Friedhofsbesuch in Haag

Historisches Interesse und der Glaube an die Wiederauferstehung lockte viele Besucher in die Friedhöfe im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes.
Lokales
Grafenwöhr
12.11.2015
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"Wenn wir ferne sind und weit, wer wird denn am Grabe beten zur Allerseelenzeit?" Die Frage aus den Versen des Haager Heimatdichters Erhard Trummer beantworteten Gläubige beim Besuch der Friedhöfe im Sperrgebiet des Übungsplatzes.

Pressesprecher Franz Zeilmann, sein Kollege Andreas Kreuzer und Oberstleutnant William Rieper von der US-Army Garnison Bavaria begleiteten die Teilnehmer des Gräbergangs. Alljährlich gibt die US-Armee den Gläubigen die Möglichkeit, die Gräber ihrer Vorfahren auf den Gottesäckern der ehemaligen Übungsplatz-Dörfer in Haag und Langenbruck zu besuchen.

Blick ins Geschichtsbuch

Franz Zeilmann gab auf der Fahrt Informationen zur Geschichte und aktuellen Entwicklungen im Südlager. 1992 wurde der Friedhof von Haag durch Bundeswehr, Forst und die Amerikaner wieder hergerichtet. Seither finden auch die Gräbergänge zu Allerheiligen statt. Werner Stubenvoll, dessen Urgroßvater die Haager Chronik verfasste, begrüßte die Gläubigen auf dem Haager Gottesacker. Er ging kurz auf die Geschichte Haags ein, die 1938 mit der Erweiterung des Übungsplatzes endete.

Seit 1414 existierte der Friedhof, auf dem auch die Gruft der Familie Grafenstein stand. Den Grafensteins gehörte die Brauerei in Hammergänlas. In Vertretung für die Geistlichkeit sprach Norbert Riha aus Sorghof, bekannt als "Bruder Norbert", mit den Gläubigen die Gebete an den Gräbern.Gedacht wurde auch der zwei Todesopfer, die vergangene Woche beim Zugunglück in Freihung am Südrand des Übungsplatzes ihr Leben lassen mussten. Die Besucher legten Blumen an den Ruhestätten nieder und stellten Grablichter auf. Bewundert wurden die kunstvoll gestalteten Grabmäler aus Sandstein, die seit der Sanierung 1992 wieder auf ihren alten Plätzen stehen und weiter der Verwitterung trotzen.

Mit dabei beim Friedhofsbesuch waren die Nachkommen von Georg Stümpfl aus Grafenwöhr. Der "Stümpfl-Girch" wurde in Bergfried bei Haag geboren und zimmerte als gelernter Schreiner bei der Sanierung des Gottesackers auch das Friedhofskreuz. Hergerichtet und gepflegt wird der Friedhof nun von der Bundeswehr in Grafenwöhr.

Erinnerung an Sagen

Genutzt wurde der Besuch im Sperrgebiet auch zu einem geschichtlichen Austausch. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm aus Grafenwöhr erinnerte an die Sagen aus dem Haager Gebiet. Die Rückfahrt führte vorbei an der Wüstung Hellziechen nach Langenbruck.

Ein zweigeteilter Granitstein mit einem Kreuz am ehemaligen Standort der Langenbrucker Kirche St. Wolfgang weist neben dem Friedhof auf die Ortschaft heute noch hin. Der Langenbrucker Friedhof, der auf einer Anhöhe im Wald des Südlagers liegt, wurde gleich nach der Absiedlung durch den US-Sergeant Abraham weitergepflegt und ist somit auch noch gut erhalten.
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