Vor 50 Jahren: Angst und Schrecken in Neulosimthal
Nachbarort in Schutt und Asche

Neulosimthal in seiner Blüte: Heute ist von dem Ort nichts mehr übrig. Vor 50 Jahren sank die Pfarrkirche in Schutt und Asche.
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Georgenberg
10.11.2016
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Am Nachmittag des 11. November 1966 versetzte eine heftige Detonation hinter dem damaligen "Eisernen Vorhang" die Menschen in Georgenberg in Angst und Schrecken. Von dem einst aufstrebenden Ort Neulosimthal ist seitdem nichts mehr übrig.

Die Detonation ließ sogar in den benachbarten Ortschaften diesseits der Landesgrenze die Fensterscheiben erzittern. Im einst stattlichen Pfarrdorf - jetziger Name Jédlina - sank das Gotteshaus nach 150-jährigem Bestehen in Schutt und Asche.

Wälder gerodet


Nach der vom ehemaligen Ortsbetreuer Hans Schwab ("Posterer-Hans") zusammengestellten kurzen Entstehungsgeschichte, die in der vom Oberpfälzer Waldverein Georgenberg herausgegebenen Chronik enthalten ist, erteilte am 20. April 1626 der Gutsherr Husmann aus Tachau sieben Männern die Erlaubnis, mit ihren Familien bei Waldheim die Wälder zu roden und Häuser zu errichten. Die Siedlung erhielt dann den Namen "Donhausen".

Durch die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs mussten die Neusiedler jedoch bald in die Wälder fliehen. Erst 1637 wurde Donhausen wieder besiedelt. 1664 gelangte die Siedlung in das Eigentum des Grafen Losy von Losymthal. Die unter seiner Herrschaft weiter erbauten Häuser mit den bereits vorhandenen wurden nach ihm "Neulosimthal" benannt. Im Volksmund hieß der Ort bis zur Vertreibung seiner Bewohner durch die Tschechen nach dem Zweiten Weltkrieg "Rousntol".

Laut Altbürgermeister Albert Kick wurde die Pfarrei Neulosimthal am 7. März 1786 vom österreichischen Kaiser Joseph II. gegründet. "Sie wurde zusammengeführt aus Neulosimthal, bis dahin Bestandteil der Pfarrei Schönwald, und den böhmischen Ortschaften der Pfarrei Waldthurn, Expositur Neukirchen zu St. Christoph, einschließlich der Ortschaft Paulusbrunn", weiß der Heimatpfleger des Oberpfälzer Waldvereins.

Im Zuge der Josefinischen Pfarreieinrichtungen wurde Neulosimthal nach einer kaiserlichen Entschließung vom Februar 1787 einer der neuen Religionspfarreien des Kreises, wobei man ihr nun auch die Dörfer des Guts Waldheim zuteilte. Mit der Genehmigung der österreichischen kaiserlichen Regierung übte aber in diesen Orten die bayerische Nachbarpfarrei Neukirchen zu St. Christoph noch bis 1807 die Seelsorge aus.

Anna die Kirchenpatronin


In den Jahren 1814 bis 1816 - die Fertigstellung war also vor 200 Jahren - entstand die Pfarrkirche in Neulosimthal mit Turm. Kirchenpatronin war die heilige Mutter Anna, deren Fest stets am "Annatag", 26. Juli, ist.

Der Bau des Kirchturms erfolgte schließlich im Jahr 1854. Den Friedhof für die gesamte Pfarrei hatte man schon 1787 angelegt. Seine Mauern sind von Neukirchen zu St. Christoph oder Hinterbrünst/Leßlohe aus deutlich zu erkennen. Am 7. März 1948 hat der letzte Pfarrer, Karl Antusch, die Pfarrei verlassen. Er wirkte dann noch als sogenannter "Hilfsseelsorger" in Neukirchen zu St. Christoph. "In den 50-er und 60-er Jahren wurde die Kirche als Hauslagerstätte und Pferdestallung missbraucht", bedauert Kick.

Durch seine Initiative wurden die Friedhofsmauer vor einigen Jahren saniert und der Gottesacker neu hergerichtet. In guter Erinnerung ist noch das große Annafest mit dem Gedenkgottesdienst im Jahr 1990, als der inzwischen als Wanderübergang bestehende Grenzübergang in Waldheim für kurze Zeit geöffnet war.
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