In Gedanken bei den Verfolgten

Ein Schweigemarsch führte nach dem Gedenkgottesdienst zum Gedenkstein beim Friedhof in Grafenwöhr. Bild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
15.09.2015
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Die Sudetendeutschen und die schlesische Landsmannschaft haben den "Tag der Heimat" in Grafenwöhr vor Jahrzehnten initiiert. Auch wenn es diese Landsmannschaften nicht mehr gibt, ist der Gedenktag zu Zeiten der aktuellen Flüchtlingsströme wichtiger denn je.

Am Sonntag begingen Stadt und Stadtverband den "Tag der Heimat". Im Gedenkgottesdienst, den Pfarrer Wolfgang Traßl zelebrierte, wurde in den Fürbitten für die Opfer von Krieg und Gewalt sowie für die Flüchtlinge gebetet. In einem Schweigemarsch zogen die Vertreter der Politik, Vereine und Ruhestandspfarrer, angeführt von Trommlern des Spielmannszuges, zum Gedenkstein beim Friedhof. Auch hier betete Traßl für die Opfer.

"Gott sei Dank endete vor 70 Jahren die menschenverachtende Diktatur des Dritten Reichs, die Tod, Vernichtung und unvorstellbares Leid für viele Millionen Menschen dieser Erde erbrachte", betonte stellvertretender Landrat Albert Nickl. Das Ende sei die Grundlage für die neuen Machtverhältnisse nach 1945 in Europa und darüber hinaus gewesen und zugleich der Ausgangspunkt der massenhaften Vertreibung.

Flucht aus Angst

Landsleute ganzer Landstriche im Osten wurden vertrieben oder flüchteten aus Angst um ihre Existenz und um ihr Leben in den Westen, in die neue demokratische Bundesrepublik und insbesondere nach Bayern. Damals hatten die Menschen alles andere als gute Voraussetzungen. Sie packten gemeinsam mit den Westdeutschen an, das Land wieder aufzubauen. "Heute müssen wir dieser Generation, unseren Eltern und Großeltern und den Vertriebenen sehr dankbar sein. Wir leben dank dieser Aufbauarbeit in der Nachkriegszeit in einem nie dagewesenen Wohlstand", erklärte der stellvertretende Landrat. "Jeder, der seine Heimat verlassen muss, kann erst richtig abschätzen, was einem die Heimat gibt. Deshalb hat der ,Tag der Heimat' auch heute noch genauso seine Berechtigung", betonte Nickl.

Verpflichtung zu helfen

Weltweit betrachtet sei die Menschheit nicht friedlicher geworden. Die aktuellen unzähligen Kriege, Bürgerkriege und Verbrechen an die Menschlichkeit in aller Welt würden dies unterstreichen. "Dies ist auch der Grund der heutigen Vertreibung und Flucht. Weil die Menschen in Kriegsgebieten leben, weil sie verfolgt werden, weil sie Angst um ihr Leben haben und sie in ihrer Heimat keine Perspektive für die Zukunft sehen, verlassen sie ihr Zuhause vielfach mit nichts, um auf eine bessere Welt in Europa zu hoffen. Und ich glaube, unsere Verpflichtung ist es, zu helfen", meinte Nickl.

Als Zeichen für Menschlichkeit legte die zweite Bürgermeisterin Anita Stauber einen Kranz am Gedenkstein nieder. Die Gedenkfeier wurde vom Männergesangverein 1890 mit dem gemischten Chor unter der Leitung von Bernhard Greiner musikalisch umrahmt.
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