Kein Gen für Schönheit

Lokales
Gleiritsch
27.11.2014
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"Naturschutz ist auch Landschaftsschutz", sagte Dr. Klaus Arbter beim Treffen der Bürgerinitiative "Gegenwind Gleiritsch". Er verglich die Auswirkungen der Windkraftanlagen mit den Zerstörungen im Zuge der Flurbereinigung. Die Bürgerinitiative will ihr Engagement ungebremst fortsetzen.

"Die Oberpfalz - eine wunderschöne Seelenlandschaft", lautete der Titel eines Vortrags von Dr. Klaus Arbter aus Tirschenreuth, der auf Einladung der Bürgerinitiative "Gegenwind" beim "Dorfwirt" referierte. Dieser Termin wurde trotz des Landratsamt-Bescheids für die Errichtung des Windparks Pamsendorf beibehalten.

Bürgermeister enttäuscht

Dr. Siegfried Burger, Sprecher der BI, ging eingangs nochmals kurz auf die letzten Aktivitäten ein und gab sich kämpferisch. Man werde jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und die Entscheidung des Landratsamtes einfach so hinnehmen. Bürgermeister Hubert Zwack berichtete ebenfalls von den Ereignissen und zeigte sich überaus enttäuscht, dass Landrat Thomas Ebeling seiner Bitte, mit dem Bescheid noch bis zum 21. November zu warten, da hier die 10-H-Regelung in Kraft getreten ist, nicht nachgekommen ist.

Er habe über MdB Karl Hohlmeier Ministerpräsident Seehofer von dem kompletten Sachverhalt in Kenntnis gesetzt und die Gemeinde werde alles tun, um die Verwirklichung dieser Windkraftanlagen zu verhindern. Die vier Stellungnahmen des Denkmalschutzamtes, dass diese Anlagen nicht genehmigungsfähig seien, wären einfach ignoriert worden. Da werde man auf jeden Fall ansetzen. Eine Frau aus einer Nachbargemeinde sprach an, dass sie im Jahr 2001 75 000 Euro in eine Windkraftbeteiligung in Bremen investiert habe und seither keinen Cent vom Ertrag gesehen habe.

Anschließend übernahm Dr. Klaus Arbter das Wort. Der ehemalige Gymnasiallehrer für Chemie, Biologie und Geografie war 34 Jahre lang Vorsitzender beim Bund Naturschutz, Kreisgruppe Tirschenreuth. Der in den Medien als "moderner Don Quichotte" bezeichnete Experte kämpft mit der Neuauflage seines Buches "Bilder meiner Landschaft - Ein Gang durchs Jahr im Norden der Oberpfalz" gegen die Beeinträchtigung weitläufiger Landschaften durch Windkraftanlagen. Er will zeigen, welche Landstriche durch den Bau von Windkraftanlagen in ihrer Komplexität gefährdet sind.

Mit seinen Bildern will er deutlich machen, wie Windräder das Landschaftsbild zerstören. "Der Natur-, Denkmal- und Landschaftsschützer ist kein Windkraftgegner. Aber er wehrt sich vehement gegen viele geplante Standorte", sagte der Referent. Solche nämlich, die das Landschaftsbild der Region seiner Meinung nach arg in Mitleidenschaft ziehen würden. Arbter ist Ästhet und sieht weiträumige Landschaften als Einheiten, in denen Windräder nur stören. Die Landschaft vertrage an vielen Stellen keine 200 Meter hohen, kilometerweit sichtbaren Energielieferanten.

Naturschutz sei nicht nur Schutz seltener Tiere oder Pflanzen, sondern auch Landschaftsschutz, so sein Tenor. Der Referent zeigte in einem anschaulichen Dia-Vortrag als positive Beispiele wunderbare Landschaftsbilder im Jahreslauf. Gerade die Vorher-Nachher-Situationen, die der Autor mit der Kamera dokumentiert hat, machten deutlich, welche immensen Nachteile der Landschaft durch die Flurbereinigung zuteil geworden sind: "Damals kannte die Zerstörung keine Grenzen. Heute gibt es ein Umdenken. Und das Amt für ländliche Entwicklung ist darum bemüht, für teures Geld ursprüngliche Zustände wieder herzustellen."

Für andere Regionen

Das sei lobenswert. Aber durch die Windkraftanlagenplanung, wie sie derzeit im Raum steht, befürchtet der Referent eine ähnliche Zerstörungswelle wie damals. Eine Orchideenwiese unter einer Stromleitung hätte keinen Genusswert und Leute, die Windräder in unberührte, weitläufige Landschaften stellen, hätten kein Gen für Schönheit. "Es kann nicht angehen, dass für die Energiewende eine der schönsten Landschaften Deutschlands geopfert wird", sagte Arbter. "Es gibt viele andere Regionen, wo es überhaupt nicht ins Gewicht fällt, ob dort Windräder stehen oder nicht."
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