Kolumne OTon
Irgendwo im Nirgendwo

Manchmal endet die Fahrt mitten im Wald. Bild: Götz
Vermischtes
Gebenbach
31.03.2016
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Zwei Damen, die sich trotz – oder eher wegen? - ihres Navis verfahren und im Wald landen. Eigentlich eine lustige Geschichte, bei der sich sicher einige "typisch Frau" gedacht haben.

Anfangs habe ich auch darüber gelacht, muss ich zugeben. Teilweise, weil ich die Sache wirklich lustig gefunden habe, teilweise, weil ich peinlich berührt war. Und als sich im Laufe des Tages die Nachrichten von Freunden gehäuft hatten, die mir den Link zu dem Artikel schickten, ist mir das Lachen vergangen.

Denn genauso, wie den beiden Frauen, ist es mir auch schon oft gegangen. Sie könnten sich wenigstens noch damit herausreden, schon älter und mit der Technik nicht so vertraut zu sein. Leider bin ich über 50 Jahre jünger, da zählen solche Argumente nicht. Egal, ob ich mich von einem Tom Tom, Garmin oder von Google Maps navigieren lasse: ich komme nicht an. Dabei wüsste ich meistens die ungefähre Richtung, schalte aber trotzdem das Navi an. Sicherheitshalber. Und nehme mir am Ende jedes Mal vor, endlich Landkarten lesen zu lernen. Oder mich auf meine mäßigen Ortskenntnisse und Straßenschilder zu verlassen.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Ich weiß, dass ich geradeaus fahren muss, der Pfeil auf der Tafel bestätigt mich darin – und dann überrumpelt mich das Gerät mit einem „Bitte rechts abbiegen“. Sofort fangen meine Gedanken an zu rotieren. „Rechts? Wieso denn rechts? Ich muss doch geradeaus fahren! Vielleicht ist da eine Umleitung? Bieg' ich jetzt ab oder nicht?“ Eine banale Entscheidung, die mich als unschlüssigen Menschen fast überfordert. Ich bin froh, wenn mir ein Beifahrer mit besserem Orientierungssinn diese Wahl abnimmt. Meistens bin ich aber in solchen Momenten auf mich allein gestellt. Weil ich nicht ewig abwägen kann, was nun für und wider das "bitte rechts" spricht, ignoriere ich mein Bauchgefühl und biege ab.

Tja, und dann fahre ich mal wieder kilometerweit matschige, abgelegene und eindeutig falsche Feldwege entlang. Aber anstatt die Stimme des Gerätes einfach zu überhören und umzukehren, rede ich mir die Sache schön. „Der Weg stimmt auf jeden Fall. Der Wald wird schon lichter und gleich kommt die Straße. Das ist nur eine Abkürzung.“ Und tatsächlich, kurz darauf heißt es, ich hätte mein Ziel erreicht. Mal ist mitten im Wald Endstation, mal auf einem einsamen Bauernhof oder in einem Ort, von dem ich noch nie gehört habe.

Ein prüfender Blick auf Postleitzahl, Ort und sogar das Land – alles richtig eingegeben. Woran liegt‘s also dann, dass ich trotzdem so gut wie nie da ankomme? Langsam wird es mir auch peinlich, weil es anscheinend nur mir so geht. Entweder haben alle anderen einen besseren Draht zu Navigationsgeräten und iPhone, oder sie geben es einfach nicht zu. „Nimm Landkarten, da passiert sowas nicht“, raten meine Eltern. „Technik und du, das passt halt nicht“, trösten mich Freunde. Sie haben wohl Recht, und vielleicht sollte ich mich damit abfinden. Und wenn ich immer rechtzeitig losfahre, dann sind die 25 Kilometer Umweg auch kein Problem. Wenigstens hat mich bisher noch kein Förster retten müssen.
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