Unser Verein
Ein Leben für den Wald

Sie sind neugierig, engagiert und nicht zimperlich. Und sie sind leidenschaftliche Waldliebhaber und Umweltschützer: die Mädchen und Jungen der Waldjugend Eschenbach. Bilder: hfz (3)
Freizeit
Grafenwöhr
12.08.2016
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Wer bei der Waldjugend mitmacht, muss auch anpacken können. Der Umgang mit Werkzeugen gehört dazu.
 
Zu den schönsten Aktionen im Jahr gehören die Freizeiten mit Zelten und Lagerfeuer.

Sie stecken knöcheltief im Moor, durchforsten Wälder und kochen auf dem Lagerfeuer. Doch die Mitglieder der Waldjugend Eschenbach sind mehr als nur „Ökofuzzis“. Seit fast 50 Jahren arbeiten sie mit viel Leidenschaft für die Umwelt und bringen den Menschen den Lebensraum Wald näher.

Eschenbach. (pckl) „Entweder man ist mit Leib und Seele dabei oder man ist ganz schnell wieder weg“, resümiert Vorsitzender der Waldjugend Eschenbach, der einzigen Ortsgruppe in ganz Bayern Walter Seltmann. Die Waldjugend hat nicht viele Mitglieder, dafür sind sie aber alle Vollblut-Naturschützer. Denn wer bei dieser Jugendgruppe mitmacht, ist ein waschechter Idealist.

Die Mitglieder der Waldjugend leisten am Wochenende Forstarbeiten, wenn andere junge Leute weggehen oder einfach faulenzenarbeiten gemäß dem Leitspruch „Aktiv für Natur und Umwelt“ auch am Wochenende im Wald, sammeln Müll und stehen stundenlang knöcheltief im Morast – und sie haben trotzdem Spaß, denn jedes Projekt ist auch ein neues Abenteuer. Und der Schutz des Waldes, der Tiere und Pflanzen ist der Sinn und Zweck der Waldjugend. Ihre Tatkraft ist die Besonderheit des VereinsAlle packen tatkräftig mit an. „Hier reden die Leute nicht nur schlau daher, hier wird etwas getan“, sagt Seltmann. Die Liebe zur Natur ist ihre Motivation.

Vorzeigeprojekt „Holzweg“


Die Waldjugend betreut viele Projekte. In den Wintermonaten wird hauptsächlich gebastelt. Die Waldläufer bauen, entleeren und erneuern über 200 Nistkästen und kümmern sich um alles, wofür im Sommer wenig Zeit ist. Denn sobald im Frühjahr der Schnee geschmolzen ist, beginnen die Arbeiten im Freien. Bäume werden gepflanzt, Moorflächen freigeschnitten und Forsteinrichtungen gebaut die Tier-und Pflanzenwelt erkundet. Die Arbeit der Waldjugend ist vielseitig, das Vorzeigeprojekt ist aber der Walderlebnispfad „Holzweg“. 1993 legte die Waldjugend zunächst einen Waldlehrpfad zum Informationszweck angelegt an an. Da die Anlage bereits sehr verwittert war, beschloss der Verein in Zusammenarbeit mit dem Naturpark und der Stadt Eschenbach 2005 den Ausbau zum Walderlebnispfad. Das Ziel ist, Kindern und Erwachsenen Wissen und Bewusstsein für Wald und Umwelt spielerisch zu vermitteln.

Havarie bei Jungfernfahrt


Bis die verschiedenen Stationen des Holzwegs fertig waren, musste die Waldjugend viel ausprobieren. Das Floß an der Wasserstation war eine besondere Herausforderung, sogar das Hamburger Institut für Schiffsbau zogen sie zu Rate. Schließlich schafften sie es, ein stabiles Floß zu bauen. Die Jungfernfahrt mit dem Förster und dessen Sohn war trotzdem eine nasse Angelegenheit, denn beide landeten im Wasser, erzählt Seltmann. Auch an der großen Wippe, die zwei Schulklassen gleichzeitig tragen kann, mussten sie eine Weile tüfteln. Aber die Arbeit hat sich gelohnt, denn der Holzweg ist immer gut besucht, verschleißt dadurch aber auch schnell. Der Erhalt des Weges kostet daher viel Zeit und Arbeit und fast jedes Jahr kommt außerdem eine neue Station dazu.

