Jakobsweg in vier Stunden

Vier Stunden lang lauschten die Mitglieder der Kolpinggruppe 55+ den Schilderungen von Günther Walberer. Wertvolle Erfahrungen gepaart mit körperlichen Leiden prägten seinen Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Bilder: mbi (2)
Lokales
Grafenwöhr
11.11.2014
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Günther Walberer aus Pressath pilgerte nach Santiago de Compostela. Bei der Kolpinggruppe 55+ berichtete er von seinen Erlebnissen und Strapazen, inklusive einiger Verletzungen.

Günther Walberers Reise begann mit dem Schritt aus der Haustür und endete 3000 Kilometer entfernt mit dem Sonnenuntergang "Am Ende der Welt". Vom Weg dazwischen berichtete er mit einem Bildervortrag. Auf den beiden Etappen hatte er genug Erlebnisse gesammelt, um den ganzen Abend keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Lang und beschwerlich

Rund 30 Personen der Kolpinggruppe 55+ ließen sich auf die Bilderreise mitnehmen. Humorvoll schilderte Walberer seinen Jakobsweg. Dass es sich um einen langen und beschwerlichen Weg handelt, war Walberer von Anfang an bewusst. Mehrere Wochen "trainierte" er seine Kondition und Ausdauer. Ein 15 Kilo schwerer Rucksack, begleitete ihn nun täglich. Sogar zum Holzspalten nahm er ihn nicht ab. Am 3. März 2008 war es soweit: Walberer startete seinen Pilgergang. Von Gebenbach über Nördlingen zum Bodensee führte ihn sein Weg durch Deutschland in die Schweiz.

Dort bekam es Walberer mit einer unerwarteten Erschwernis zu tun. Der Winter kam nochmals mit Schnee, Eis und Kälte zurück. Unbeeindruckt beschritt der Oberpfälzer seinen Weg über Einsiedeln nach Genf weiter. Humorvoll erinnerte er sich an eine Unterkunft: "Die Pilgersuppe war umsonst, aber das Weizen hab ich letztendlich doch bezahlen müssen." Am 12. April überquerte er die französische Grenze und auch der Frühling kehrte zurück. Über Wiesen, Feldwege und Wälder, durch idyllische Natur und vorbei an mittelalterlich wirkenden Dörfern marschierte er durch das Rhônetal Richtung Lourdes.

96 Tage

Als er dort ankam, waren viele Soldaten zur Wallfahrt versammelt. Zufällig liefen ihm Vohenstrauß' Bürgermeister Josef Zielbauer und eine Einheit aus Weiden über den Weg. An einem geselligen Abend wurden bis spät in die Nacht Geschichten und Erlebnisse ausgetauscht. In St. Jean-Pied-de-Port endete für Walberer die erste Etappe. Nach 96 Tagen durfte er zu Hause seine Frau in den Arm nehmen.

Am 29. April 2009 zog es den Pressather erneut in die Ferne. Gleich nach seinem Start in den Pyrenäen stürzte Walberer schwer und kugelte sich das Schultergelenk aus. Unter starken Schmerzen ließ er es sich von zwei Mitpilgern noch am Unfallort wieder einrenken. Mehrere Bänder waren überdehnt, das Kreuzband sogar gerissen. Aufgeben stand aber niemals zur Debatte, sagte Walberer zu seinen Zuhörern.

Am 5. Juni erreichte er nach über 3000 Kilometern Fußweg Santiago de Compostela. In der Kathedrale dankte er dem heiligen Jakobus für die gute Reise, die noch nicht ganz zu Ende war. Seine letzte Etappe führte ihn an den Atlantik. Am Kap von Finisterre, dem "Ende der Welt" endete Günther Walberers Pilgerweg. Sei Lohn seien die Erlebnisse, Eindrücke und Erinnerungen, sagt er. Er habe viele Mitpilger kennengelernt und die Gastfreundschaft zahlreicher Menschen erfahren. Hans Biersack, Leiter der Kolpinggruppe 55+, bedankte sich bei Günther Walberer mit einem "guten Tropfen" für den Vortrag.
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