"Blasmusik ist das höchste Glück"

Mit minutenlangem Schlussapplaus und begeisterten Jubelrufen feierte das Publikum die außergewöhnlichen Leistungen der Hergolshäuser Musikanten. Auch die Sängerinnen und Solisten wurden mit Beifall überschüttet.
Lokales
Grafenwöhr
15.10.2014
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Trachten und Instrumente dominierten auf der großen Bühne der Stadthalle Grafenwöhr: Stadtkapelle Eschenbach und Hergolshäuser Musikanten gossen mit einem Mammutprogramm ein Füllhorn an mitreißender Musik aus. Hunderte von Blasmusikfreunden waren aus dem Häuschen.

Die Blasmusik ist auch im 21. Jahrhundert fester Bestandteil bayerischer Kultur. Und sie erfreut sich sogar zunehmender Beliebtheit. Das beste Beispiel dafür war das Jubiläumskonzert der Stadtkapelle Eschenbach in der Stadthalle Grafenwöhr.

Die sonnigen Herbsttage hatte der Jubiläumsverein - er besteht seit 90 Jahren - mit natürlichem Tischschmuck und bunten Blumenarrangements in die Halle geholt. Dazu gesellten sich die erwartungsfrohe Stimmung der Besucher und die Höchstleistungen der Musikanten als Zutaten für einen überaus gelungenen Abend.

Forsch, frech und dynamisch, dann wieder pathetisch, sensibel, sanft und voller Melancholie: So zeichneten die beiden Ensembles ein strahlendes Bild der musikalischen Seele. Da wundert es nicht, dass viele Anhänger der Blasmusik diese als Medizin betrachten. Die Instrumentalisten ließen reiche Tonmalereien erklingen, begleitet von der Strahlkraft der Sänger - gefühlvoll und engagiert. Charmant führte BR-Moderator Georg Ried durch das anspruchsvolle Programm.

Die Freude an der Blasmusik war allgegenwärtig. Schon der Auftakt mit der Kapelle des Jubiläumsvereins unter Leitung von Thomas Murr offenbarte musikantische Vitalität. Schwung und Elan des Festjahres prägten ihren Auftritt. In Anwesenheit von Vertretern des Nordbayerischen Musikbundes, Abordnungen benachbarter Musikvereine, von Komponist Klaus Rustler und Eschenbachs zweitem Bürgermeister Karl Lorenz - er überreichte an Vorsitzenden Martin Danzer eine Jubiläumsgabe - glänzte die Stadtkapelle nicht nur in neuer Tracht.

Musikalisch eine Familie

Schon die ersten Beiträge erinnerten an das Motto "Böhmischer Abend". Mit "Ewig schad", "Böhmisches Gold" und "Goldene Klänge" stimmte das Ensemble auf den Schmelz böhmischer Klänge ein. Die Eschenbacher Bläser verwöhnten mit Musik zum Träumen, die schließlich mit dem "Fliegermarsch" als fulminantem Schlussakkord des ersten Konzertteiles endete. Doppelten Grund zur Freude hatte Georg Junkawitsch: Der Senior der Stadtkapelle feierte am Samstag 77. Geburtstag. Moderator Georg Ried überreichte, begleitet vom herzlichen Beifall des Publikums, eine Geburtstags-CD mit Blasmusik aus dem Egerland für einen Egerländer. Thomas Ried, den Dirigenten der Stadtkapelle, überraschte Ried mit dem Notensatz der "Leberwurst-Polka".

Überhaupt: Dem Veranstalter gelang mit der Verpflichtung des BR-Moderators ein großer Wurf. Die vertraute Radio-Stimme, charmant mit mildem Humor, und seine manchmal deftigen Witze wurden zum großen verbindenden Element des Abends. Geschichten, Gedichte und überraschende Chansons des Entertainers vergrößerten den Wohlfühlcharakter.

Ein feuriges "Grüß Gott"

Nachhaltig verstärkte der musikalische Jubiläumsgast diesen Eindruck: Die Hergolshäuser Musikanten haben Musik im Blut, wie sich schon bei den ersten Takten zeigte, als sie ein feuriges "Grüß Gott" entboten. Und: Dirigent Rudi Fischer outete sich als ehemaliger Oberpfälzer. Das brachte dem temperamentvollen Leiter und seinem fast 50 Mitglieder starken Orchester aus Unterfranken zusätzliche Pluspunkte, die mit jedem Stück weiter anwuchsen.

Die Hergolshäuser trumpften so richtig auf. Den Eigenkompositionen "Ein Musikant bleibt nie allein" und "Wir freuen uns auf euch" folgte der "Böhmische Himmel". In diesem wähnten sich die 500 Besucher in den folgenden drei Stunden: Mitten ins Herz ging der Auftritt der jungen Bläsertruppe.

"Sterne der Blasmusik" durften die Zuhörer genießen, vertraute böhmische und mährische Klänge sowie Liebeserklärungen an Ernst Mosch und sein Egerland folgten. Mitternacht war schon vorbei, als das Orchester zur Abschiedspolka anstimmte. "Ein neuer Morgen ist nicht weit, doch Blasmusik ist für uns das höchste Glück", hieß es darin.

Für fünf Stunden schwelgten auch die Freunde der Blasmusik in Glückseligkeit. Der Schlussbeifall war entsprechend überschwänglich und langanhaltend. Die Besucher verabschiedeten die Musikanten erst nach mehreren Zugaben mit stehenden Ovationen.
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