Grafenwöhrs schwärzester Tag

"Grafenwöhr in Flammen" heißt das Gemälde von Norbert Richter-Scrobinhusen. Der Grafenwöhrer verarbeitete in dem Bild die Erinnerung seiner Kindheit an den 8. April 1945. Das Bild hängt heute im Sitzungssaal des Rathauses. Bilder: mor (4)
Lokales
Grafenwöhr
02.04.2015
3
0

Fünfeinhalb Jahre dauerte der Zweite Weltkrieg bereits, als er in der Oberpfalz ankam. Vor genau 70 Jahren erwischte er Grafenwöhr mit voller Wucht.

(mor) Es hagelte Bomben auf die Stadt. Nach dem 5. April schien es nicht mehr schlimmer kommen zu können - doch dann kam der 8. April. Der Weiße Sonntag gilt bis heute als Grafenwöhrs schwärzester Tag.

Am Donnerstag, 5. April, griffen erstmals alliierte Flugzeugverbände die "Festung Grafenwöhr" an. Gegen 11 Uhr flogen die Bomber von Osten an und warfen ihre Last - beginnend bei Bruckendorfgmünd - ins Waldgebiet Mark. Dort versteckte die Wehrmacht drei Millionen Gasgranaten und -geschosse. Ein Treffer hätte wohl ausgereicht, um alles Leben in der Nordoberpfalz auszulöschen.

Die Bomben verwüsteten das Gebiet über die Creußenwiesen und richteten im Nordteil des Hauptlagers verheerende Schäden an. Schwer getroffen wurden die Panzerwerkstätten und die Gartenanlagen. Zehn Menschen, darunter fünf Kinder, fanden dort den Tod. Am Abend hatten insgesamt 74 Menschen nicht überlebt, darunter 15 Zivilisten.

Doch das Schlimmste stand der Stadt noch bevor. Gegen 11.30 Uhr heulten am Sonntag die Sirenen, um 203 US-B-17-Bomber anzukündigen. Die Grafenwöhrer hetzten zu den Felsenkellern am Annaberg oder suchten Schutz in den durch Holzbalken abgestützten Untergeschossen ihrer Häuser. Elf Zivilisten starben. Nach den Angriffen gruben die Menschen mit bloßen Händen in den Trümmern nach ihren Lieben.

Heute kennt man aus den US-Archiven die Zahlen: 427,5 Tonnen Spreng- und 178,5 Tonnen Brandbomben warfen die Angreifer in mehreren Wellen auf Stadt und Hauptlage. Aus heutiger Sicht makaber: "Very good - possibly excellent results" (sehr gute, möglicherweise sogar exzellente Ergebnisse), heißt es im Bericht der 3. Air Division.

Bilder von Auswertungsflügen der Alliierten zeigen die Zerstörung. 210 Gebäude, darunter 105 Wohnhäuser, waren zerstört oder beschädigt - 3000 Menschen obdachlos. In der Zeit bis zum Einmarsch am 19. April herrschten Trauer, Entsetzen und Ratlosigkeit bei den Menschen, Obdachlose verließen die Stadt, das deutsche Militär war orientierungslos. Die Angriffe hatten ihr Ziel erreicht, die "Festung Grafenwöhr" war gefallen. Mehr zu den letzten Kriegstagen in der Region finden sich im Buch "Sie kommen - Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945", das der Oberpfälzer Buch- und Kunstverlag zum Jahrtag neu auflegte.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.