Bomben unterm Bagger

Lokales
Grafenwöhr
17.08.2015
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Altes weicht Neuem: In den Grafenwöhrer Tower-Barracks soll die neue Elementary-School entstehen. Auf rund 40 000 Quadratmeter müssen Bagger zunächst Fundamentreste entfernen - und wesentliche gefährlichere Reste vergangener Zeiten.

Eine große Mannschaftsbaracke, die Strafabteilung, Stallungen der Kommandantur, Wirtschaftsgebäude, ein Eiskeller, Wohnhäuser, Geschäftsbaracken und Schuppen: Der Plan aus dem Jahr 1910 zeigt genau, was im königlich bayerischen Lager Grafenwöhr einst auf der Fläche stand, die heute nordöstlich des Bundeswehrdienstgebäudes liegt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die alliierten Bomberverbände. Der Angriff am 8. April 1945 zerstörte rund 80 Prozent der Bauten auf dem Übungsplatz.

70 Jahre lang wuchsen mächtige Bäume auf der Fläche. Im vergangenen Winter mussten sie weichen, weil die US-Armee dort eine neue Grundschule bauen möchte. Bevor der Aufbau beginnt, müssen Spezialisten ein anderes Kapitel endgültig abschließen. Nachdem die Bäume verschwunden waren, suchten Spezialisten das Gelände mit sogenannten Tiefensonden ab. Gleich bei den ersten Arbeiten im März stieß dann ein Bagger tatsächlich auf eine 1000-Pfund-Fliegerbombe, die beim Abwurf 1945 nicht explodierte. Feuerwerker der US-Armee und des Länderräumdienstes entschärften den Blindgänger (wir berichteten).

Bei jedem Baggereinsatz ist seither ein Kampfmittelräumer dabei, berichtet die Geologin Roswitha Becker von der Firma Wayss und Freytag. Der Konzern hat als Generalunternehmer den Auftrag für die sogenannte Baufeldfreimachung erhalten. Die Firma EMC-Kampfmittelbeseitigung ist für die munitionstechnische Räumung und die Begleitung der Baggerarbeiten zuständig. Im Bagger sitzt Baptist Wächter, jun. aus Grafenwöhr. Er erhielt den Auftrag, die Baumstümpfe zu entfernen und die alten Fundamente abzubrechen. Etliche Keller hat Wächter inzwischen freigelegt und die Mauerreste zerkleinert.

Über Blindgänger und Bomben mache er sich keine Sorgen, erklärt er. Bislang habe er einige Stabbrandbomben zutage gefördert. Die sechseckigen Phosphorstangen warfen die Alliierten bei allen Luftangriffen haufenweise ab. Nun kümmern sich Munitions-Spezialisten darum. Die Firma Römisch aus Dießfurt fährt die Betonbrocken zu einem Zwischenlager. Danach wird das Material recycelt. Wie lange die Arbeit dauert,lasse sich schwer sagen, sagt Wächter. Man wisse eben nicht, was noch alles im Boden liege. Erst, wenn die Fläche vollständig geräumt ist, geht die Planung für die neue US-Grundschule weiter.
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