Geologisch-kulturhistorische Wanderung rund um den Mausberg bei Gebenbach
Der Mississippi der Oberpfalz

Groß war das Interesse an dem geologisch-kulturhistorischen Ausflug der AOVE, den Dr. Angela Wirsing (an der Tafel) führte. Start war bei der Mausbergkirche, wo die Geologin die Entstehung und das Vorkommen des Rhätsandsteins erklärte. Bild: usc
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Gebenbach
03.11.2016
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Sicherlich gehen die meisten Besucher des Mausbergfests achtlos an der Infotafel bei den Toiletten vorbei, kaum jemand wirft einen Blick hoch auf den Hang zu den Felsen oberhalb der Kirche. Die Wandergruppe, die sich der Geologin Dr. Angela Wirsing zu einer AOVE-Führung rund um den Mausberg anschloss, weiß nun genauer Bescheid.

Wirsing ist eine profunde Kennerin der Geologie im Landkreis. So hat sie zusammen mit dem Tourismus-Leiter der Landkreis, Hubert Zaremba, den Führer "Geologische Radtouren" herausgegeben. Die engen Kontakte ergaben sich aus der Zusammenarbeit mit dem Museum in Theuern.

Ausgangspunkt der Wanderung war die Mausbergkirche, bei der eine aus Rhätsandstein bestehende Geländestufe zutage tritt. Die sandigen Gesteine des Obersten Keuper, auch Rhät genannt, und des Unteren Jura (Lias) lassen sich mangels tierischer oder pflanzlicher Fossilien zeitlich nicht eindeutig voneinander trennen. Die Abfolge von Sandsteinen und geringmächtigen Tonsteinen sind Ablagerungen eines ehemals riesigen Flussdeltas, das mit der heutigen Mississippi-Mündung vergleichbar ist. Wirsing benutzte dafür deshalb den etwas scherzhaften Begriff des fränkisch-oberpfälzischen Mississippi. Dieses Flussdelta schob sich vom südlich gelegenen Vindelizischen Festland zu Beginn des Unteren Juras weiter nach Norden vor, während von Nordwesten her das Jurameer vorrückte.

Die Sandsteine des Rhätolias sind seit dem 17. Jahrhundert die am häufigsten verbauten in Bayern. Beispiele dafür sind die Kirchen in Aschach und Hahnbach oder der Turm der Amberger Mariahilfberg-Kirche. Wie aus der Infotafel bei der Mausbergkirche weiter hervorgeht, hat man den Sandstein auch oft verwendet, um Keller anzulegen.

Die 10 bis 16 Meter mächtigen Sandsteinlagen des Rhät/Lias-Übergangsschichten, auch Rätholias bezeichnet, lagerten sich im Flussinneren ab. Sie bilden über dem unterlagernden, tonigen Feuerletten eine bewaldete Steilstufe. Diese konnte die Wandergruppe auf dem Weg von der Mausbergkirche nach Mausdorf entdecken. Angela Wirsing zeigte bei der geologisch-kulturhistorischen Wanderung neben ehemaligen Mergelgruben auch einen weiteren markanten Punkt im östlichen Teil des Hahnbacher Beckens. Dazu machte die Gruppe Halt in Mausdorf, um kurz beim mittelalterlichen Getreidekasten zu verweilen. Diesen kann man als kulturgeschichtliches Kleinod bezeichnen. Das Mauerwerk besteht aus verschiedenen Gesteinstypen der Umgebung.
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