Pfarrer Wolfgang Traßl spricht beim Seniorennachmittag über die "letzten Dinge"
Himmelsfreuden und Höllenangst

Pfarrer Wolfgang Traßl referierte beim Seniorennachmittag über die "Letzten Dinge und danach". Bild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
16.03.2015
8
0
Alles, was unbekannt ist, fasziniert, macht neugierig oder Angst. So ist es auch mit Erfahrungen über das Jenseits und ein Weiterleben nach dem Tod. Aber gibt es das überhaupt? Und wie sieht es aus?

Von den "Letzten Dingen und was uns einmal erwartet" sprach Ruhestandspfarrer Wolfgang Traßl beim Seniorennachmittag im Grafenwöhrer Jugendheim. Berichte von Nahtod-Erfahrungen könne man laut dem Geistlichen auf einen Nenner bringen: "Das neue Leben schien allen, die es kennengelernt haben, so schön, dass sie am liebsten gleich dort geblieben wären." Der Sterbende habe häufig das Gefühl, einen Schacht oder Tunnel zu durchqueren.

Außerhalb des Körpers würden diese - oft von oben herab - wahrnehmen, was im Raum geschieht - oft die Bemühungen der Ärzte und des Pflegepersonals. Darauf folge die Begegnung mit einem Lichtwesen, das helfe, ein Urteil über das Leben des Sterbenden zu fällen. Unterdrückte Konflikte würden gelöst und verdrängte Spannungen aufgearbeitet. Ein Gefühl der Freude komme auf, in Verbindung mit Blumen, Farben und Musik, erklärte Traßl.

Droh- statt Frohbotschaft

Die Erlebnisse der klinisch Toten würden zwar Rückschlüsse auf den Vorgang des Sterbens erlauben, aber sie gäben keinerlei Aufschluss über die Daseinsweise eines Menschen nach dem Tod. Deshalb wollte sich der Referent nicht näher mit sogenannten Nahtod-Berichten befassen, sondern mit Aussagen aus dem Alten und Neuen Testament. "Ein zwiespältiger Eindruck entsteht, wenn man im Zusammenhang mit den letzten Dingen über Gericht, Fegefeuer, Himmel und Hölle spricht", so der Pfarrer. Dies sei eher eine Drohbotschaft als eine Frohbotschaft.

Im Neuen Testament verwende Jesus immer wieder ein Bild vom Gericht: Jeder Mensch sei ein Geschöpf, das seinem Schöpfer Rechenschaft schuldet. "Aber Gott muss sein Geschöpf nicht verurteilen", sagte Traßl.

Jeder von uns stehe einmal vor Gottes Angesicht und schaue das eigene Leben an. "Man sieht dann nicht nur das Böse, sondern auch das Gute. Wir werden erkennen, dass wir durch manche Enttäuschungen reifer geworden sind, dass manche Bemühungen um andere nicht sinnlos waren und dass uns manchmal Jesus näher stand, als wir meinten", ist sich Traßl sicher. "Dabei braucht uns Gott unser Leben nicht vorhalten, denn wir werden im Licht seines Angesichts erkennen, wie unvollkommen und bruchstückhaft unser Leben war. Nicht Gott ist es, der uns richtet, sonder wir selbst", sagte er und zitierte Evangelist Johannes: "Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet (Joh 3,18)."

Hinwendung zu Gott

Beim Gericht gehe es nicht um Vergeltung und Strafe, sondern um Einsicht, Umkehr und neue Hinwendung zu Gott. In der endgültigen Begegnung mit Gott, die beglückend und bedrückend zugleich sein könne, entstehe der Läuterungsprozess. Die Lebenden unterstützen die Toten dabei.

"Wenn wir eine heilige Messe für unsere Verstorbenen feiern, so wollen wir fürbittend für sie eintreten", erinnerte der Pfarrer. "Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass die Angehörigen oder die Verwandten und Freunde, die eine heilige Messe bestellt haben, auch bei der Feier anwesend sind. Die fünf Euro, die dafür bezahlt werden, sind nur ein Unkostenbeitrag für Strom, Organist, Mesner und andere Gerätschaften."
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.