Nadine Lukas (21) in Neuseeland und Australien unterwegs
Rucksack voller Erfahrungen

Mit ihren Freunden Rowan und Tami (von links) war Nadine Lukas (rechts) beim Tongariro Crossing auf aktiven Vulkanen unterwegs. Bilder: hfz (3)
Vermischtes
Georgenberg
01.07.2016
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In Australien leistete sich Nadine Lukas einen Tandem-Fallschirmsprung.

Zimmermädchen, Weintraubenpflückerin oder Surf-Lehrerin - die 21-jährige Nadine Lukas aus Neuenhammer übernahm so manchen Job, um sich auf ihrer Rucksack-Reise in Neuseeland und Australien finanziell über Wasser zu halten. Die 20 Monate weit weg von zu Hause wird sie nicht vergessen.

Neuenhammer. "Geplant waren eigentlich sieben Monate in Neuseeland. Weil das Land aber so klein war und mir dann Australien so gefallen hat, wurden 20 Monate daraus", grinst Nadine drei Wochen nach ihrer Rückkehr nach Neuenhammer. Nach dem Abitur an der FOS in Weiden 2014 wusste die junge Frau nicht so recht, wie es denn weitergehen sollte. Schon Monate vorher hatte sie ihre Eltern über ihren Plan informiert, nach Neuseeland zu gehen. 5600 Euro hatte sie sich zusammengespart, als sie als "Work-and-Travel"-Touristin nach einem 32-Stunden-Flug auf dem Inselstaat ankam. Eine vorher gebuchte Bus-Tour führte sie in den ersten sechs Wochen durch das gesamte Land. Danach erkundete sie die schönsten Orte auf eigene Faust.

Im Kleinbus unterwegs


Als "Backpacker" (Rucksack-Tourist) bleibt man nicht lange allein: "Man trifft viele junge Leute, reist mit ihnen ein paar Wochen oder Monate bis man sich wieder trennt." So kaufte sie sich mit einigen Burschen aus Kanada einen Kleinbus, in dem die Truppe dann Surfbretter und Skateboards verstaute und sich auf die Suche nach den schönsten Stränden machte.

Nadine lernte Surfen und Tauchen, schnorchelte in tiefblauen Gewässern, gönnte sich einen Fallschirmsprung und überwand sich zum Bungee-Jumping aus 134 Metern Höhe über einem Canyon. Unter den grünen Hügeln von Waitomo erkundete sie beim Tumu Tumu Toobing ein Höhlenlabyrinth, in dem Glühwürmchen-Galaxien zu bestaunen sind. Sie besuchte den Kakadu-Nationalpark in Darwin. "Viel schöner ist aber der weniger bekannte Litchfield-Nationalpark. Dort darf man ins Wasser und in Höhlen tauchen", schwärmt die 21-Jährige.

Vulkane und Gletscher


In Australien genoss sie sämtliche Schönheiten, die die Natur dort bietet: kilometerlange, weiße Sandstrände, grüne Hügel, Vulkane und Gletscher. Zwei Wochen blieb sie in Sydney, zehn Wochen in Yetman. Besonders die Westküste sei ein wahres Paradies für Surfer. Aber nicht immer hielten die Touren, was sie in den Prospekten versprachen: "Für eine Gletschertour mit einem Helikopterflug zahlte ich ganze 305 Dollar. Der Flug war ja ganz schön. Aber auf dem Gletscher sind wir dann halt drei Stunden rumgelaufen. Das war's dann. Das hätte ich in Österreich auch machen könne - aber umsonst."

