Ganzjähriges Schmuckstück

Initiiert hat das Flurkreuz mit dem Altar Baptist Held. Emil Harrer setzte das Ganze in der Schmiede seines Vaters Karl um. Die Anlage wurde zunächst über Jahre hinweg von Karl Harrer Junior gepflegt. Bis er von einer "unbekannten Person" abgelöst wurde, für die bis heute Pflege und Schmuck Herzensangelegenheit ist. Martin Stopfer aus Gößenreuth fand heraus: Es ist die Grafenwöhrerin Margarete Krist. Bild: az
Lokales
Grafenwöhr
07.11.2015
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Der Feldaltar zwischen Grafenwöhr und Gößenreuth ist immer dekoriert. Verwittert ist er keinesfalls, ganz im Gegenteil. Ein bisschen geheimnisumwittert allerdings schon.

Marterln, Weg- und Feldkreuzen stehen nicht einfach so da. Sie sind vielmehr Ausdruck christlicher Gesinnung. Eine solche Stätte befindet sich auch am Nebenweg der Staatsstraße 2168 Richtung Eschenbach. Es steht alle zwei Jahre als erster Feldaltar bei der Prozession am Pfingstmontag im Mittelpunkt.

Wer hat diese Anlage überhaupt geschaffen? Und wer pflegt, betreut und versorgt sie treu mit hübschem Blumenschmuck? Nicht einmal im Pfarramt wusste man bisher wer dahinter steckt. Martin Stopfer aus Gößenreuth hat das Geheimnis gelüftet. Er begab sich auf die Suche und fand heraus: "Margarete Krist hat sich die kontinuierliche Pflege zur Herzensangelegenheit gemacht. Die Anlage selbst stammt von Emil Harrer. Er erstellte sie in der Schmiedewerkstatt seines Vaters Karl.

Die Inspiration dazu, so erzählt er, kam von Baptist Held. Der langjährige Grafenwöhrer Kirchenrat starb 85-jährig im Oktober 1990. Als im Zuge der Erweiterungsmaßnahme der Staatsstraße 2168 im Jahr 1972/73 das Feldkreuz weichen musste, habe Held, der immer wieder in der Harrer'schen Schmiede mitarbeitete, gebeten: "Emil, da müssen wir was Neues schaffen, das Kreuz braucht doch einen würdigen Platz." Und er war sofort einverstanden und hat ein Konzept entworfen. Im Herbst des gleichen Jahres setzte er seine Idee in die Tat um.

Gute Zusammenarbeit

Das aus Rohrbögen bestehende Material habe sein Vater zur Verfügung gestellt, erinnert er sich. Vor dem Zusammenschweißen auf die richtige Größe wurden die Teile abgeschliffen. Die sorgfältige Reinigung vom sogenannten Zunder, der anhaftenden Schlacke, war nötig für die Haltbarkeit. Mit heißer Farbe wurde das Material quasi "ewigkeitstauglich" gemacht. Das Verzinken sei in der Region damals noch nicht üblich gewesen. Die "Blätter" über dem Christushaupt hat Baptist Heldl geschmiedet, überhaupt sei dieser ihm bei der Ausführung stets hilfreich zur Hand gegangen.

Eine einfallsreiche Idee hatte Emil Harrer beim Altartisch. Die Marmorplatte habe einst die Kommode im elterlichen Schlafzimmer geziert, verrät er. Sie erwies sich als gute Lösung. Schließlich sollte das Werk ja so kostengünstig wie möglich erstellt werden. Bald nach Fertigstellung sei die Anlage durch Stadtpfarrer Monsignore Ludwig Schmidt (gestorben im Juli 1981) im kleinen Kreis gesegnet worden.

Emil Harrer will sich aber nicht mit fremden Federn schmücken. Beteiligt gewesen sei auch sein jüngerer Bruder Karl. Als dieser eines Tages bemerkte, dass Unbekannte den Altartisch stark beschädigt hatten, wandte er sich an den örtlichen Steinmetzbetrieb Konrad Reiter. Dieser hätte ihm sofort eine neue Platte zur Verfügung gestellt. Apropos Pflege: Es war sozusagen Familienstolz, dass Karl Harrer über Jahre den kleinen Feldaltar sauber hielt und auch schmückte nach seiner Devise: "Das, was aus unserem Haus gekommen ist, lassen wir nicht verkommen." Bis er eines Tages abgelöst wurde: Als er nämlich bemerkte, da ist irgend jemand, dem die Pflege des Feldaltars ebenfalls sehr am Herzen liegen muss.
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