Krach über Grafenwöhr

Schuld am Lärm sind die Kampfflugzeuge des Typ F-16 der amerikanischen Streitkräfte. Symbolbild: Master Sgt. Kevin J. Gruenwald/U.S. Air Force/dpa
Lokales
Grafenwöhr
06.05.2015
30
0

Sie fliegen morgens, nachmittags, abends und sind dabei nicht unbedingt leise: Momentan hört man sie enorm, die Kampfjets. Über Grafenwöhr fliegen die US-Soldaten ihre Manöver - und ärgern Bürger und Bürgermeister.

Einige Grafenwöhrer sind aufgeregt, erschrocken, genervt. Draußen kracht und dröhnt es und diesmal ist es lauter als sonst. "Also es ist ja normal, dass ab und zu die Fensterscheibe wackelt, aber das war abnormal. Um kurz vor halb elf war es so brutal laut", schreibt Kevin Federl auf Facebook über den Fluglärm am Montag.

Schuld sind die Kampfflugzeuge des Typ F-16 der amerikanischen Streitkräfte. Hauptfeldwebel Agathe Kulla vom Luftfahrtamt der Bundeswehr erklärte am Mittwoch, dass die Flugzeuge zwischen 1. Mai und 26. Juni über dem Truppenübungsplatzes trainieren. An dieser Übung sind 4700 Soldaten aus zehn Nato-Mitgliedstaaten beteiligt.

Das Luftfahrtamt kann genau Auskunft geben, wie viele Kampfjets zu welchem Zeitpunkt über Grafenwöhr kreisen: Am Montag waren es unter anderem vier Flugzeuge, die von 22.04 bis 22.32 Uhr zwischen einer Höhe von 335 und 2345 Meter über dem Boden flogen. Zwischen 18.43 und 18.58 Uhr lag die Flughöhe nur bei 185 bis 1555 Meter über Grund. Den starken Lärm am Montag führt Oberstleutnant Brian Carlin auf das schöne Wetter und die wenigen Wolken zurück. "Die Wolken fangen den Lärm auf", erklärt der Pressesprecher der Joint Multinational Training Command in Grafenwöhr. Sind Wolken am Himmel, würden die Geräusche laut Carlin langsamer zu Boden gelangen. Am Montag sei das nicht der Fall gewesen.

Kritik häuft sich

Verärgerte Bürger machen sich beim Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln Luft: "Bei Übungen dieser Größenordnung häufen sich die Beschwerden", weiß Kulla. "Aktuell erreichen uns wieder mehr sowohl über das Bürgertelefon als auch schriftlich." Auf Facebook berichten Betroffene über verängstigte Kinder und Hunde. Lea Klinkhammer schreibt, dass es auch in Eschenbach extrem laut gewesen sei. "Ich konnte nicht mal in Ruhe mit meinem Pferd arbeiten, weil es so unruhig deswegen war."

Bürgermeister Edgar Knobloch kann verstehen, dass der Krach die Bürger nervt. "Den Schießlärm ist man gewohnt. Man nimmt ihn auch hin, aber der Fluglärm mehrmals täglich ist von anderer Qualität. Das ist dann nicht mehr in Ordnung." Immer mal wieder wenden sich lärmgeplagte Bürger an ihn. "Wir wünschen uns, dass es nicht so bleibt." Als Stadt könne man der US-Army kein Verbot für ihre Übungen aussprechen. "Ich bin aber dabei, herauszufinden, wer zuständig ist. Ich hoffe nicht, dass wir zukünftig zur Flugzone werden."

Es gibt aber nicht nur Kritiker. Denn der Truppenübungsplatz ist nach wie vor ein großer Arbeitgeber in Grafenwöhr. "Es gibt Leute, die verdienen da draußen ihr tägliches Brot", leistet Arthur Hößl einen Beitrag zur Diskussion auf Facebook.

Übungsflüge bis 26. Juni

Bis zum 26. Juni wird es laut Kulla zu vermehrten Flügen im Bereich der Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels kommen, und damit laut bleiben. "Im Mai darf von 8 Uhr bis 2 Uhr geübt werden", informiert Carlin. Ihm sei bewusst, dass das Training Auswirkungen auf die Anwohner habe, deshalb würden Übungen vermieden, wann immer es möglich sei. "Wir planen die meisten Trainingseinheiten werktags zu gängigen Arbeitszeiten. Wir hoffen, dass die Bürger verstehen, dass militärische Truppen Übungen benötigen, um bereit zu sein, falls das Land sie braucht."
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.