Haus in Fuchsmühl beziehen konnte.

Existenz vernichtet


Der Vater von Shadi Al Jamal ernährte die Familie als Im- und Export-Kaufmann. Neben dem Wohnhaus machten Bomben auch die Lagerhalle dem Erdboden gleich und vernichteten so die Existenzgrundlage.

Eine Schwester von Shadi lebt mit ihren vier Kindern noch immer in Syrien. Ihr ist die Flucht nicht gelungen. Eine weitere hat Zuflucht in den Niederlanden gefunden. Kontakte gibt es per Telefon. Die Verbindungen zu seinen Freunden sind dagegen weitestgehend abgerissen. Nur zu zweien hat er Kontakt nach Saudi Arabien und in die Türkei. "Mir gefällt es hier super", sagt Shadi, der einer von den Flüchtlingen ist, die auch Arbeit haben. Der geht er täglich mit Begeisterung auf dem Bauhof nach. In seiner Heimat arbeitete er als Schreiner in einer Fensterfabrik mit 40 Mitarbeitern.

Mir gefällt es hier super.Shadi Al Jamal

Arbeitskreis zu verdanken


Seinen Job hat Shadi Al Jamal dem Arbeitskreis (AK) Integration für Flüchtlinge unter der Leitung von Hannelore-Bienlein-Holl zu verdanken. "In dieser Runde haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie sich Flüchtlinge in den Arbeitsprozess einbringen lassen", erklärt Bürgermeister Wolfgang Braun, der ebenfalls dem AK angehört.

"Ich sagte damals, ich kümmere mich in meiner Eigenschaft als Bürgermeister persönlich darum". Damit Integration gelingen könne, sei das Mitziehen der Bevölkerung von eklatanter Wichtigkeit, weiß das Gemeindeoberhaupt.

Shadi Al Jamal ist genauso eingestuft, wie jeder andere Hartz-IV-Empfänger der nebenbei arbeitet und sich im Rahmen des zulässigen Freibetrags ein wenig Geld dazu verdient. Maximal 30 Stunden sind dafür pro Woche vorgesehen. Der Stundenlohn liegt bei 1,50 Euro. Einen weiteren Flüchtling könne die Gemeinde zu diesen Bedingungen noch einstellen, stellt Braun in Aussicht. Der müsse aber aus dem Ort sein, denn jede Gemeinde müsse sich selbst um ihre Flüchtlinge kümmern.

Bauhofleiter Siegfried Trottmann ist hochzufrieden mit seinem syrischen Mitarbeiter. "Shadi ist arbeitswillig und sehr fleißig. Er würde am liebsten gar nicht aufhören." Obwohl Shadi eher schlecht Deutsch spreche, funktioniere die Kommunikation problemlos, weil er das meiste verstehe und nur mit dem Sprechen Probleme habe.

Und wenn es gar nicht anders gehe, gäbe es ja auch noch die vielzitierten Hände und Füße, die für jede Art von Gestik ausreichten. Außerdem ist Shadi nie allein an irgendeinem Einsatzort, sondern immer in Begleitung von mindestens einem deutschen Kollegen. Letztere lobt Trottmann ganz besonders, weil sie von Anfang an keine Vorurteile gegenüber dem Fremden hatten und ihn gleich voll akzeptierten. Die Kollegen helfen auch weiter, wenn der Neue Hilfe braucht. So kam Shadi zu Schuhen und bekommt auch sein kostenloses Taxi, wenn er irgendwo hin muss. In dem Zusammenhang lobt der Bauhofleiter auch die Familie Ernstberger, die sich rührend um die Jamals kümmere.

Auch von seinen Nachbarn ist Shadi begeistert, weil "alle sehr nett sind." Shadi hat auch den Schlüssel für die Mehrzweckhalle, wo sich die Syrer regelmäßig zum Fußball treffen. Bekannt ist er unter seinen Landsleuten auch als Grillmeister. Er organisiert die Partys und bereitet die Speisen nach gleicher Manier, wie wir Deutsche das tun. Alkohol ist genauso tabu wie Schweinfleisch und so landen auf dem Grill nur Schaffleisch und Fisch.

Will hierbleiben


Derzeit beherbergt die Gemeinde Fuchsmühl 48 Flüchtlinge aus Syrien und 8 Asylbewerber aus dem Irak. Bürgermeister Braun ist überzeugt, dass, wenn sich die Verhältnisse in den Heimatländern ändern würden, die meisten zurückgingen. Bei Shadi ist das anders. Er will in Deutschland bleiben.
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