Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr gibt Antworten
Wie kam Elvis Presley in die Micky-Bar?

Kultur
Grafenwöhr
19.10.2015
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Tradition muss sein: Das Durchschneiden des Eröffnungsbandes durch die Ehrengäste gehörte dazu. Bilder: do
Grafenwöhr. (do) Warum kam das größte Geschütz des Zweiten Weltkriegs nach Grafenwöhr, wie kam Elvis Presley in die Micky-Bar? Das Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr gibt Antworten darauf. Am Samstagnachmittag wurde das "Museum neu" im Beisein zahlreicher geladener Gäste offiziell wiedereröffnet.

Anschaulich, interaktiv, unterhaltend und bildend präsentiert sich die einzigartige Ausstellung an einem symbolischen Ort zu einem symbolischen Datum. Vor 70 Jahren besetzte die US-Army die Soldatenstadt und den Truppenübungsplatz. Schon 1908 erwachte die Kommune als bedeutender Standort des Bayerischen Heeres. Geschichtsträchtig ist deshalb die Entwicklung der Stadt als Militärstandort. Eine enge Allianz mit den Streitkräften der freien Welt verbindet sie noch heute. Stadt - Soldaten - Truppenübungsplatz: Es ist ein Dreiklang mit vielen Geschichten. Aufträge des Militärs, Einkäufe oder Wirtshausbesuche der Übenden, ökonomischer Wohlstand - Grafenwöhr hängt am Tropf der Weltgeschichte. Wird in Deutschland, im westlichen Bündnis ab- oder aufgerüstet, so spürt dies die Stadt.

Gegner werden Verbündete

Nach dem Zweiten Weltkrieg schreibt die Kommune ein neues Kapitel Stadtgeschichte. Die Amerikaner kommen nach Grafenwöhr und auf den Truppenübungsplatz. Es entsteht ein deutsch-amerikanisches Zusammenleben. Aus Gegnern werden Verbündete und aus Besatzern Freunde. Dieser Entwicklung trägt der Heimatverein Rechnung. Seit 1992 präsentiert der Verein im historischen Kastenhaus eine Kulturausstellung. Nach weiteren 23 Jahren konnte Vorsitzender Willi Buchfelder am Samstag mit seinen vielen Getreuen aufatmen. "Eine Vision ist wahr geworden", gibt er sich bei der Begrüßung zahlreicher Festgäste erleichtert und glücklich.

Ein Blick in die große Gästeschar zeigt: Das Ereignis muss bedeutend sein. Vertreter der Staatskanzlei, des Landtags, des Bezirks, des Landkreises, der Gemeinden und der Kirchen lauschen den Dankesworten. Präsent sind US-Army und Bundeswehr, Architekten und Museumsexperten, Vertreter des Geschichtsbüros "Culture and more" aus Berlin und vor allem die vielen Helfer. "Ohne den Museumsarbeitskreis, ohne Montagsarbeitsgruppe wäre unser Traum nicht gelungen", würdigt Buchfelder ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement einer Idealisten-Truppe.


Der Vorsitzende weiß auch den finanziellen Kraftakt richtig einzuordnen. Schließlich taten sich viele Freunde des Museums zusammen, um die halbe Million Euro zu stemmen, betont er. Reichlich flossen die Fördermittel. Die Hauptverantwortung blieb beim Verein. In seiner Schlussbilanz zeigt er sich für alle Leistungen dankbar. Besondere Erwähnung finden der Leader-Zuschuss aus EU-Mitteln von fast einer viertel Million Euro und der Beitrag der Stadt in Höhe von 75 000 Euro.

Weitere Gelder flossen vom Kulturfonds und der Bayerischen Landesstiftung, der Bezirk trug sein Scherflein bei und auch Sparkasse und Raiffeisenbank würdigten die Aufarbeitung einer spannenden Stadtgeschichte mit Spenden. "Als äußerst sinnvoll, weise und klug", bewertet Buchfelder das Bündnis weitblickender Idealisten und übergibt nach einem Zwischenspiel einer Bläsergruppe der Stadtkapelle Grafenwöhr das Wort an Landrat Andreas Meier.

Schwer beeindruckt vom Ergebnis der Erweiterung sagt der Landkreischef: "Das Grafenwöhrer Museum erfindet sich immer wieder neu und bleibt dadurch interessant." Museen seien Orte der Begegnung, Archive der Geschichte und Wegweiser für die Zukunft, urteilt Meier.

"Zeige mir die Vergangenheit und ich werde die Zukunft erkennen", philosophiert Landtagsabgeordneter Tobias Reiß. Der CSU-Mann wünscht dem Museumsträger eine lebendige Dauerausstellung mit einem dauerhaften Brückenschlag in die Zukunft. Die Grüße von Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber im Gepäck gratuliert Ministerialrat Dr. Philipp Stiel. "Grafenwöhr ist einzigartig", stellt er fest, staunt über das freundschaftliche Alltagsleben der Deutschen und Amerikaner in Grafenwöhr und lobt: "Dieses Leben und leben lassen prägt das Bild Bayerns in der Welt."

Kulturell reicher geworden

Auch die amerikanischen Freunde kommen zu Wort. Für die Garnison Bavaria gratuliert Lt. Col. William E. Rieper. Der stellvertretende Kommandeur des Standorts zeigt sich dankbar für die Gastfreundschaft und betont mit Blick auf das Ausstellungsthema: "Wir freuen uns, dass wir unseren Soldaten im Museum die Geschichte unserer Partnerschaft vermitteln können."

Den Grußwortteil beendet Bürgermeister Edgar Knobloch. Das Stadtoberhaupt fasst zusammen: "Die Stadt Grafenwöhr ist kulturell reicher geworden." Knobloch unterstreicht die Einmaligkeit der Darstellung, Kultur- und Militärgeschichte zu erzählen und befördert die weiterentwickelte Einrichtung in den Rang eines historischen Schmuckstücks des Landkreises. Eine Zusammenfassung des Festvortrages von Dr. phil. Christian Schölzel, dem "Macher" der Ausstellung, folgt.
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