Pfreimder Ministranten schlüpfen in Wikinger-Rollen
Stark auch ohne Zaubertrank

Zur Erkennungsmelodie der Trickfilm-Serie "Wickie" legte ein nachgebautes Wikingerschiff am Gleiritscher Badeweiher an. An Bord war ein Teil der 100-köpfigen Ministrantenschar, die hier fünf Tage lang campierte. Bilder: Bugl (3)
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Gleiritsch
12.08.2016
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"Merci, dass es dich gibt", schallte es über den Camping-Platz, als sich der Chor aus Helfern und Gruppenleitern bei Pastoralreferent Christian Irlbacher (links vorne) bedankte.

Fertig zum Entern: Die Wikinger nehmen Kurs auf das Ufer, an dem die knapp 100 Pfreimder Ministranten ihr Zeltlager aufgebaut haben. Für Pokémon und Heimweh ist da kein Platz. Pastoralreferent Christian Irlbacher weiß, welcher Zaubertrank hier seine Wirkung entfaltet.

Ganz im Zeichen der Wikinger standen heuer die fünf Tage, die sich die Pfreimder Ministranten am Badeweiher in Gleiritsch reserviert hatten. Und die hartgesottenen Nordlichter konnte weder Matsch noch die kalte Dusche von oben vertreiben.

Wikinger-Deo


"Noch nie ist hier so viel gebastelt worden", berichtet Lager-Chef Irlbacher beim Elternabend, bevor kleine und schon etwas größere Wikinger nach dem Lager-Gottesdienst mit Pater Thomas mit Kostproben ihrer Kreativität aufwarten. Ausgestattet mit der passenden Verkleidung nimmt es das tapfere Volk im Zeltlager mit der Werbung auf. Da wird ein Wikinger-Deo im Drei-Liter-Pumpspray (Wasserpistole) angepriesen oder die Wirkung des "Weißen Wikingers" auf verschmutzte Wäsche demonstriert. Andere "Mini"-Gruppen führen vor, wie mit dem Wikinger-Workout die Pfunde purzeln und haben ein Rezept auf Lager, wie der Schreckliche Sven mit der Baumarkt-Therapie seine Aggressionsprobleme in den Griff bekommt. Halva (Sebastian Most) kann sich da als Moderator dieser Show in jedem Fall auf die Tipps von Wickie (Tobias Ruhland) verlassen, der mit seinen Gefährten in einem stattlichen Wikingerschiff am Ufer des Badeweihers in der Kroau angelegt hat.

Talente entdecken


"Hier bringt jeder seine Talente ein, auch mancher, dem man es nicht zugetraut hätte", erklärt Pastoralreferent Irlbacher, der seit 13 Jahren das Zeltlager der Ministranten betreut. Er verrät auch wie das klappen kann mit knapp 100 Teilnehmern ohne Mama oder Papa. "Jogi Löw hat bloß elf Leute im Team, ich hab' 50", sagt er und meint damit die große Zahl an jugendlichen Gruppenleitern, die sich um die kleineren Kinder kümmern. "Keinen einzigen Heimweh-Fall hat es heuer gegeben", berichtet er beim Elternabend und fordert einen Extra-Applaus für die elf Neuen in der Wikinger- und Ministrantenschar.

Dass dies nicht selbstverständlich ist in einer Zeit des medialen Überangebots, auch das gibt der Pastoralreferent zu bedenken "Mir wird Angst vor der Zukunft, wenn es noch mehr solche Spiele gibt, bei denen Kinder mit dem Kopf nach unten nach irgendwelchen Monstern suchen", meint er mit Blick auf aktuelle Trends. "Umso mehr freut es mich, dass das Handy im Zeltlager keine Rolle spielt", stellt er fest. "Das liegt daran, weil die Minis ganz da sind. Davor kann ich nur meinen Hut ziehen."

Patent gegen Ameisen


Irlbacher macht aber auch keinen Hehl daraus, dass so ein großes Lager nur mit Unterstützung funktioniert: Von der Hackschnitzel- oder Holzspende über die zusätzlich installierte Lager-Dusche bis hin zu den tatkräftigen "Küchenfeen" Monika Koch und Andrea Brunner reicht das Netzwerk: "Da ist sogar der Topf Kohlrabi-Suppe leer geworden."

Die Gruppenleiter bringen ihre Wertschätzung im Chor zum Ausdruck und preisen ihrerseits den Lager-Chef, der tatkräftig mit anpackt und notfalls sogar sein Zelt zur Verfügung stellt, wenn eine Ameisen-Invasion in anderen Wikingern-Behausungen droht. "Wir hoffen, dass dieser Zeltplatz dich noch lange sieht. Merci, dass es dich gibt", singen sie aus voller Brust.

Selbstständig in fünf Tagen

Gleiritsch. (bl) Das Zeltlager am Badeweiher ist für viele Ministranten der Höhepunkt im Jahr. Spaß soll es machen und Lohn sein für den Dienst am Altar. Ein paar Nachwirkungen hat das Lagerleben aber auch, berichten Eltern und Ex-Ministranten.

"So ein Zeltlager, das prägt", weißt die Mutter von Michael (11) und Lukas (9). "Mir ist aufgefallen, dass die Kinder danach ihre Sachen schneller aufräumen oder den Tisch abräumen, sie sind auch viel sozialer anderen gegenüber eingestellt." "Nur positive Einflüsse" hat der Vater der elfjährigen Anna trotz der mitunter strapaziösen Tage mit wenig Nachtruhe im Zeltlager festgestellt: "Meine Tochter ist danach tatsächlich ein wenig selbstständiger." Andere Eltern berichten, dass sich die Kinder schon das ganze Jahr auf eben diesen Termin freuen.

Dass das Campen in der großen Gruppe tatsächlich nachwirkt, bestätigt auch der 20-jährige Maximilian: Zwar steht er längst im Berufsleben, doch dem "Mini-Zeltln" hält er auch noch nach zehn Jahren die Treue. Warum? "Weil man sich hier in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlt - auch wenn man nicht mit jedem hier Freundschaft schließen würde und sich nur einmal im Jahr sieht", so seine Erfahrung: "Zeltlager macht süchtig.". Und noch eins haben alle Eltern festgestellt, wenn die Kinder wieder nach Hause kommen: "Die sind dann alle erst einmal sehr, sehr müde."
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