Beim Fastenessen Klimawandel auf Philippinen zur Kartoffelsuppe und Brot aufgetischt
Ruder rumreißen

Demonstrativ mit einem Ruder in der Hand, schloss Monika Reichenberger das Gebet mit dem Satz: "Herr, lass mich das Ruder herumreißen." Bild: az
Lokales
Grafenwöhr
19.03.2015
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Ein Ruder als erhobener Zeigefinger: Beim Fastenessen im Jugendheim stand neben Kartoffelsuppe und Brot der Klimawandel auf den Philippinen im Mittelpunkt. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können, so ruhig waren die evangelischen und katholischen Christen, als Doris Bernhardt, Johanna Wohlmann, Christa Klug und Monika Reichenberger Gebete und ihre Gedanken zum Klimawandel vortrugen. Das besondere Augenmerk lag auf Fischerfamilien auf den Philippinen, die bereits unter den Auswirkungen zu leiden haben. "Neu denken - Veränderung wagen" hieß der Leitgedanke von "Misereor".

Das, was Monika Reichenberger und Christian Baumann komprimiert aus den Misereorunterlagen erarbeitet hatten, fand bei den Besuchern viel Aufmerksamkeit. Das Motto glich einem Appell zu Mut und Engagement, ausgetretene Pfade zu verlassen, neue Wege zu gehen, sich auf die eigenen Quellen zu besinnen, um Kraft zu schöpfen und damit schrittweise die Welt zum Besseren zu wenden.

Nicht selbstverständlich

Unterteilt war das Thema in "Kraft schöpfen", den "Atem anhalten", "Frucht bringen" und "Veränderung wagen". Die Existenz von Land, Meer, Tieren, Pflanzen und Menschen erscheine den Menschen oft selbstverständlich, kaum der Rede wert. Und doch sei es ein Wunder: "Erst wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, wenn der Meeresspiegel steigt und das Leben vor allem an den Küsten bedroht ist, wenn sich die Folgen des Klimawandels zeigen, der durch uns Menschen gefördert und beschleunigt wird, wenn das empfindliche ökologische Gleichgewicht gestört ist, dann beginnen wir nachzudenken", meinten die Redner.

Ein Impuls klang einerseits euphorisch und zugleich realistisch, machbar. "Ich glaube,", so sagt Damaso Vertido, Leiter der Misereor-Partnerorganisation Min Land (Philippinen), "dass der Klimawandel noch zu stoppen ist. Diesen Kampf dürfen wir nicht aufgeben, weil wir sonst niemals sehen können, ob wir eine Chance gehabt hätten." Dieser Mann brennt für seine Sache, ist aktiv, motivierend, hoffnungsvoll, leidenschaftlich. An die Besucher gewandt folgten die Fragen: "Sind wir bereit, zu Menschen zu werden, die etwas riskieren, etwas verändern wollen? Wofür würde ich etwas riskieren? Was setze ich aufs Spiel, wenn ich für eine Sache brenne?" Beim Thema "Frucht bringen" rückten die Redner die gesamte Bandbreite vom Teilen in den Fokus - von materiellen Werten bis zum Weitergeben von Wissen, Ideen, Erfahrungen. Nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit den Kreisläufen der Natur als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und zum Klimaschutz, gehören außerdem dazu.

"Samen für gerechte Welt"

Eines der jeweils angefügten Gebete lautete: "Herr, lass mich zum Samen für eine gerechtere Welt werden, auch wenn ich meinen Beitrag noch nicht kenne. Lass mich meine Ideen mit anderen teilen, damit mein Einsatz Früchte tragen kann. Lass mich die Früchte meiner Arbeit genießen, indem ich auch mit anderen deren Früchte teilen kann." An den jeweiligen Gebetstext fügte Monika Reichenberger demonstrativ mit einem Ruder in der Hand die Bitte an: "Herr, lass mich das Ruder herumreißen."

Mit einem Tischgebet schärfte Stadtpfarrer Bernhard Müller das Bewusstsein für das Geschenk der täglichen Gaben. Derart "vorgewärmt" genossen die Gäste das einfache Mahl aus Kartoffelsuppe und Brot eher mit dem Gedanken, eine Kostbarkeit vor sich zu haben, als sie es vielleicht vorher hätten. Die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Doris Bernhardt hatte sich eingangs mit einem "Vergelt's Gott" bedankt: bei Familie Speckner aus Gößenreuth für die Kartoffeln, Monika Bauer für das Zubereiten der Suppe, der Familie Speckner von der Stadtmühle für das Spenden des Bauernbrotes und bei Mitgliedern von Frauenbund, Pfarrgemeinderat und Ministranten für die Unterstützung.
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