Ministranten verteidigen Lager-Fahne mit aller Kraft
Teuflische Attacke

Mit einer furchterregenden Fratze auf der selbst gezimmerten Festung stürmt das Überfall-Kommando ins Zeltlager - und stößt dort auf erbitterten Widerstand. Bild: Bugl
Lokales
Gleiritsch
14.08.2015
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"Überfall!", gellt es durch die Nacht. Da sind die Angreifer mit ihrem sperrigen Konstrukt noch 300 Meter vom Gleiritscher Kroau-Weiher entfernt. Als sie im Zeltlager der Pfreimder Ministranten eintreffen, werden sie schon erwartet.

Rund ein Dutzend Männer, die meisten von ihnen Väter der in Gleiritsch campierenden Ministranten, haben stundenlang geplant und konstruiert, um unter dem Schutz solider Holzwände an die Lagerfahne heranzukommen. Sollten sie sich in einer Torte verstecken oder in einem Floß anrücken? Vielleicht zur Ablenkung eine Stripperin organisieren?

In den Vorjahren hat das erfahrene Überfall-Kommando schon allerhand versucht: Die Männer haben sich mit einer fingierten Treibjagd den Zugang zum Camp erschlichen, sie sind in einem Trojanischen Pferd angerückt und mit einem Wikingerschiff Marke Eigenbau. Einmal sind sie in einer Prozession von Mönchen aufgekreuzt, und im vergangenen Jahr hatten sie Böller und Raketen im Gepäck - und sind doch immer gescheitert."Nicht laut, nicht gefährlich" sollte es deshalb diesmal sein, aber eben schon spektakulär, und natürlich mit Aussicht auf Erfolg.

"Wenn acht kleine Kinder an dir dranhängen, dann machst du nichts mehr", seufzt ein leidgeprüfter Angreifer. Abschreckende Masken wie beim Neunburger Schwarzachtal-Pass, auch den feuerspeienden Further Drachen würden sich einige gern ausleihen. Schließlich wird es eine Art Bunker auf Rollen, fast so groß wie ein kleines Haus. Glatt und uneinnehmbar sollen die Außenwände sein.

Es ist stockdunkel, als die Männer den fahrbaren Bunker mit der Teufelsfratze und den rot leuchtenden Augen Richtung Lager schieben. Eine Lenkung hat das Ding nicht, die Bremse funktioniert nur "im Rückwärtsgang", dafür dröhnt dank Generator "Highway to Hell" aus einem Lautsprecher. Dieses teuflische Gefährt aufzuhalten, ist definitiv ein Fall für die älteren Ministranten mit Betreuerfunktion.

Ein Auto schneidet dem Überfall-Kommando den Weg ab. "Unfair, feig", schimpft die Väter-Gruppe, die sich über Handy als "GSG 9" verabredet hat. Die Jugendlichen geben nach, sind vernünftig genug, das Bauwerk nicht über die Böschung des Badeweihers zu kippen, und gehen erneut in Stellung mit einem Anhänger. Sie weichen auch nicht, als es von oben eine eiskalte Dusche mit kleinen Eisstückchen gibt.

Nach kurzem Hick-hack sehen alle Mann ein, dass bei so vielen lebenden Hindernissen ein Durchkommen zur Lagerfahne unmöglich ist. Dabei hing die in einer kleiner Ausgabe extra für die "Überfaller" tief genug. Bis am Lagerfeuer das Kriegsbeil endgültig begraben wird, sind die jüngeren "Minis" längst in ihre Schlafsäcke geschlüpft. "Uns kann doch keiner was anhaben", ist eine kleine Ministrantin überzeugt. "Das ist ja nur Spaß."
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