Spatzen-Brüder

Emilio (sitzend) und Vincent Mauritz verbindet ihre wunderbare Stimme und der Wille, etwas aus ihr zu machen. Nachdem der große Bruder die "Regensburger Domspatzen" nach dem Abitur verlassen hat, stehen Emilio noch einige Jahre in dem Chor bevor. Bild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
15.07.2015
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Domspatz aus Familientradition: Wie Bruder Vincent besucht auch Emilio Mauritz das Internat des Knabenchors. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, die Brüder sind sich sicher, dass es die Mühe wert ist.

Emilio hat ein klares Ziel: der zweite Knabe möchte er sein, wenn im nächsten Jahr die Domspatzen Mozarts Zauberflöte singen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Aufnahme beim berühmten Knabenchor hat der 12-Jährige bereits geschafft, seit zwei Jahren ist er ein Domspatz.

"Wir müssen jeden Tag eine halbe Stunde Klavier spielen und eine Stunde singen", berichtet Emilio von seinem Alltag. Die Musik erspart ihm dabei nicht den ganz normalen Schulalltag, das Internat stelle auch an die schulischen Leistungen hohe Ansprüche. Als Lohn für den Aufwand sieht der junge Grafenwöhrer die umjubelten Auftritte des Chors. Er stand schon in Altötting, Traunstein und Südtirol auf der Bühne.

Dass der Aufwand nicht weniger wird, weiß Emilio von seinem Bruder Vincent. Der war bis zu seinem Abitur 2014 ebenfalls ein Domspatz. "Ich hatte bis zu 40 Stunden pro Woche. In der achten Klasse hatte ich eine Phase, in der mir alles zu viel war." Aus dem Loch sei er irgendwann wieder raus gekrochen: Es macht immer wieder viel Spaß!" Die Musik zum Beruf wollen aber beide nicht machen: "Das ist ein zu hartes Pflaster. Nur einige wenige können Opernsänger werden. Die anderen vielleicht Kirchenmusiker", weiß Vincent. Von 40 seiner Abitur-Kollegen haben nur zwei einen musikalischen Weg eingeschlagen.

Momentan macht Vincent noch ein Freiwilliges soziales Jahr bei der DJK Pressath. Im Oktober beginnt er Lebensmitteltechnologie zu studieren. Das Singen bleibe aber sein großes Hobby. 2013 habe es ihm eine Reise nach London eingebracht. Mit dem Ensemble "Sound of Silence" haben er und einige Schulfreunde Konzerte gegeben. Statt einer normalen Abi-Reise absolvierte die Gruppe eine dreiwöchige Europa-Tour durch Frankreich, Spanien, Griechenland und Portugal. Außerdem verdient er mit dem Gesang schon heute ein wenig Geld: Als gefragter Sänger für den schönsten Tag im Leben eines Brautpaares. Viele kennen die Stimmen der Brüder auch vom 50. Geburtstag von Bürgermeister Edgar Knobloch.

Ermöglicht hat ihren Söhnen dies auch Birgit Mauritz. Auch für sie war es nicht leicht, ihre beiden Söhne schon mit zehn Jahren nur noch in den Ferien und am Wochenende zu sehen. "Ich wollte ihren Weg nicht aufhalten. Es war ja nicht mein Wunsch, Emilio und Vincent wollten es beide selbst. In dieser Zeit war das Telefon unser Kommunikationsmittel. Und die Drähte haben geglüht."
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