"Hobby macht narrisch Spaß"

Lokales
Grafenwöhr
25.07.2015
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Am Rande der Geismannsiedlung, rund um das letzte Haus in der Reihe, ganz versteckt und "uneinsehbar", gibt es etwas besonderes zu bewundern. Im Garten von Magdalena und Günter Späth wächst Hauswurz in allen Variationen.

Nicht wenige Besucher empfinden die Gärtlein vor und hinter dem Haus als reinste Augenweide. Über 150 Hauswurz-Arten lassen sich im Grün entdecken - das entspricht um die zweitausend Exemplare. Sempervivum lautet der Fachbegriff für die Pflanze. Nahezu jedes Fleckchen Erde ist ausgenützt - und nicht nur das. Der Einfallsreichtum von Günter Späth spiegelt sich auch in den Behältern, in denen er die Hauswurzen einpflanzt, wider.

So wachsen Hauswurzen in Milch- und Gießkannen, Messbechern, Schmalzhaferln, ausrangierten Kochtöpfen, Waschschüsseln, Kuchenformen, Kohle-Bügeleisen, Bierkästen, Kaffeetassen und Laternen. Sogar in kleinen und großen Skistiefeln aus den 50er Jahren machen sie sich gut. Auch in einen alten Gansbräter hat Späth zehn Sorten gesetzt. "Wir machen eh keine Bowlen, das Service steht nur rum, du kannst es für die Pflanzen nehmen", hatte Magdalena einmal zu ihrem Günter gesagt. Diesem kam das Angebot gelegen. Es gebe fast nichts, worin Hauswurzen nicht gedeihen können, die kleinste Mulde oder Vertiefung reiche den Flachwurzlern aus, erklärt er. Dadurch wurde Günter Späth auch zum Sammler von allen möglichen Gefäßen, Behältern und kleinen Gerätschaften.

Es ist die Liebe zum Detail, die den Garten des Ehepaares so besonders macht. Behutsam geht er mit den Pflanzen um. Etwa wenn er sie berührt und auf die "Kinder" hinweist, wie die Ableger in der Fachsprache genannt werden. Eine Besonderheit ist sein "Hit". "Diese blühende Sternwurz misst 66 Zentimeter und ist mein absoluter Star. Ich hab noch keine höhere dieser Art gesehen", erklärt er voller Stolz. Reizvoll sei für ihn, immer wieder an neue Sorten zu kommen.

Frau "mächtig angehaucht"

Es gebe die "Freunde der Sempervivum", die via Facebook in ganz Deutschland agieren. Von da bekomme er "zu fast hundert Prozent" die nötigen Informationen. Diesen speziellen "Job" habe seine Frau übernommen. Sie hatte anfangs mit Hauswurz nicht viel am Hut, mittlerweile sei sie "mächtig angehaucht", sagt er und lacht. Der Hauswurz sei ursprünglich im Gebirge, an kargem Gestein beheimatet. Er liebe die Sonne und würde bestens in einem Humus-Sandgemisch gedeihen. Früher hätten die Bauern an ihren Hofeinfahrten gerne Hauswurz gesetzt in der Überzeugung, dass dadurch der Blitz nicht einschlägt.

"Des Hobby macht halt narrisch Spaß. Ich bin nicht der, der immer im Wirtshaus hockt. Lieber bin ich in meinem Garten." Einmal wöchentlich besucht er aber doch seinen Stammtisch "nebenan" im Geismannkellerlokal. "Auf ein, zwei Bier, der Geselligkeit wegen", wie er gerne einräumt. Übrigens habe sich der Hauswurz zur trendigen Pflanze entwickelt. Die Leute hätten immer weniger Zeit und da ist die genügsame Art genau die richtige.
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