Glitzerndes Wasser vor den Bayerwaldbergen, Sonnengebet mit Blick nach Böhmen
Unterwegs im Drachenland

"Bruder Sonne und Schwester Mond" vor der 14 Meter breiten und elf Meter hohen Stahlkonstruktion von Vaclav Blaha, welche das "Haus Europa" symbolisieren soll. Bilder: Moser
Freizeit
Furth im Wald
16.10.2015
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Fast wie im Voralpenland mutet dieses Bild an: Der Drachensee mit der Kulisse der Bayerwaldberge, dem doppelgipfeligen Osser, dem Arber und dem langen Bergzug des Hohen Bogen.

Der Hohenbogenwinkel zwischen Furth im Wald und Neukirchen b. Hl. Blut ist ein überaus reizvoller Flecken Erde. Eine anmutige Hügellandschaft soweit das Auge reicht, ein relativ junger Stausee, Kunst und Kultur in reicher Fülle und als Zugabe der Hohe Bogen als langgezogener Waldkamm.

Sonntagmorgen gegen neun Uhr. Ein stürmischer und kalter Ostwind bläst, die Wellen haben kleine Schaumkronen aufgesetzt und einige Stockenten schaukeln im Wasser. Anorak anziehen, Zipfelhaube aufsetzen und die Wanderung kann am Parkplatz Freizeitufer beginnen.

Der Drachensee wurde als Hochwasser-Rückhaltesee erst im Jahre 2009 eingeweiht. Beim Normalstau hat der See eine Wasserfläche von 90 Hektar, bei Hochwasser kann sich diese Fläche verdoppeln. Das bedeutet dann eine Rückhaltemenge von vier Millionen Kubikmetern Wasser. Jahrzehnte lange Planungen haben ein Vier-Zonen-Konzept ergeben, das touristische Belange und Naturschutz unter einen Hut bringt.

Talgrund mit Schutzgebiet

Der Weg führt eben am Seeufer entlang und bereits nach 25 Minuten sind wir an einer Abzweigung. Hier gilt es zu entscheiden: kurzer Weg fünf Kilometer, langer Weg zehn Kilometer. Wir entschließen uns für die längere Variante. Der Weg ist mit F 2 markiert und führt nun auf einem schmalen Teersträßchen, das für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, etwa 700 Meter leicht bergan und biegt dann links ab. Wir folgen dem Sträußchen, bis ein Feldweg zuerst links und dann in einem großen Bogen rechts weiter führt. Von hier überblicken wir den rückwärtigen Talgrund mit den Wiesenbrüter-Schutzgebieten, die nicht betreten werden sollen. Auf fast 80 Hektar wird hier keine Intensivlandwirtschaft mehr betrieben, die Wiesen nur noch zur Pflege gemäht.

Bei der Tourist-Information in Furth i. W. und dem dortigen Drachenmuseum können kostenlos Audioguides gegen Hinterlegung eines Ausweises ausgeliehen werden. An zwölf Stationen erfährt man so Wissenswertes über den See und seine Tier- und Pflanzenwelt. Die Wanderung wird zu einer hoch interessanten naturkundlichen Exkursion. Mit dem Fernglas - bitte unbedingt mitnehmen - kann man von mehreren Beobachtungsstationen aus jetzt vor allem Grau- und Silberreiher, Blesshühner, Kormorane, Haubentaucher und jede Menge an Graugänsen beobachten.

Vor einem Bauernhof links abbiegen, quer über einen Wiesenweg zu einer Brücke, die über die Chamb führt. Nun kann man eine kurze Strecke neben der Straße in Kauf nehmen (man spart sich so die Schleife über Kleinaign), bevor die Rotweißmarkierung F 2 wieder nach links abbiegt. Nach etwa zwei Stunden kommt man an die Inselkette mit dem Schwimmsteg, der die Freizeitzone von der Ökozone trennt. Um die Öhlsbühler Bucht herum kommen wir ans Seuchauer Ufer. Die Wanderer, viele in Daunenjacken gehüllt, werden mehr und als Kontrastprogramm wagen sich Surfer auf ihren Brettern ins Wasser.

Jetzt geht es wieder direkt am Wasser entlang und bald überschreiten wir den Damm. Kurz danach erreichen wir den eisernen Drachen. Landart auf Neudeutsch und begehbar obendrein. Der Mythos Drache spielt in dieser Gegend eine besondere Rolle, ist doch der Drachenstich das älteste Volksschauspiel in Deutschland. Eine Infogalerie, bestehend aus acht quadratischen Elementen, soll einen Drachenkörper symbolisieren.

Drei Stunden

Hier wird nochmals über den See und die touristischen Attraktionen der Gegend informiert. Nach wenigen Minuten sind wir wieder am Parkplatz des Freizeitgeländes. Gut drei Stunden hat die Wanderung gedauert, weil Nahblicke auf das glitzernde Wasser und Fernblicke auf die umliegenden Bayerwaldberge uns zu gemächlichem Gehen verleitet haben. Weil der Tag noch jung ist, fahren wir mit dem Auto um den See herum nach Eschlkam. Der Ort ist eine der ältesten Siedlungen im Grenzgebiet und wird schon 1240 als herzoglich bayerischer Amtssitz erwähnt. Beeindruckend ist die Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä., deren Innenraum ganz im byzantinischen Stil ausgemalt ist. Spätnazarenische Decken- und Wandbilder und neoromanische Altäre machen das Raumwunder vollkommen. Im Gasthof "Zur Post" erinnert eine Dauerausstellung an den im Ort geborenen Schriftsteller Maximilian Schmidt. König Ludwig II. las seine Werke gerne und Prinzregent Luitpold hat ihm 1898 den erblichen Zunamen "genannt Waldschmidt" verliehen.

Nahe beim Ort, auf der Leminger Höhe, wurde ein Kunst-Wanderweg mit sechs Stationen von deutschen und tschechischen Künstlern errichtet. Er steht unter dem Motto "Grenzbegegnungen - Wege zwischen West und Ost". Die Skulptur "Bruder Mond und Schwester Sonne" des Bildhauers Peter Mayer ist beeindruckend. Von dort oben genießen wir noch einmal den Blick auf Eschlkam, den Drachensee und das Tal der Chamb. Angeregt auch durch das Sonnengebet des heiligen Franz von Assisi, das in den Steinsockel einer der Skulpturen eingemeißelt ist.

Tipps zur RouteAnfahrt:

Auf der B 85 nach Cham, danach weiter auf der B 22. An der Umgehung Furth i. W. ist die Strecke zum Drachensee ausgeschildert. Fahrzeit von Amberg aus an Sonntagen (ohne Lkw) circa 90 Minuten (100 Kilometer).

Strecke:

Der Rundwanderweg (längere Variante) ist zehn Kilometer lang und mit Rot/Weiß F 2 ausgeschildert. Der Weg ist auch gut mit dem Rad zu befahren.

Einkehr:

Gaststätten in Eschlkam, Furth i. W. oder Neukirchen b. Hl. Blut

Sehenswertes:

Further Wildgarten www.wild-garten.de

Landestor-Drachenmuseum www.landestormuseum.de

Erlebniswelt Flederwisch www.flederwisch.de

Further Felsengänge
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