Applaus für Rolle rückwärts

Wie es mit dem ehemaligen Bilfinger-Gebäude weitergeht, steht noch in den Sternen. Nur eins ist klar: Der Schriftzug "Rathaus" wird demnächst von der Fassade wieder verschwinden. Bild: do
Lokales
Grafenwöhr
05.11.2014
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Die vergangene Stadtratssitzung verlief turbulent: Geheimniskrämerei, staatlicher Förder-Stopp und scheinbar Millionen in den Sand gesetzt. Der geplante Umzug der Stadtverwaltung ist vom Tisch - alles bleibt beim Alten. Die Reaktion der Bürger ist eindeutig.

Bürgermeister Edgar Knobloch verkündete das Ergebnis der Abstimmung im Stadtrat auf seiner Facebook-Seite: "Die Verwaltung zieht nicht aus der Altstadt aus und das historische Rathaus wird weiterhin als Rathaus genutzt. Damit erhalten wir auch wieder Fördergelder, um die Innenstadt zu stärken." 100 Freunden "gefällt" diese Nachricht, während nur einzelne Kommentare die nun "sinnlose, kostspielige Sanierung" des "neuen" Rathauses kritisierten.

Diese Stimmung im sozialen Netzwerk darf durchaus als repräsentativ gelten. Das berichtet zumindest Edgar Knobloch im Gespräch mit dem "Neuen Tag": "Die Mehrheit der Grafenwöhrer Bürger findet, dass das Rathaus und die Verwaltung in die Stadtmitte gehören." Das historische Rathaus sei ein Geschenk und vermittle ein Heimatgefühl. "Damit kann sich jeder in unserer Stadt identifizieren." Knoblochs Vorgänger Helmuth Wächter hatte Ende 2012 den Umzug ins ehemalige Bilfinger-Gebäude eingefädelt. Damit wollte er die Zusammenlegung von Bauhof und der auf drei Gebäude verstreuten Stadtverwaltung erreichen. Für 1,8 Millionen wurde eine Fläche von 14 000 Quadratmetern erworben, bebaut mit Verwaltungsgebäude, Werkstatt, Lagerhalle und Unterstellhallen. "In die Sanierung des Verwaltungsgebäudes wurden bisher etwa weitere 650 000 Euro investiert."

Unter Zeitdruck

Das Problem war, dass die Regierung der Oberpfalz die Euphorie über den vermeintlichen Clou keineswegs teilte. "Wir standen gehörig unter Zeitdruck, deswegen ließ ich die Thematik auch gerade jetzt auf die Tagesordnung setzen und drängte auf eine schnelle Entscheidung", erklärt Knobloch. Bis zum 1. Dezember müsse die Bedarfsmeldung der Stadt bei der Regierung vorliegen. "Wenn wir am Umzug festgehalten hätten, hätte ich diese gar nicht erst abgeben müssen. Wir hätten keinen Cent aus dem Städtebauförderprogramm erhalten." Knobloch spricht dabei von bis zu 1,2 Millionen Euro. Die Regierung der Oberpfalz hatte bereits Ende Februar 2013 vor einem Umzug und einem daraus resultierenden Förder-Stopp gewarnt. Von einer Schwächung der Innenstadt und der Verletzung städtebaulicher Grundsätze war im Gutachten die Rede.

"Der ,neue' Stadtrat war nun verständlicherweise wenig begeistert, dass diese Androhung unter Verschluss gehalten wurde", sagte der Bürgermeister. Wie es mit dem nun leerstehenden Gebäude am Neuen Weg weitergeht, wusste auch Edgar Knobloch noch nicht. "Ich stehe in Gesprächen, aber will jetzt nichts raus posaunen, das sich hernach als Rohrkrepierer herausstellt." Der Bau-Stopp bringe durchaus Vorteile mit sich. Das Gebäude sei vollständig energetisch saniert, aber bis auf den Estrich ist im Inneren noch kaum etwas fertiggestellt. "Das bietet dem neuen Besitzer oder Mieter Gestaltungsspielraum." Knobloch spricht von bis zu 600 000 Euro, die noch hätten investiert werden müssen und nun eingespart würden. Der Bauhof sei dagegen wie geplant umgezogen und nutze das Gelände und die Gebäude - mit Ausnahme des Verwaltungsgebäudes - und werde auch dort bleiben. Zudem fielen auch am Marktplatz bei den "alten" Gebäuden aktuell keine Umbaukosten an. "Die Stadtverwaltung soll und muss modernisiert werden. Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig. Dafür gibt es jedoch noch keinen konkreten Zeitplan." Die in der Stadtratssitzung erwähnten 3,5 Millionen Euro gingen auf eine Planung im Jahr 2010 zurück. "Die Rahmenbedingungen dafür waren eher großzügig."

Ruhiges Fahrwasser

Wenn sich die Stadt "zurück auf den richtigen politischen Weg" begebe, erhalte sie dafür auch entsprechende Fördermittel. "Doch dazu haben wir noch keine Bedarfsmeldung eingereicht." Nach den Turbulenzen lenkt Bürgermeister Edgar Knobloch sein Schiff wieder gen ruhigere Fahrwasser. Von Groll und Schuldzuweisungen will er nichts wissen. "Der Umzug und die Geheimniskrämerei waren Entscheidungen der Vergangenheit. Ich will nicht nachkarten und werde alles so richten, dass es wieder passt."
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