Plädoyer für mehr persönliche Ehrerweisung
Die Toten beim Namen nennen

Dieses Kreuz ist etwas Besonderes. Der Corpus stellt nicht den qualvoll Leidenden mit den Wundmalen dar, sondern den voll gewandeten Auferstandenen, der den Tod überwunden hat. Es zeigt Christus nicht mit Dornenkrone, sondern über ihm die Königskrone. Und welcher Mensch hat dieses ungewöhnliche Kreuz geschaffen? Es ist mit dem bekannten und wohlklingenden Namen des ehemaligen Künstlers Max Langhammer aus Pressath verbunden. Gott hab ihn selig. Bild: az
Lokales
Grafenwöhr
25.11.2014
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Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht mehr erwähnt, vergessen? Da ist was Wahres dran. Im sogenannten Totenmonat November kommt man schon mal ins Grübeln.

Den Toten einen Namen geben und sie damit in der Erinnerung weiterleben zu lassen, ist das Einzige, das man ihnen wirklich geben, womit man sie am meisten ehren kann. Zu Beginn von Jahreshauptversammlungen, Jubiläen etc. ist es üblich, verstorbenen Mitgliedern eine Gedenk- oder Schweigeminute zu widmen. Ein schöner Brauch - meist jedoch leider "pauschal" praktiziert.

34 Namen

Es war im Juli 2009, beim 25 Jubiläum der St.-Michaels-Kapelle in Gößenreuth. Immer noch, obwohl schon über fünf Jahre her, ist mir jene Situation in Erinnerung, als nach dem Festgottesdienst die Vorsitzende des Kapellenbauvereins, Inge Stopfer, all jene namentlich nannte, die seit der Gründung 1984 verstorben sind. 34 Personen zählte sie auf und irgendwie war Betroffenheit und Ehrfurcht spürbar. Was, so viele Menschen? 34 wohlbekannte Gesichter holte sie damit in die Gegenwart herein. Es waren Mitbürger, mitten aus dem Leben gerissen, nach einem erfüllten Dasein friedlich verschieden, von einem schlimmen Leiden erlöst. Menschen, die man kannte: Bekannte, Nachbarn, Freunde.

Welch würdige Geste von Inge Stopfer, diese Toten beim Namen zu nennen. Es war gleichsam so, als würden sie erneut in die Mitte der Gemeinschaft hereingenommen, wären sie vom Jenseits ins Jetzt zurückgekehrt. So konnten "Bilder" in den Köpfen entstehen. Die "Leibhaftigkeit" eines Menschen stand klar vor dem geistigen Auge. Man erinnerte sich damit an Personen, die - Hand aufs Herz - langsam aber sicher in Vergessenheit geraten würden. Es geht ja so schnell mit dem Vergessenwerden.

Es wäre so wertvoll und wichtig, sich Verstorbener bei gegebenen Anlässen namentlich zu erinnern. Ihnen damit ihre Individualität, ihre Persönlichkeit, zumindest für eine Weile, zurückzugeben. Dazu sind Hinterbliebene imstande, zu mehr ja nicht. Die sicher gutgemeinte Bitte des jeweiligen Versammlungsleiters an die Mitglieder, sich zum stillen Gedenken für die Verstorbenen des abgelaufenen Vereinsjahres von den Plätzen zu erheben, jenes pauschale, "gesichtslose" Gedenken, kann besagte persönliche Ehrerweisung niemals ersetzen.

Keine Zeit dafür

Der einmal meinerseits geäußerte Wunsch nach einer Einzelauflistung wurde so abgelehnt: Dies würde den zeitlichen Rahmen sprengen, da schließlich die Auszeichnung einer Reihe von Vereinsjubilaren auf dem Programm stünde.

Eine solch Argumentation macht schon sehr nachdenklich und man kommt zu dem Schluss: Selbst wenn 50 Namen zu verlesen wären, jeder Einzelne hat es verdient, genannt zu werden. Denn schließlich: Wie viel Zeit, Engagement und Treuebewusstsein hat er doch "in seinen" Verein investiert!? Es wäre ein Mindestmaß an Dankbarkeit.
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