Lila Hartig zeigt Fotoprojekt über die Garnisonsstadt
Der Staat in der Stadt

Vielen ist der Blick in amerikanische Supermärkte verwehrt - hier bekommen sie ihn. Lila Hartig hat für ihre Bachelorarbeit das Private der US-Soldaten abgelichtet. Herausgekommen sind 24 Bilder, die es noch bis Ende des Jahres in einer Ausstellung in München zu sehen gibt. Bilder: Lila Hartig
Kultur
Grafenwöhr
04.11.2015
127
0
 
Der Soldat mit seinem Tattoo hat Lila Hartig fasziniert: "Er sieht aus wie der junge Elvis."
Grafenwöhr/Netzaberg. (esc) Zwei Steckdosen zeigen die Parallelwelt, wie sie in Grafenwöhr zu finden ist: Amerikanische und deutsche Muster treffen hier aufeinander. Nicht nur das hat Lila Hartig bei einem Fotoprojekt in der Garnisonsstadt herausgefunden.

Das Private darstellen, einen Blick hinter die berühmten Kulissen werfen und auch Vorurteile aus dem Weg räumen - die Landshuterin Lila Hartig hat sich viel vorgenommen in ihrer Bachelorarbeit. Sie machte sich dafür unter anderem auf den Weg nach Grafenwöhr. Dort leben die Soldaten in zwei Welten - in einer amerikanischen und in einer bayerischen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht das Privatleben der amerikanischen Familien, die in der Garnisonsstadt oft nur eine "Heimat auf Zeit" haben.

Nach einigen bürokratischen Hürden bekam sie die Erlaubnis, auch unter anderem auf dem Grafenwöhrer Standort der US-Armee zu fotografieren. "Ich habe von Anfang an mein Konzept vorgelegt und erklärt, dass ich nur am Privaten interessiert bin und nicht am Militärischen." Schule, Einkaufszentrum, Bowling-Welt, Familie - das steht im Zentrum ihrer Bilder.

"51st State" heißt das Ergebnis, das sie in einer Ausstellung festhält. Auch ein Katalog dazu ist erschienen. "51st State" - das heißt so viel wie "der 51. Staat" Amerikas. Und der befindet sich quasi in Bayern. "Ich wollte das verstehen", erklärt die 26-Jährige. Verstehen wollte sie: "Warum braucht's zum Beispiel einen eigenen Supermarkt?" Das habe ihrer Meinung nach nichts mit Abgrenzung oder dem fehlenden Willen zur Integration zu tun. "Man muss auf die Individuen eingehen. Die meisten sind ja nur für kurze Zeit da." Weil viele der Soldaten nicht alleine, sondern mit der ganzen Familie kommen, sei es besonders wichtig, dass sie an die gewohnten Standards von zu Hause anknüpfen können.

Auch deutsche Produkte


Zwei Tage war Lila Hartig mit der Kamera unterwegs: Den ersten verbrachte sie in den Kasernen und fotografierte dort Menschen und Produkte im Supermarkt, Tacobell und noch vieles mehr. "Ich habe mich auch auf die Suche nach deutschen Produkten gemacht." Und sie ist tatsächlich fündig geworden: Kuckucksuhren und Bierkrüge aus Stein haben sich zwischen die Regale mit den Campell's Dosensuppen gemischt.

"Von Schulstart bis es dunkel wurde" war sie auf dem Gelände der Kaserne unterwegs. Mit Familie Infante hat sie Amerikaner gefunden, die sie einen Tag begleiten durfte. Über Facebook kam der Kontakt zustande. "Ich habe mit der Familie Thanksgiving gefeiert." Offen sei die sechsköpfige Familie gewesen. "Sie waren total begeistert, dass ich bei ihnen war." Am Abend des ersten Tages hat sie sich noch in "Ed's Bar" umgeschaut. Da hat sie eines ihrer Lieblingsmotive abgelichtet: Ein junger US-Soldat, der ihr stolz sein Tattoo zeigt. "Er ist mir sofort aufgefallen, weil er aussieht wie der junge Elvis." Dabei wusste er gar nicht, dass der Sänger auch in Grafenwöhr stationiert war. "Das habe ich ihm erst erzählt." In der Bar hat sie auch Gertrud Leiato kennengelernt, die die Bar bewirtschaftet und von den Gästen liebevoll "Mom" genannt wird.

"Ein Gesicht geben"


Ehrlich sind die Bilder und Situationen, die Lila Hartig eingefangen hat. Sie zeigen das, was viele gerne wissen wollen. Denn den deutschen Nachbarn ist der Einblick in die amerikanische Welt, die gleich neben der Haustüre liegt, verwehrt. "Ich wollte es so darstellen, wie es ist", erzählt Hartig. "Ich wollte dem Ganzen ein Gesicht geben." Das Temporäre abzubilden, was vielen nicht bewusst sei - das waren ihre Intentionen zu Beginn ihrer Bachelorarbeit.

"Dem Ganzen ein Gesicht geben", das private Leben der Menschen des 51. Bundesstaats in Bayern zeigen, das Verständnis für die US-Soldaten wecken - in ihren Bildern ist das zu finden. Und das auf neutrale Weise. "So darstellen, wie es ist" - das Leben der GIs - schlicht eingefangen in Bildern, zu denen es nicht vieler Worte bedarf.

Fasziniert von zweisprachiger Stadt


Lila Hartig wurde 1989 in Landshut geboren und lebt jetzt in München. Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr nach Florida und arbeitete dort im Disney World. 2010 bis 2015 studierte sie an der Hochschule München Fotodesign. Für ihre Bachelorarbeit fotografierte sie unter anderem in der Kaserne Grafenwöhr. Fasziniert war sie von der Stadt Grafenwöhr, "die total bilingual" ausgerichtet ist. "Ob das die Bäckereiverkäuferin ist - man kann hier wirklich jeden auf Englisch ansprechen", sagt sie. "Wie das auch außerhalb der Kaserne weitergeht" habe sie beeindruckt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Netzaberg (22)51st State (4)Lila Hartig (4)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.