Grasnelke lässt grüßen

Lokales
Grafenwöhr
19.09.2015
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Jetzt besitzen die Grafenwöhrer eine anerkannte Strandschönheit. Sand-Grasnelke heißt die Ausnahmeerscheinung, die Diplom-Biologin Mathilde Müllner auf Grafenwöhrer Sanden entdeckte.

Das rosafarbene Kraut ist so selten, dass es für die Soldatenstadt als Werbelogo dienen könnte, befand die Mitarbeiterin des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald bei einer Präsentation im Stadtrat.

Bienen, Hummeln und Schmetterlinge mögen sie gerne, weil sie ihnen bis in den November hinein Nektar liefert. Viele Menschen ist die Sand-Grasnelke wenn überhaupt aus der Naturheilkunde bekannt. Das getrocknete Kraut der Pflanze diente früher als Heilmittel und wird heute noch zur Entwässerung eingesetzt.

Gefährdetes sichern

"Doch die Grasnelke verdient mehr Beachtung", betonte Mathilde Müllner bei der Vorstellung der Armeria maritima, so der lateinische Begriff. Hintergrund ist das Bestreben des Naturparks, mehr Natur in der Stadt zu fördern. "Bayerns UrEinwohner" titulieren die amtlichen Naturschützer das Programm zur Sicherung der biologischen "NaturVielfaltBayern".

Entdeckt hat Mathilde Müllner die auf der Roten Liste Bayerns stehende Pflanze auf Grafenwöhrer Sandböden. Lange Zeit galten Sandmagerrasen als unansehnliches, wertloses Ödland oder gingen mit der Ausweisung von Bauland oder für landwirtschaftliche Intensivflächen unter. Akute Zerstörungswut beobachtet die Natur-Expertin beim Mulchen von Straßen- und Wegerändern. "Dadurch werden viele Naturschönheiten vernichtet." Mit den Ureinwohnerprojekten biete sich nun die Chance, der oft gedankenlosen Vernichtung von Lebensräumen von Kleinstlebewesen und Pflanzenarten Einhalt zu gebieten.

Die Naturpark-Vertreterin empfahl deshalb dem Gremium, gefährdete Standorte zu sichern und systematisch zu betreuen. "Natur braucht Pflege", verstand Mathilde Müllner diese Bemühungen. Dazu zählt sie die Sand-Grasnelke als spezielle Grafenwöhrer "Strandschönheit". Hintergrund dieser Auszeichnung ist die Lage des Stadtgebietes vor 230 Millionen Jahren. Damals sei die Region Küstenraum des Muschelkalkmeeres gewesen, erzählte die Biologin dem staunenden Gremium. Aus den Sandböden der Küstenlinie sei danach in vielen Millionen Jahren nährstoffarmer Sandtrockenrasen entstanden. Eine gute Voraussetzung für die Entwicklung der Sand-Grasnelke.

Mitzuhelfen, die Pflanze dauerhaft zu schützen, war das Ziel der Präsentation. Mathilde Müllner schlug dem Gremium vor, das isolierte Vorkommen im Stadtbereich Grafenwöhr zu schützen. Über das entdeckte Gebiet an der Kläranlage hinaus möchte die Diplom-Biologin potenzielle Flächen, wie Straßenbegleitgrün, im Rahmen eines innerstädtischen Konzeptes sichern und pflegen.

90 Prozent Förderung

Müllner verwies ferner auf die Programm-Idee "Sand als Lebensraum" zum Schutz wilder Naturschönheiten und zur Stärkung der Artenvielfalt. Speziell zur Förderung der Erlebbarkeit städtischer Naturoasen empfahl die Referentin dem Stadtrat den Einstieg in das Projektprogramm "Bayerns UrEinwohner" als einzigen Standort in der Oberpfalz und versicherte die Unterstützung des Naturparks. Für das zunächst auf ein Jahr ausgerichtete Vorhaben nannte Müllner Projektkosten in Höhe von 20 000 Euro. Die staatliche Förderung beträgt 90 Prozent.

In der anschließenden Diskussion standen die Projektmaßnahmen im Blickfeld des Interesses. "Was ist zu tun?", wollte Josef Neubauer wissen. Er vermisse eine Marschrichtung, monierte der Stadtrat. Die konnte Mathilde Müllner noch nicht vorgeben. "Einzelheiten über die weiteren Pflegeschritte sind Gegenstand des Programmauftrags." Anzustreben sei jedenfalls eine veränderte Bewirtschaftung der ausgewählten Flächen ohne Beschädigung von wirtschaftlichen Existenzen, erklärte die Naturpark-Vertreterin. Und auch Bürgermeister Edgar Knobloch befand: "Wir sind erst am Anfang." Er empfahl dem Stadtrat, den Programmvorschlag anzunehmen. Die Billigung erfolgte einstimmig.
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