Kinder weinen und klagen

Hildegard Haupt (Mitte) sprach über ihre Trauerarbeit. Bild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
04.11.2015
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Tod und Sterben sind Tabuthemen. Der Tod wird verdrängt und nicht gelebt. Damit wird Hildegard Haupt bei ihrer ehrenamtlichen Hospizarbeit und bei ihren Trauerbegleitungen sehr oft konfrontiert.

(rgr) Auf Einladung von Claudia Wolf, Vorsitzende der jungen Frauen des Katholischen Frauenbunds, kam Haupt ins Jugendheim und berichtete von ihrer Trauerarbeit. "In Weiden und im Landkreis Neustadt/WN gibt es 50 ausgebildete ehrenamtliche Hospizbegleiter, die zum Hospiz- und Palliativdienst der Malteser gehören."

Neben den Seniorenheimen gehen die Mitarbeiter auch in Krankenhäuser oder Privathaushalte, um die Schwerkranken und deren Familien zu begleiten. "Wir pflegen jedoch nicht", betonte Haupt. Sie forderte auf, sich Hilfe zu holen, wenn man es allein nicht mehr schafft.

Wenn eine Oma oder der Opa im Haus mit den Enkelkindern wohnt, sei es ganz egal, wie alt ein Kind ist. "Es ist ein Riesenfehler, wenn man die Kinder abschottet, da eine Bindung zu den Schwerkranken besteht", sagte die Referentin weiter. Wenn sie plötzlich nicht mehr zur Oma gehen dürften, fragen sie sich warum, da Kinder sehr viel Fantasie haben. Sie sollen aber auch nicht "reingeschoben" werden, sondern selbst entscheiden dürfen, ob sie zum Krankenbett gehen oder nicht. "Ab dem fünften Lebensjahr beschäftigen sich die Kinder mit dem Tod", weiß Haupt.

Die Kinderseele hätte einen eigenen Schutz und müsse lernen, zu trauern. Kinder weinen und klagen auch noch. Dies mache sich schon bemerkbar, wenn ihr geliebter Hund oder ihre Katze stirbt. Dann sollte ein Begräbnisritual gemacht werden. Kleine Kinder verarbeiten die Trauer mit Malen und Spielen. Man sollte sie nicht bedrängen, sich aber einfach zu ihnen hinsetzen. Jugendliche haben ein sogenanntes "Pfützentrauern" und sind gerne mit ihren Kumpels zusammen. Es käme darauf an, wie lange die Verbindungen schon bestehen. Wenn die Eltern alleine nicht zurechtkommen, sollte das Kind professionelle Hilfe erhalten.

Die Trauer verläuft unterschiedlich lange. Wenn Eltern ein Kind verlieren, kann es zehn bis zwölf Jahre dauern. Die Trauer sollte aber immer angenommen und wie eine Wunde gepflegt werden. "Erst wenn ich durch die Trauer gehe, kommt Linderung", sagte Haupt.
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