Palliativmedizin hilft gegen Schmerzen und mehr - Rege Diskussion mit Dr. Susanne Kreutzer
Lebensqualität so gut es geht erhalten

Lokales
Grafenwöhr
27.11.2014
1
0
Dr. Susanne Kreutzer, die Leitende Ärztin der Palliativstation Neustadt/WN hielt keinen Vortrag im eigentlichen Sinne, sondern ging gezielt auf die Zuhörer ein. "Was interessiert Sie? Stellen Sie mir einfach Fragen", forderte die Fachärztin für Anästhesie und Pallitivmedizin das Publikum auf. Daraus entwickelte sich ein kurzweiliger Frage-und-Antwort-Dialog.

"Welche Patienten nehmen sie auf der Palliativstation auf? Welche für Kriterien müssen erfüllt sein und wer übernimmt die Kosten?", kam gleich als erste Frage.

Dr. Kreutzer: "Die Patienten müssen eine lebensbedrohliche Erkrankung haben, sich im fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung befinden und Beschwerden haben, die die Lebensqualität einschränken. Das sind Atemnot, Schmerzen, Appetitlosigkeit, Angst oder Unruhe, Durchfall oder Verstopfung, Depression oder Verwirrtheit. Unsere Aufgabe ist es, diese Symptome so gut es geht zu beseitigen, um die Lebensqualität zu steigern. Die Kosten werden zu 100 Prozent von der Krankenkasse übernommen. Allerdings dürfen wir beispielsweise keinen Rheumapatienten mit stärksten Schmerzen aufnehmen und behandeln, da das Rheuma keine lebensbedrohliche Erkrankung ist."

"Mit welchen Krankheiten haben Sie hauptsächlich zu tun?"

Dr. Kreutzer: "Etwa 70 Prozent unserer Patienten leiden an Krebs, die anderen 30 Prozent haben schwere Herzkrankheiten, schwere Durchblutungsstörungen, schwere Lungenerkrankungen und die damit verbundene Atemnot. Auch Patienten mit schweren Nierenerkrankungen oder Demenz mit Schluckstörungen und einer erhöhten Neigung zu Lungenentzündungen werden behandelt. Häufig gehen die Menschen nach der Behandlung wieder nach Hause. Manche kommen mehrere Male. Viele sterben auch bei uns auf Station."

"Worin unterscheiden sich die Behandlung im Krankenhaus und die auf der Palliativstation?"

Dr. Kreutzer: "Im Krankenhaus wird die Grunderkrankung behandelt. Wir behandeln ausschließlich die Symptome, die oben genannt wurden. Am häufigsten sind das die Schmerzen bei Krebspatienten. Auf Palliativstationen arbeiten sozusagen 'Spezialisten für Lebensqualität' für die letzten Jahre, Monate, Wochen oder Tage. Sobald wir die Beschwerden der Patienten aber behandelt und medikamentös eingestellt haben, müssen wir die Patienten wieder entlassen. Wir werden vom Medizinischen Dienst diesbezüglich auch kontrolliert."

"Ich habe gehört, dass die Palliativstation nach Weiden umzieht. Was geschieht mit den Räumen in Neustadt?"

Dr. Kreutzer: "Da sind sie richtig informiert. Allerdings kann das noch ein paar Jahre dauern. Aus der Station in Neustadt soll dann ein Hospiz werden. In einem Hospiz können Patienten bis zu ihrem Tod bleiben. Derzeit werden 90 Prozent der Kosten von den Pflegekassen übernommen, 10 Prozent über Spenden gedeckt. Die Politik ist derzeit damit beschäftigt, das zugunsten der Patienten zu ändern. Hospizhelfer sind ganz wichtige Menschen. Sie bringen das Wertvollste mit, das man Menschen schenken kann: Zeit. In Grafenwöhr und Umgebung leistet Hildegard Haupt hier wertvolle Arbeit."

"Es kann ja keiner mit-sterben, aber die Hospizhelfer stellen sich der wichtigen Aufgabe, Klage, Ängste und das existenzielle Leid der Kranken anzuhören. Wie gehen Sie und Ihre Beschäftigten mit der psychischen Belastung um, die diese Arbeit mit sich bringt?

Dr. Kreutzer: "Ich bemühe mich, jeden Tag einen Witz zu erzählen - die Ärztin gab sofort eine Kostprobe, die für große Erheiterung im Publikum sorgte. Außerdem stützen wir Beschäftigte uns gegenseitig. Einmal pro Monat wird mit einer Fachkraft Supervision für das Team angeboten, auch Einzelberatungen können in Anspruch genommen werden. Unsere Mitarbeiter haben auch jederzeit die Freiheit, aufzuhören, wenn die Arbeit zu belastend wird. Was sicher auch hilft ist, dass wir für bestimmte Bereiche feste Rituale haben."

Im Anschluss an die Vorträge überreichte AsF-Vorsitzende Conny Öttl Blumensträuße an die Referentinnen und eine Spende für die Palliativstation.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.