Die Herren von Pettendorf-Hopfenohe-Lengenfeld im Mittelpunkt des Otnant-Gesprächs
In kurzer Zeit sehr prägend

Mit Professor Alois Schmid referierte ein renommierter Historiker beim Otnant-Gespräch in Grafenwöhr. Bild: stg
Lokales
Grafenwöhr
22.10.2015
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Man kann über ihren genauen Namen trefflich diskutieren: Unbestritten ist, dass die Herren von Pettendorf-Hopfenohe-Lengenfeld - so nannte sie Professor Dr. Alois Schmid - im Hochmittelalter eine dominante Rolle in der Oberpfalz gespielt haben. Der Kenner der Geschichte Bayerns war der prominenteste Redner beim Otnant-Gespräch in Grafenwöhr (wir berichteten). Dem emeritierten Professor der LMU München gelang etwas, das wenige können: Sein wissenschaftlich fundierter Vortrag war gleichzeitig doch leicht verständlich. "Die Herren von Pettendorf-Hopfenohe-Lengenfeld", war das Referat überschrieben. Schmid selbst kam vor 70 Jahren in jenem Pettendorf bei Regensburg zur Welt.

Schmid ging in die "Vollen": Nach der Zerschlagung der Herrschaft der Grafen von Schweinfurt 1003 sei der Raum nördlich der Donau in eine Phase der Instabilität gefallen. Erst im späteren 11. Jahrhundert kristallisierten sich klarere Herrschaftsverhältnisse heraus: Die Burggrafen von Regensburg, die Diepoldinger mit dem Aufbau ihrer Markgrafschaften um die Reichsburgen Cham und Nabburg sowie die Grafen von Sulzbach. "Zwischen diesen drei wichtigsten Herrschaftsträgern schob sich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ein weiteres Geschlecht: die Herren von Pettendorf-Hopfenohe- Lengenfeld", so Schmid. Über diese Familie sei wenig bekannt, sie habe nie eine umfassende Bearbeitung ihrer Geschichte erfahren.

Das Geschlecht lasse sich über drei Generationen verfolgen: Die ersten Spuren führen in die Mitte des 11. Jahrhunderts. Von da seien als Herren von Pettendorf drei Adelige mit dem Namen Friedrich - I., II. und III. - festzumachen. "Mit Friedrich III. ist die Familie wohl 1115 wieder ausgestorben, nachdem er lediglich zwei Töchter hinterließ." 1115 teilte sich die Herrschaft, die Wittelsbacher machten den südlichen Teil zum Kern des sich bildenden altbayerischen Landgerichts Lengenfeld. "Der nördliche Teil wurde langfristig zum Kern der Landgerichte Eschenbach und Auerbach", sagte der Referent. Ein weiterer Teil fiel den Leuchtenbergern zu.

Damit hänge ein Benennungsproblem zusammen. Es ist von den Herren von Pettendorf, von Lengenfeld, von Hopfenohe die Rede. Im Regensburger Raum spricht man von den Herren von Pettendorf. Die großen Nachschlagewerke sprechen von den Herren von Lengenfeld. Im Norden bevorzugt man die Bezeichnung Herren von Hopfenohe. Schmids Ansatz lautete: "Zur Lösung schlage ich die Bezeichnung 'Herren von Pettendorf-Hopfenohe-Lengenfeld' vor. Allein sie umreißt den gesamten Herrschaftsbereich und macht die zeitlichen Abfolge deutlich."
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