Zum "Koala-Knuddeln" ging es nach Magnetic Island. Drei Tage verbrachte sie auf einem Segelschiff. Die Eindrücke bei einem Tauchgang im Great Barrier Reef wird sie nie vergessen. Die Route in Neuseeland führte sie unter anderem mit dem Stray-Bus von Auckland zum Cape Reinga nach Raglan. Nadine übernachtete in einem traditionellen Maori-Gemeinschaftshaus und besuchte die Geysire und Thermalquellen in Rotorua. Auch der höchste kommerziell raftbare Wasserfall der Welt stand auf ihrer Liste. "Das Wasser in Neuseeland ist total sauber. Man kann aus jedem Bach trinken." Die junge Frau campte - nicht ganz legal - auf einem aktiven Vulkan und unternahm eine Kajaktour zu Adeleisland. Auf dem Mount Cook-Rangitata besichtigte die Oberpfälzerin eine Szenerie aus dem Film "Herr der Ringe". In Taupo arbeitete sie einige Wochen als Zimmermädchen. "Da habe ich auch Hugh Jackmans Bett gemacht", erzählt die 21-Jährige stolz.

Keine guten Erfahrungen machte sie dagegen in den Wochen als Au-pair-Mädchen: "Ich musste nicht nur auf die Kinder aufpassen, sondern die Wohnung streichen, einen Parkettboden verlegen und Palmen pflanzen." Manche Arbeitgeber würden die jungen Rucksack-Touristen beim "WWOOFing" (Infokasten) auch gerne mal ausbeuten: "Das Weintraubenpflücken war total hart. Da habe ich nach einem Tag Schluss gemacht. Ich bekam in der Stunde rund 1,20 Dollar und musste einen riesigen Eimer mit Mini-Trauben füllen."

Im Rückblick überwiegen die guten Erfahrungen, die sie in den 20 Monaten machte. Sie habe sich in beiden Ländern sicher gefühlt und sei wunderbaren Menschen begegnet. "Natürlich sollte man vermeiden, nachts zu trampen", schränkt sie etwas ein. "Ich habe so viele Kanadier kennengelernt. Das sind die freundlichsten Menschen, die man treffen kann."

Die Reise ging nicht spurlos an der jungen Frau vorüber: "Ich bin erwachsener und offener geworden. Ich traue mir jetzt viel mehr zu." Man lerne zuzupacken und vorauszudenken. Alleine wenn sie an die langen Autofahrten denkt. "Da kommt die nächste Stadt vielleicht in 200 Kilometern. Ohne Reservekanister geht da gar nichts", lacht die junge Frau. Kleinere Reparaturen an klapprigen Kisten sind für sie mittlerweile kein Problem.

Studium in Bremen


An einigen Stationen wurde der Oberpfälzerin angeboten, doch länger oder gar ganz zu bleiben. In einer Bar sollte sie stellvertretende Managerin werden. Doch selbst als sie einen Freund an ihrer Seite hatte, wollte die 21-Jährige dieses Sponsorship nicht annehmen. "Mir war immer klar, dass ich zum Studieren wieder zurück nach Deutschland will." Die nächste Etappe führt Nadine ab September nach Bremen, wo sie Kreuzfahrttourismus studieren will. "Danach würde ich gerne noch eine Jahr nach Kanada. Und Lateinamerika möchte ich auch noch sehen."

WWOOFDie Abkürzung WWOOF steht für World-Wide Opportunities on Organic Farms (weltweite Möglichkeiten auf Biobauernhöfen). Es handelt sich um ein weltweites Netzwerk, das von der Idee getragen wird, Menschen zusammenzubringen, die einen naturverbundenen Lebensstil auf dem Land führen - oder aktiv kennenlernen wollen.

Im Zentrum stehen Aufenthalte von freiwilligen Helfern auf Bio-Bauernhöfen oder Selbstversorger-Höfen. Zwischen WWOOFern und Hofbesitzern findet ein an ein Gastverhältnis angelehnter geldloser Austausch statt, bei dem WWOOFer freiwillig helfend in den Alltag auf einem Hof eingebunden werden. (ck)


Ich bin erwachsener und offener geworden. Ich traue mir jetzt viel mehr zu.Nadine Lukas (21)
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