Wer bei der Waldjugend mitmachen will, sollte handwerkliches Geschick mitbringen. „Das Hantieren mit Säge, Astscheren und anderen Werkzeugen gehört dazu“, meint Seltmann. Beitreten kann man deshalb erst ab acht Jahren, vorher ist es zu gefährlich. Wer aber von klein auf dabei ist, bleibt es meistens auch. Viele Nachwuchs-Waldläufer sind die Kinder oder sogar schon die Enkel von ehemaligen Mitgliedern. Von Anfang an werden sie an das Thema „Wald“ herangeführt und wachsen mit der Zeit immer mehr in die Gruppe hinein.
Bei der Waldjugend ist „für das Leben lernen“ nicht nur ein Sprichwort. Denn wer mehrere Tage in einem Zelt mitten im Wald oder auf einer einsamen Berghütte verbringt, muss wissen, wie man Essen über einem selbst entfachten Feuer kocht oder sich mit Karte und Kompass orientiert. Für den Erwerb des „Waldläuferausweises“ müssen die Mitglieder unter anderem Erste Hilfe beherrschen, ein Herbarium und ein Nistkasten-Protokoll anlegen und das Freischwimmerabzeichen machen.

Offiziell kann man bis zum Alter von 27 Mitglied bleiben, viele engagieren sich aber auch danach noch weiter. Genau wie Seltmann. Der 50-Jährige ist schon seit 1979 dabei. Er hat Höhen und Tiefen miterlebt. „Am Anfang hatten die Leute keinen Sinn für die Umwelt. Als in den 80ern die grüne Bewegung begann, wurden wir schief angeschaut. Die Leute haben gefragt, was wir eigentlich wollen, wir galten als ‚Ökofuzzis’. Dabei waren wir eine der ersten Gruppen, die sich im Naturschutz engagierten.“

Bei Aufräumaktionen hat die Gruppe früher so viel Müll aus dem Wald herausgeschleppt, dass sie ihn mit dem Radlader abtransportieren musste. Sogar kaputte Autos deponierten manche Leute im Wald. Das habe sich mittlerweile geändert, aber immer noch findet Seltmann gebrauchte Windeln oder Flaschen, wenn auch nicht mehr so viele. Das Dosenpfand habe viel gebracht. „Vorher haben wir einen Kipper voll leerer Dosen gefunden, jetzt eine halbe Mörtelwanne.“ Das alte Image sind die Waldläufer inzwischen los, sie bekommen Anerkennung für ihre Arbeit, und die Leute nehmen sie ernst. Die Waldjugend habe sich zum kompetenten Ansprechpartner gewandelt: „Wir arbeiten jetzt viel professioneller als damals.“

„Brauchen fähige Leute“


Wie bei allen Jugendgruppen gehören nicht nur Engagement und Arbeit dazu, sondern auch Spaß. Mehrmals im Jahr veranstaltet die Waldjugend Freizeiten. Da wird gezeltet, gespielt, am Lagerfeuer gegrillt und der Zusammenhalt gepflegt. Seltmann bedauert aber, dass die Freizeit oft zu kurz kommt: „Ich wünsche mir mehr Zeit für solche Aktivitäten, aber die haben wir leider nicht.“

Er möchte den jungen Leuten schließlich auch etwas bieten. Denn Nachwuchs zu finden, ist für die Waldjugend gar nicht so leicht. Man müsse es erst mal schaffen, Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit vom Computer wegzubekommen. Vor allem in der Altersgruppe der 16- bis 21-Jährigen herrscht Bedarf, die meisten Mitglieder sind wesentlich jünger. „Wir brauchen Leute, die bereit und fähig sind, Verantwortung in einer leitenden Position zu übernehmen.“ Im nächsten Jahr wird die Waldjugend 50 Jahre alt. Seltmann blickt gerne auf das zurück, was er mit seiner Gruppe in den letzten Jahrzehnten geschafft hat.

Weitere Informationen:
www.waldjugend-eschenbach.de/

Fünf Fragen an den Vorsitzenden


Wann wurde der Verein ge gründet?
1967
Wie viele Mitglieder hat der Verein?
26, davon 19 aktive Mitglieder.
Warum ist der Verein etwas ganz Besonderes?
Wir gehen mit den Kindern raus und betreiben aktiv Naturschutz. Wir reden nicht lange, wir machen einfach.
Wie überzeugt ihr jemanden vom Beitritt?
Wir gehen in die Öffentlichkeit und stellen unsere Arbeit vor. Angefangen wird bereits bei den Achtjährigen.
Was ist die schönste Veranstaltung im Jahr?
Das Zeltlager oder die Hüttenfreizeit im Sommer.

SommerserieNette Leute und ihre Geschichten
Was wäre die Region ohne ihre Vereine, von denen jeder auf seine Weise zum gesellschaftlichen Leben gehört und beiträgt. Überall trifft man auf interessante Leute mit spannenden Geschichten.
„Der Neue Tag“ erzählt einige dieser Geschichten und stellt in jeder Ferienwoche abseits der üblichen Berichterstattung einen „etwas anderen“ Verein aus der Region vor. Das Ziel dieser Sommerserie ist es, die Vielfalt und die Besonderheiten des Vereinslebens im Norden Bayerns zu zeigen. Und vielleicht findet der eine oder andere sogar einen neuen Verein oder ein neues Hobby.

Weitere Informationen im Internet:
www.onetz.de/Unser-Verein
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