Anti-Terror-Kontrollen auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest
Großes Risiko, kleine Taschen

Festtrubel in Zeiten von Terroranschlägen. Auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr hat heuer Sicherheit die oberste Priorität. Bild: Luber
Freizeit
Grafenwöhr
06.08.2016
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Auch unter der Babydecke könnten sich mögliche Gefahren verbergen. Die Sicherheitskontrolleure auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest machen auch vor Kinderwagen nicht Halt. Bild: Luber

Die jüngsten Anschläge werfen ihre Schatten bis in die Oberpfalz. Die Kontrollen auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr sind deutlich verstärkt. Für die Besucher bedeutet das vor allem: lange warten.

Schleppend langsam zieht die Autokarawane durch das militärische Sperrgebiet. Kein Fahrzeug wird einfach durchgewunken. Aufmerksame Blicke durch alle Autoscheiben sind das Mindeste. Für die meisten heißt es jedoch: aussteigen. Türen, Kofferraum, Motorhaube und Handschuhfach öffnen. Vom Fahrzeug wegtreten, damit die Sicherheitsleute die Unterseite checken können. Die Kontrollen sind stichprobenartig: Sie treffen Soldaten im Army-Outfit genauso wie alleinreisende Männer und kinderreiche Familien in Dirndl und Lederhose. Jeder ist potenziell verdächtig.

Rucksack mit Windeln raus


Weiter geht es dann am Eingang. Wie angekündigt gibt es dort eine hundertprozentige Taschen- und Ausweiskontrolle. Eine Frau steht mit Tränen in den Augen in der Schlange und packt zornig aus einem überquellenden Beutel stapelweise Windeln und Kinderklamotten auf den Tisch. "Jetzt muss es aber passen", sagt sie entnervt. Noch nicht einmal auf dem Gelände angekommen, hat sie schon eine Odyssee hinter sich. Aus Neumarkt ist Nicole Götz mit Mann und zweijähriger Tochter angereist. Vorsorglich nahmen sie dann einen der Shuttlebusse, im Gepäck zwei große Taschen mit Kindersachen. "Mein Mann hatte einen Rucksack nur mit Windeln dabei. Im Bus sagte man uns, das sei okay. Aber am Eingang haben sie uns abgewiesen", erzählt sie. Ihr Mann müsse nun den mehrere Kilometer langen Weg zurück laufen, um den Rucksack zum Auto zu bringen.

"Nichts gegen Sicherheit, aber das ist schon sehr frustrierend", kommentiert Götz. "Das waren doch nur Windeln!" Große Taschen und Rucksäcke sind absolut nicht erlaubt. Bei einer Wickeltasche macht das Sicherheitspersonal eine Ausnahme.

Extrem viel mehr Personal


Endlich auf dem Festgelände. Auch dort ist die verstärkte Sicherheitslage spürbar. Militär- und deutsche Polizei, Feldjäger, private Sicherheitsleute, sogar berittene Polizisten aus München sind im Einsatz. "Das Personal wurde extrem aufgestockt. Da sind Hunderte unterwegs", erzählt der Pressesprecher der US-Armee Garnison Bavaria, Franz Zeilmann. Zwischen blinkenden Fahrgeschäften, rauchenden Burgergrills und feiernden Menschenmassen mischen sich immer wieder die Patrouillen.

Betrunkene, Schlägereien und leichte Verletzungen wird es wie jedes Jahr geben. Doch die Polizisten sind hier wegen der Gefahr von Terroranschlägen, die mit Würzburg und Ansbach jüngst ihren Weg in die bayerische Provinz gefunden haben. Doch hundertprozentige Kontrollen bedeuten nicht hundertprozentige Sicherheit. "Wenn ich es gewollt hätte, hätte ich auch was reingebracht", zeigt sich Klaus Zoschke überzeugt. Ob die fünfköpfige Familie aus Grafenwöhr das Fest besucht, darüber habe er sich mit seiner Frau viele Gedanken gemacht. "Viele von unseren Bekannten haben gesagt, sie kommen diesmal nicht. Aus Angst", erzählt Cornelia Götz und blickt auf ihre drei Töchter. "Aber man kann sich ja nicht einsperren."

"Gesunde Angst"


Dieser Meinung ist auch Elke Blum aus Weiden. Wie jedes Jahr hat die Familie ihr Kinderkarussell aufgebaut. Jeder Schausteller müsse ein Führungszeugnis und unzählige Unterlagen einreichen, sonst kommt er nicht aufs Gelände. "Sicherer wie hier draußen können wir nicht sein", bemerkt sie. "Eine gesunde Angst gehört dazu. Aber ich möchte schon noch leben können."



Feiern wie immer, aber mit neuen RegelnSeit 1957 bestätigt das deutsch-amerikanische Volksfest mit über 100 Ständen über drei Tage die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA. Bis zu 150 000 Menschen feierten vergangenes Jahr zusammen.

Doch diesmal ist einiges anders. Durch die Autokontrollen kann es zu mehrstündigen Wartezeiten kommen. Deshalb rufen die Organisatoren dringend dazu auf, die Shuttlebusse zu benutzen. Auch hier wird es länger dauern, da die Stehplätze in den Bussen nicht genutzt werden dürfen. Große Taschen und Rucksäcke sind auf dem Gelände nicht erlaubt. (blu)

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Weitere Informationen:

www.volksfest-grafenwoehr.de
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