Schleier des Vergessens entfernen

Zur Segnung vor dem Wasserturm, die Monsignore Karl Wohlgut (Dritter von rechts) vornahm, kamen neben Ehrengästen und Militärs auch Angehörige der Verunglückten, denen die neue Gedenkstätte gewidmet ist: Kommandant Oberstleutnant Hans Joachim Gehrlein (Siebter von links), der sich für die Errichtung des Denkmals eingesetzt hatte, hieß Hans Heindl (Zweiter von rechts) und Erika Strobl (links neben dem Stein) willkommen. Bild: mor
Lokales
Grafenwöhr
24.08.2015
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"Wir gedenken der im Dienst für Deutschland auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr Verstorbenen", ist auf der großen Bronzetafel zu lesen. Den Opfern von fünf Unglücksfällen im Lager ist ein neuer Gedenkstein vor dem Wasserturm gewidmet.

Bei der Segnung, die Monsignore Karl Wohlgut vornahm, gedachten Militärs, Ehrengäste und Angehörige der Verunglückten der Toten.

Oberstleutnant Hans Joachim Gehrlein, Deutscher Militärischer Vertreter (DMV) und Leiter der Truppenübungsplatzkommandantur, war es ein Anliegen, den Schleier des Vergessens zu entfernen und eine würdige Gedenkstelle einzurichten. Im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr waren drei Gedenksteine aufgestellt, die an Unglücksfälle mit tödlichen Ausgang erinnern. Der abgelegene Standort im Scheibenhof war für Dritte nicht jedoch zugänglich. Außerdem hielt Gehrlein Ausführung und Art der Gedenksteine für nicht mehr angemessen.

Im gemeinsamen Bemühen mit den amerikanischen Dienststellen wurden deshalb ein Platz vor dem Wasserturm ausgewählt und Partner zur Anschaffung der neuen Bronzeplatte und des Gedenksteins gesucht. Kurz vor dem Ende seiner Dienstzeit - er übergibt morgen, Dienstag, das Kommando an seinen Nachfolger - lud Gehrlein zur Segnung ein.

Zahlreiche Unterstützer

Der Oberstleutnant dankte bei der Feier dem Garnisonskommandeur, Oberst Mark Colbrook, Landrat Andreas Meier, den Bürgermeistern Edgar Knobloch (Grafenwöhr), Hans Martin Schertl (Vilseck), Kurt Seggewiss (Weiden) und Werner Walberer (Pressath) sowie Willi Buchfelder vom Heimatverein. Unterstützt hat die Errichtung des Gedenksteins auch die Firma Diehl, vertreten durch Gunnar Pappert, dem Leiter Qualitätsmanagement. Der Munitionshersteller aus Röttenbach bei Nürnberg betreibt auf dem Übungsplatz eine Test-Range.

Bei Unfällen hat das Unternehmen im Jahr 1976 seinen jungen Mitarbeiter Herbert Sedlmayer und 1981 Schießmeister Georg Strobl aus Schnaittach verloren. Sehr ergriffen und dankbar zeigten sich bei der Feier Erika Strobl, die Witwe des Schießmeisters, und Sohn Heinz Strobl. Anwesend waren auch Hans Heindl, der 1969 bei einem Schießunfall auf dem Übungsplatz seinen Vater verloren hat, und seine Frau Hannelore.

Bürgermeister Edgar Knobloch dankte Hans Joachim Gehrlein ausdrücklich für die Errichtung der Gedenkstätte. Tafel und Stein sollen "nicht nur an Menschen erinnern, sondern auch ein Mahnmal sein, um vor weiteren Unfällen verschont zu bleiben", sagte Knobloch.

Mahnung zur Sicherheit

Garnisonskommandeur Oberst Mark A. Colbrook sah den Wasserturm als Symbol für den Übungsplatz, deshalb sei die Stelle ein angemessener Ort, um der Toten zu gedenken. Der Stein sei auch ein Hinweis auf das gemeinsame Trainieren und Ausbilden von Soldaten in einem gefährlichen Umfeld: Stets sollte man sich der Sicherheitsvorkehrungen bewusst sein.
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