Kein guter Platz für Totentafeln

Wäre es nicht ehrenhafter, die Namenstafel der Gefallenen in der Gruft auf dem Annaberg anzubringen, statt in der dunklen Ecke der alten Pfarrkirche?
Lokales
Grafenwöhr
19.11.2014
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Die Stadt hat den Volkstrauertag würdig begangen. Aber wie geht das Volk mit den Kriegstoten um? Dieser Frage ging Monsignore Karl Wohlgut in seiner Predigt beim Gottesdienst in der Mariä-Himmelfahrtskirche nach.

"Wir in Grafenwöhr müssen dankbar sein, dass wir viele Jahrzehnte im Frieden leben können. Das ist ungewöhnlich", bemerkte Monsignore Karl Wohlgut beim Gedenkgottesdienst.

Die Gefallenen, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, wurden zu Siegern erklärt. Das hat in den 20er Jahren zu Diskussionen geführt. Eine Frage war, wo an die Toten erinnert werden sollte. Zuerst war die Nepomuk-Statue am Stadtweiher im Gespräch. Schließlich wurde 1922 das Kriegerdenkmal vor dem Rathaus enthüllt.

"Das Zentrum der Stadt ist ein würdiger Platz", so der Geistliche. Aber es steht kein Heldengedenkstein hier, sondern die Mariensäule am Marktplatz. Auch diese habe ihren Sinn. Zur Gottesmutter werde gebetet: "Bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes."

Anonymes Ehrenmal

Am Kriegerdenkmal gibt es allerdings keine Namen. "Ohne Namen sind die Gefallenen schnell vergessen", warnte der Monsignore. Die Tafeln mit den Namen der Gefallenen und Kriegsopfer stehen am Eingangsportal der Alten Pfarrkirche. Dies sei jedoch nur ein Notbehelf in einer dunklen Ecke. Man könnte den Eindruck gewinnen die Namen würden in die Ecke gedrängt, meinte der Geistliche.

Ein besserer Platz

Seine Frage lautete deshalb: "Wäre es nicht ehrenhafter, die Namenstafel der Gefallenen in der Gruft auf dem Annaberg anzubringen? Die Wände der Gruft würden genügend Platz dafür bieten. Und über der Gruft steht das Denkmal der Heimkehrer. "Der heilige Berg - wäre das nicht eine würdige Stätte, um die Namen der Kriegstoten für alle Zeit zu bewahren?"

Viele Kriegstote ruhen auch in fremder Erde und ihr Grab kann oft nicht besucht werden. Der Ruhestandspfarrer betonte, er spreche aus eigener Erfahrung, da sein Onkel in Ostpreußen bestattet ist. Das Grab befindet sich auf einem Sperrgebiet. Einen Trost gebe es trotzdem: "Gott hat die Toten nicht vergessen!"
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