Ein bisschen Freude und ein wenig Sicherheit

ek02myd-fluechtlinge_bild15.jpg
Lokales
Grafenwöhr
05.01.2015
13
0

Ihr größter Wunsch ist ein Leben ohne Bedrohung. 24 minderjährige Flüchtlinge sind derzeit im St.-Michaels-Werk in Grafenwöhr untergebracht. Sie erlebten zum ersten Mal Weihnachten und den Jahreswechsel in Deutschland.

Was für uns in einem christlichen Land selbstverständlich erscheint, ist für neue Bürger manchmal ein Buch mit sieben Siegeln. Wie etwa für die minderjährigen Flüchtlinge, die seit einigen Wochen im Internat des St.-Michaels-Werks leben. Einrichtungsleiter und Sozialpädagoge Reinhard Thumbeck berichtet, dass zu den vielen neuen Eindrücken die Bräuche rund um Advents- und Weihnachtszeit kamen. Drei Christbäume stehen in den Wohnbereichen. Wie haben die Flüchtlinge Weihnachten erlebt? Kennen sie Silvester und Neujahr?

Simon Alazar(18) lebt seit gut vier Monaten in Deutschland, erst seit ein paar Wochen in Grafenwöhr. Seine Deutsch-Kenntnisse sind für die kurze Zeit erstaunlich gut. In einem Mix aus Deutsch und Englisch kann er sich gut verständigen. Der junge Mann gehört dem christlich-orthodoxen Glauben an. "Bei uns gab es aber keinen Christbaum, und auch die anderen Bräuche sind bei den eritreisch-orthodoxen Christen anders", erklärte er. Reinhard Thumbeck ergänzt: "Die orthodoxen Christen feiern am 6. und 7. Januar. Wir haben über Beziehungen eine Einladung von der eritreisch-orthodoxen Gemeinde aus München erhalten und fahren mit zwei Bussen mit unseren Jugendlichen zur Feier." "An Silvester trifft man sich auch in Eritrea mit Freunden und feiert wie hier in Deutschland", erzählt Simon.

Der 15-jährige Ali Ahmadi aus Afghanistan kennt das Neujahrsfest ebenfalls. Allerdings wurde dies in seinem Land und auch im Iran, in dem der junge Afghane die letzten Jahre lebte, erst um den 21. März gefeiert. "An diesem Tag werden Raketen gezündet, aber das ist sehr gefährlich. Alle schießen herum und passen nicht auf", erzählt Ali. Kirchliche Feste kennt der junge Moslem nicht. Seit einem Jahr lebt der Jugendliche in Deutschland, die ersten Monate verbrachte er in Weiden. Seit vier Monaten wohnt er in Grafenwöhr und besucht die Mittelschule. Inzwischen hat er zum zweiten Mal die christlichen Weihnachtstraditionen erlebt - und sie gefallen ihm gut.

Klare Vorstellungen

Er spricht auffallend gut deutsch. In der Schule komme er gut zurecht. "Nur mit der Sprache habe ich ein Problem. Wenn jemand schnell spricht oder Dialekt, dann verstehe ich das nur schwer. Hochdeutsch geht aber gut", erklärt er. Angesprochen auf seinen Berufswunsch antwortet er schnell: "Kfz-Mechatroniker würde mir gefallen. Wenn es schulisch klappt, könnte ich mir auch Architekt vorstellen." "Ali hat bereits ein Praktikum in einer Autowerkstatt absolviert. Der Chef hätte ihn am liebsten gleich behalten, weil er so gut war", ergänzte Thumbeck.

Der Eritreer Hassen Jamal ist 17 Jahre alt und ebenfalls Moslem. "Ich mag Weihnachten", erzählt er. Ihm gefallen die Traditionen rund um das Fest und der Brauch des Schenkens. Er sei froh und dankbar, in Grafenwöhr eine Bleibe gefunden zu haben. "Vor fünf Monaten kam ich nach Rosenheim. Seit vier Monaten bin ich in Grafenwöhr", erzählt der Schüler, der derzeit in der Europa-Berufsschule Weiden eine Integrationsklasse besucht.

Heilerziehungspflegerin Regina Wallace berichtete vom Heiligen Abend im Haus: "Nach dem Essen wurden die Jugendlichen in ihre Zimmer geschickt, um die Geschenke unter dem Christbaum bereitlegen zu können." Die Geschenke waren eine große Überraschung, aber die Flüchtlinge gingen auch bald wieder in ihre Zimmer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11034)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.