Chronische Uraufführung

Teil der Chronik ist unter andern die Einladung zur Faschingsaufführung im Jahr 1912 im Gasthof "Zur Waldlust". Bilder: rgr (2)
Lokales
Grafenwöhr
29.01.2015
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Passend zum 125. Jubiläum des Männergesangvereins präsentierte Heimatforscher Monsignore Karl Wohlgut eine Vereinschronik. Er widmete sich den Jahren 1890 bis 1990. Gemessen am Alter des Vereins, war der Vorsitzende ein Jungspund.

"Es ist ein Kulturzeugnis für die Stadt. Da brauchen wir uns nicht schämen", ist sich Monsignore Karl Wohlgut sicher. Gemeint ist die Chronik des Männergesangvereins 1890, der vor 125 Jahren gegründet wurde. Wohlgut, selbst aktiver Sänger und Heimatforscher, hat sich der Geschichte des Männergesangvereins (MGV) von 1890 bis 1990 angenommen und recherchiert. Das Ergebnis stellte der Ruhestandspfarrer Bürgermeister Edgar Knobloch vor. Mit dabei waren Brigitta Bernklau, stellvertretende Vorsitzende des MGV, und Kassier Bernd Lorenz.

Mariä-Lichtmeß war ein bedeutender Tag für den Gesangverein. Mit Schreiben vom 4. Februar 1890 meldete die Stadtverwaltung die Gründung eines neuen Vereins: "Dem königlichen Bezirksamt Eschenbach wird hiermit angezeigt, dass dahier am 2. Februar ein Gesangverein gegründet wurde." Näheres wurde jedoch erst zum 40. Jubiläum bekannt, das der Verein im Februar 1930 im Gasthof "Zum Goldenen Löwen" feierte. Der damals eigens komponierte Sängerspruch lautete: "Vom Creußenstrand im Pfälzerland".

Die Initiative zur Gründung ergriffen drei zugezogene Lehrer: Jakob Würdinger, Georg Nibler und Anton Seibert. Weitere Gründungsmitglieder waren der Schreiner Konrad Brunner, der Rotgerber Michael Kick, der Schuhmacher Michael Meyer, der Schneider Michael Meiler, der Sattler Michael Renner und der Musiker Josef Jahn. Bereits 1892 übernahm der 18-jährige Hermann Schenkl das Dirigat des Gesangvereins. Die ersten Singstunden fanden im Gasthof Specht statt. Das Vereinslokal war der Gasthof "Zum Adler". Der MGV organisierte Gesang- und Konzertabende und führte 1929 sogar die Operette "Des Glückes Schmied" auf. Außerdem gestaltet er die jährlichen Gefallenenehrungen mit, die Abende des Heimatvereins und die Lossprechungsfeiern zu den Gesellenprüfungen. 1934 trat der Verein beim Annafest auf dem Schönberg auf und am Heiligabend 1935 um Mitternacht vor dem Christbaum auf dem Marktplatz.

Blütezeit des Orchesters

"Bis zur Nazi-Zeit war der MGV sehr aktiv, aber 1940 war die letzte Zusammenkunft. Erst nach dem Krieg ging es langsam wieder los. 1949 wurde ein Gesang-, Orchester- und Theaterverein gegründet und das Orchester von Anton Erhart geleitet", erklärte Wohlgut. Es folgte die Aufführung des Oratoriums "Die sieben Worte Jesu am Kreuz" von Joseph Haydn. Die Theatergruppe spielte Schillers "Räuber" auf der Naturbühne. Während das Orchester seine Blütezeit erlebte, kämpfte der Kulturverein mit Problemen.

Monsignore Wohlgut erinnerte an die 600-Jahrfeier der Stadt, bei der Musik von Mozart, Franz von Suppé, Joseph Haydn, Franz Lehar, Johann Strauß sowie das "Halleluja" aus dem Oratorium "Der Messias" erklang. Zur großen Feier des 100-jährigen Jubiläums erhielt der Verein die "Zelterplakette". "Es trifft sich ausgezeichnet, dass eine solche Chronik gerade zum 125-jährigen Jubiläum des Männergesangvereins mit gemischtem Chor geschrieben wurde", sagte Bürgermeister Edgar Knobloch, der auch als Schirmherr des MGV auftritt. Es freut mich, dass Sie nicht nur Seelsorger, sondern auch Historiker sind. Die Chronik ist von unschätzbarem Wert", lobte Knobloch den Autoren. Dieser blieb bescheiden: "Ich kann nichts dafür. Das habe ich von meinem Großvater."
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