Nichts ist selbstverständlich

Für das Erntedankfest hat Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm ein wunderschönes Ernte-Arrangement in der Kirche gestaltet. Bild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
08.10.2014
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Dankbarkeit ist heutzutage selten. Vieles wird als selbstverständlich vorausgesetzt, weil man es so gewohnt ist. Dabei ist es ein Geschenk Gottes, dass wir leben dürfen und viel zu essen haben.

Kaplan Thomas Thiermann prangerte beim Gottesdienst zum 30. Gründungsjubiläum der Katholische Theatergruppe die weit verbreitete Selbstherrlichkeit der Menschen an. Gleichzeitig wurde Erntedank gefeiert.

Das Jubiläum der Theatergruppe war Anlass Dank für drei erfolgreiche Jahrzehnte zu sagen. Da passte im übertragenen Sinne auch das Erntedankfest dazu. Der Kaplan spannte in seiner predigt einen weiten Bogen. Für unsere Nahrungsmittel sollte jedoch nicht nur einmal im Jahr danke sagen. "Das ist genauso schwach, wie einmal im Jahr am Muttertag zu danken oder einmal in der Woche seinen Pflichtbesuch in der Kirche zu erledigen", betonte der Prediger.

"In seiner Selbstherrlichkeit fühlt sich der Mensch nicht von Gott abhängig. Dabei muss man sich bewusst machen, dass gar nichts selbstverständlich ist, und dass wir niemals auf ein Geschenk Anspruch haben." Thiermann gratulierte der Theatergruppe und bedankte sich bei allen Mitgliedern und Freunden: "Es ist eben nicht selbstverständlich, dass sich Menschen engagieren. Sie sorgen dafür, dass andere eine schöne und gute Zeit haben. Schön, dass es sie gibt!"

Einige Mitglieder der Theatergruppe sprachen die Fürbitten. Unter anderem wurde um Frieden, um das tägliche Brot, für die Hungernden sowie für die Verstorbenen, insbesondere für die Gönner und Förderer der Schauspielgruppe, gebetet. Während der Gabenbereitung brachte Stephan Wolf ein Regie- und Textheft nach vorne und heftete es an einen Ständer neben Theaterrequisiten. Symbolisch sollten damit die Zeichen für Freundschaften, das Lachen des Publikums, das Lampenfieber, für Textpannen und die Talente der Laienschauspieler vor den Altar gebracht werden.

"Mit dem Brot, der Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit bringen wir noch mehr", sagte Lisa-Marie Bernhard, die stellvertretende Vorsitzende der Theatergruppe: Die Mühe und Erfolglosigkeit unserer Arbeit, Angstbilder schlafloser Nächte, die Einsamkeit der Verlassenen, Schmerzen der Kranken und Enttäuschungen über eine zerbrochene Liebe.

Horst Böhm jun. betonte: "Mit dem Wein werden auch fröhliche Gesichter der Kinder, sonnige Tage des letzten Urlaubs und die Genesung aus einer langwierigen Krankheit zur Gabenbereitung gebracht."

Stadtpfarrer Bernhard Müller dankte der Theatergruppe für die schönen Vorstellungen und für die Gestaltung des Gottesdienstes. Seine besondere Anerkennung galt Wolfgang Bräutigam, dem "Kopf der Gruppe". "Aber nicht nur hier ist er als Vorsitzender, Schauspieler und Autor engagiert, sondern auch seit vielen Jahren in der Pfarrgemeinde", lobte der Pfarrer. Dankesworte gingen auch an Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm, die das wunderschöne Erntedank-Arrangement in die Kirche zusammengestellt hatte.
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