Gemeindebewohner zwiegespalten über Trupppenübungsplatz in Grafenwöhr
Viel Lärm um den Lärm

Norbert Schwer (links) und seine Freunde sitzen am Montagnachmittag ganz entspannt im Café Bauer. Der Lärm vom Truppenübungsplatz bringt sie nicht mehr aus der Ruhe. "Nur die heftigen Übungen mit den Herkules-Fliegern bis in die Nacht sind selbst für uns neu", sagt Schwer. Bild: do
Lokales
Grafenwöhr
24.11.2014
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Es rumpelt an allen Ecken und Enden: Am Truppenübungsplatz in Grafenwöhr jagt ein Manöver das nächste, meist sogar mit scharfer Munition. Die Bewohner der umliegenden Gemeinden sind zwiegespalten.

Die US-Armee verschickte vergangene Woche eine Pressemitteilung, nach der es zwischen 20. und 25. November zu verstärktem Schieß- und Fluglärm rund um den Truppenübungsplatz kommen kann. Seitdem wackeln tagsüber nicht selten die Wände, und bis tief in die Nacht rauschen die Düsenjets durch den Oberpfälzer Nachthimmel.

Nächtliche Störung

In einem Eschenbacher Café auf dem Marktplatz ist der ungewohnt heftige Lärm Gesprächsthema Nummer eins. "Kaum liegt man abends im Bett, haut einen der nächste Jet wieder raus. An Schlafen ist da nicht zu denken", beklagt eine Kundin. "Lärm war ja schon immer, aber so schlimm wie in den letzten Tagen war es noch nie", fügte eine andere an. Ein männlicher Gast wirft aber sogleich ein: "Wir dürfen uns nicht zu sehr beklagen, sonst baut die Army noch mehr Stellen ab."

Da die US-Armee der größte Arbeitgeber der Region ist, wollen viele ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und beklagen sich nur hinter vorgehaltener Hand. "Da brauchen wir nicht herumzureden. Der Lärm stört den Unterricht massiv", sagt Knut Thielsen, Schulleiter am Eschenbacher Gymnasium. "Wenn es ständig scheppert, kann niemand konzentriert arbeiten." Während die Schüler diese Situation einigermaßen gewohnt seien und sich damit arrangierten, hätten die Referendare größere Probleme.

Die Jung-Lehrer kämen aus allen Gegenden Bayerns nach Eschenbach und kannten keine Gefechte solchen Ausmaßes. "Da kommt es schon mal vor, dass bei einer Lehrprobe im Plan steht: Wundern Sie sich nicht, wenn es während der Stunde kracht. Das ist normal hier." Derzeit schreckten die Sekretärinnen mehrmals täglich zusammen, weil sie glaubten, die Scheiben würden zerspringen. "Ich stelle nicht den Truppenübungsplatz an sich in Frage. Übungen der US-Streitkräfte mit der Bundeswehr oder Nato-Truppen sind absolut gerechtfertigt", betont Thielsen.

Eingeschränkte Sicht

Für ihn stelle sich nur die Frage, "ob dieser Umfang zur vordringlichsten Aufgabe zählt". Er respektiere die US-Armee wegen der unzähligen zivilen Arbeitsplätze. Allerdings glaube er als Laie, dass die Art von Haubitzen, mit denen in Grafenwöhr geübt wird, in keinem Krieg der Welt mehr zum Einsatz kämen.

Der Stadtmitarbeiter, der gerade die Beleuchtung am Eschenbacher Weihnachtsbaum anbringt, kann die Aufregung nicht nachvollziehen. "Inzwischen hat man sich daran doch gewöhnt. Das gehört einfach zu uns. Und heute habe ich beispielsweise noch gar nichts gehört." Das lag aber vermutlich an der kurzfristigen Absage des groß geplanten Manövers. Bundeswehr und US-Armee sollten eigentlich von 8 bis 16 Uhr gemeinsam mit scharfer Munition üben. Der Nebel machte diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung.
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