Hilfslehrer häufig betrunken

Albert Kick. Bild: pi
Lokales
Georgenberg
24.01.2015
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In seinem Vortrag "280 Jahre Schule in der Gemeinde Georgenberg" zeichnete Albert Kick ein Stück Kulturgeschichte des Orts nach. Mesner seien besser bezahlt worden als Pädagogen. Und die damals üblichen Hilfslehrer mussten oft versetzt werden - wegen Trunksucht.

Zu wenige waren gekommen, um so interessanter gestalteten sich die Ausführungen. Unter den Zuhörern befanden sich Bürgermeister Johann Maurer und der Vorsitzende des Oberpfälzer Waldvereins, Manfred Janker. Altbürgermeister und OWV-Heimatpfleger Albert Kick begann am Donnerstag im "Berggasthof" der Familie Schaller mit der Erhebung der Pfarrfiliale St. Christoph im Wald zur Expositur. "Durch das uns regierende Fürstengeschlecht von Lobkowitz wurde auf dessen Grundstück neben der Expositurkirche die Pfarrschule errichtet."

Dabei würdigte er die Leistungen der Lobkowitzer, "die von 1666 bis 1807 enorm viel bewirkt haben". Als ersten Lehrer nannte er Stephan Franz, als dessen Nachfolger nach nur einem Jahr Kaspar Lindner. "Es folgte Christoph Lindner mit einer Dienstzeit von 48 Jahren", ließ der Referent wissen und sprach auch von vielen damaligen sogenannten "Schulgehilfen und Hilfslehrern". Laut Kick war die Bezeichnung "Hilfslehrer" sogar noch in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gängig, sogar bei der noch den Älteren bekannten Schwester Theodosiana.

Pfarrer der Chef

"Der örtliche Schulinspektor war bis 1918 der Pfarrer", sagte Kick. Die Lehrer seien Angestellte der Kirche gewesen. "Der Mesnerdienst war mehr wert als die Lehrertätigkeit." So habe ein Pädagoge im 19. Jahrhundert für seinen Beruf im Monat 87 Gulden und 51 Kreuzer erhalten, als Mesner jedoch 106 Gulden und 59 Kreuzer. "Die Hilfslehrer mussten ursprünglich vom Lehrer unterhalten werden", erklärte der Altbürgermeister, der auch wissen ließ: "Der dauernde Wechsel der Hilfslehrer in dieser Zeit hatte meistens mit Trunksucht zu tun."

1876 hatte die damalige Gemeindeverwaltung Neudorf einen Schulgehilfen sogar wegen unsittlichen Verhaltens angezeigt, so dass er versetzt wurde. "Es gab damals in Neukirchen zu St. Christoph 238 schulpflichtige Kinder", blickte Kick auf die Zeit um 1910 zurück. "Da gab es die Inflation, und die Milliarde aus der Kostenermittlung war nach der Fertigstellung nur noch ein paar Brotzeiten wert", sagte er zum Bau des Schulhauses in Waldkirch nach dem Ersten Weltkrieg. 1932 folgte die Errichtung der Schule im jetzigen Ortsteil Hinterbrünst. "Nun wurde auch mit großem Drang der Neubau einer Schule in Neukirchen ins Auge gefasst", wies der Heimatpfleger auf das "Prestige-Projekt der Nationalsozialisten" mit der Einweihung am 19. Juni 1938 in Neudorf ohne Pfarrer hin. Als "Glanzzeit für Neudorf" bezeichnete er die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 50er Jahre mit Lehrerinnen wie Schwester Euphemia oder Schwester Theodosiana. "Damals fanden Heimatfeste, Ausstellungen oder Theateraufführungen statt."

Lob für engagierte Lehrer

Kick informierte außerdem über die Zusammenarbeit mit den damaligen Schulen Brünst, Neuenhammer und Waldkirch und ging auf die späteren Reformen - etwa die Volksschulreform 1969 - ein. "Unsere Grundschule war schon einmal aufgelöst", resümierte er und würdigte den Einsatz des damaligen Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion, August R. Lang, für deren Erhalt.

Viel geleistet hätten auch Lehrer wie die Rektoren Franz Schacht und Jürgen Wunder sowie Marga Fojtik, Anton Haider, Stefan Schmidbauer oder Franz Wittmann. Gegenwärtig unterrichten in der Grundschule, die seit 2006/2007 zur Zottbachschule Pleystein gehört, Katharina Merther, Alexandra Schendera und Manuela Strunz.
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