70-jähriges Jubiläum - Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz
Geschichten zur Geschichte

Sie kommen - auch zur Buchvorstellung. Colonel Bryan Carlin vertrat die US-Armee bei der Buchvorstellung. :"Sie kommen, das ist ein guter Titel; wie Sie sehen: wir sind da!". (In der ersten Reihe von rechts): Bürgermeister Edgar Knobloch, Verleger German Vogelsang, Ursula Vogelsang, Werner Biersack, Wolfgang Benkhardt. Bild: ma
Kultur
Grafenwöhr
30.03.2015
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70 Jahre nach der Befreiung ist das Interesse immer noch groß. Der Saal im Militärmuseum in Grafenwöhr war am Freitag voll, als der Oberpfälzer Buch- und Kunstverlag die Neuauflage des Buchs "Sie kommen" zu den letzten Kriegstagen in der Oberpfalz vorlegte.

Die Entscheidung war gefallen, der Krieg verloren, als sich im April 1945 - vor 70 Jahren also - die Front der Oberpfalz näherte. Zehn Jahre sind seit dem Erscheinen des Buches "Sie kommen - Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945" vergangen. Der 70. Jahrestag war für den Buch & Kunstverlag Oberpfalz Anlass, seinen Report über die Ereignisse neu zusammenzufassen, zu ergänzen, Erinnerungen aufzufrischen. Am Freitagabend wurde der Band im Militärmuseum vorgestellt.

"Wir haben sie gerne hier"

Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch war dankbar für die Ortswahl. Aus den vielen Orten, durch die sie 1945 zogen, sind sie wieder weggegangen, in Grafenwöhr sind die Amerikaner geblieben. "Und sie sind immer noch da, und wir haben sie auch gerne da." Ehen, Partnerschaften und Freundschaften verbinden US-Armee und Bewohnern der Stadt.

Dem schloss sich Oberstleutnant Bryan Carlin an, amerikanischer Presseoffizier am Standort. Er fühlt sich, so sagt er, in der Oberpfalz und in Grafenwöhr mit seiner Familie zu Hause und willkommen. Verlagsleiter Wolfgang Benkhardt stellte klar, dass das Buch kein lückenloses Kompendium beinhalte. Es soll "den letzten Kriegstagen in der Region Gesichter und Namen geben." Schicksale sollen aufgezeigt werden. Das Leid, das der Krieg brachte, wird auf 160 Seiten sicht- und nachfühlbar. Deutlich werden soll aber auch, wie bitter die Wiedergewinnung der Freiheit da und dort gewesen ist, wie nahe die letzten Schrecken des Krieges und der ganz junge Frieden beieinander waren. Häufig, so sagt Benkhardt, sei nicht mehr dazwischen gewesen als eine Gewehrkugel.

Aber das Buch soll auch darüber berichten, dass es oft möglich war, Sand in das scheinbar übermächtige Getriebe zu streuen und so das Schlimmste zu verhindern. Benkhardt nannte nur einige Namen, griff Ereignisse heraus. Er erinnerte an den Regensburger Domprediger Dr. Johann Maier, der von der SS umgebracht wurde, erinnerte an die Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg, und daran, dass hier, am 9. April die Widerstandsgruppe um Dietrich Bonhoeffer und Admiral Wilhelm Canaris auf Befehl Hitlers hingerichtet wurde.

Benkhardt erwähnte die Luftangriffe auf das zur Festung erklärte Grafenwöhr und die in der Nähe nur knapp verfehlten riesigen Giftgaslager. Mutige Männer und Frauen hätten noch bis zum Schluss ihr Leben in die Waagschale geworfen, um den letzten Irrsinn zu verhindern. Und dann sind da die Dörfer, die noch in den letzten Tagen des Krieges in Schutt und Asche geschossen wurden, und die, die gerade noch Glück hatten.

Große Konflikte im Kleinen

Es sind Geschichten, die die Geschichte eines Landstriches vervollständigen, der von jeher, weil er an einer historischen Konfliktstelle liegt, von Kriegen überzogen wurde. Der letzte war mit 60 Millionen Opfern freilich der Schlimmste, der Ungeheuerlichste, der Unfassbarste. Als Welttragödie wirkt er weiterhin nach, auch über den Jahrestag hinaus.

Es sind die Anschauungsmaterialien der großen Konflikte, die immer auch mit Grafenwöhr zu tun hatten, die Museumsleiter Willi Buchfelder den Besuchern zeigte. Darunter der abgesprengte Rest eines Eisenbahngeschützes mit 80 Zentimetern Kaliber, der unlängst bei Metzenhof gefunden wurde. Nationalsozialistische Gigantomanie.

In nüchternem Schwarz-weiß die Filmausschnitte aus der Sammlung der Aufnahmen, die die US-Armee beim Vormarsch anfertigte, dazu eine Wiederbegegnung mit US-General George S. Patton, der bei der Befreiung eines Konzentrationslagers zu seinen Soldaten gesagt haben soll: "Wenn ihr nicht wisst, warum ihr hier seid: Jetzt wisst ihr es."
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