Wissen über Glauben versiegt

Alle Bänke sowohl in als auch außerhalb der Wallfahrtskirche waren am Sonntag beim Festgottesdienst voll besetzt. Da hatte auch Mesnerin Susanne Lindner (rechts) Mühe, nicht den Überblick zu verlieren. Bild: swo
Lokales
Gebenbach
15.09.2015
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Die spätsommerlichen Temperaturen lockten am Sonntag die Wallfahrer in Scharen auf den Mausberg. Darunter waren auch zwei Fußwallfahrer-Gruppen aus Hirschau und Aschach-Raigering.

Als Gastzelebranten begrüßte Pfarrvikar Christian Preitschaft Pfarrer Georg Gierl aus Flossenbürg sowie als Assistenten Diakon Richard Sellmeyer und Pastoralreferentin Elisabeth Hammer, die mit den Hirschauern gekommen waren. Zu den feierlichen Klängen der Gebenbacher Blasmusik zog man in die voll besetzte Kirche ein.

Beim Tagesthema "Unwissende lehren" ging Georg Gierl zunächst auf die Hintergründe ein: Der Jesuitenorden habe im 16. Jahrhundert im Zug der Gegenreformation viele Gymnasien und Internate gegründet. Dadurch sei die Bildung schlagartig auf ein neues Niveau gehoben worden. Ziel der Jesuiten sei jedoch gewesen, durch die Bildung die Gläubigen weniger anfällig für die neue Lehre zu machen. Der Pfarrer fügte an, dass über allen Werken der Barmherzigkeit das große Wort Jesu stehe: Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. Beim Evangelisten Johannes heiße es dazu: "Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit kam durch Jesus Christus."

Durch seinen Sohn habe Gott uns Unwissende gelehrt, und uns den Auftrag gegeben, an unseren Nächsten ebenso zu handeln. Die Kirche habe daraus eine Lehre abgeleitet, in der ein Teil der Kirche der lehrende und der weitaus größere Teil der hörende sei. Mit dem Zweiten Vatikanum habe die Kirche diese Lehre aufgegeben und so sei das Wissen über den Glauben sehr schnell - und bis heute - nahezu ausgetrocknet.

So betreffe das Werk der Barmherzigkeit, die Unwissenden zu lehren, in erster Linie uns selbst als Adressaten. Wir selbst seien die Unwissenden. "Doch wie könnten wir selbst zu Lehrern der göttlichen Offenbarung werden?", fragte Gierl und stellte fest, dass im Kleinen jeder Unwissende lehren könne. Die beste Lehre sei dabei immer noch das gute Beispiel.

In den Medien höre man derzeit viel über die notwendige Hilfe für die Flüchtlinge. Natürlich sei es zunächst wichtig, dass Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, bei uns Sicherheit und ein Dach über den Kopf fänden. Dass sie Deutsch lernten und die Möglichkeit bekämen, für ihr eigenes Auskommen zu sorgen. "Uns Christen muss es aber um mehr gehen." Mit der Aufnahme der Flüchtlinge würden wir auch Verantwortung für ihr Seelenheil übernehmen. Hier werde sich in den kommenden Jahren ein großes Betätigungsfeld ergeben. "Mit dem Vorbild unseres christlichen Lebens können wir jene lehren, die im christlichen Glauben Unwissende sind", sagte Gierl.
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