Unbekannte geben sich als Polizisten aus und bringen Grafenwöhrerin um 17 300 Euro - Mehrere ...
Betrüger warnen vor Betrug

Lokales
Grafenwöhr
27.02.2015
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Werner Stopfer ist viel gewohnt, aber bei diesem Fall fällt auch dem stellvertretenden Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach nichts mehr ein. "An Dreistigkeit fast nicht zu überbieten", schreibt der Polizist in seinem Bericht. Betrüger versprachen einer Grafenwöhrerin 84 000 Euro, als Gegenleistung sollte sie 17 300 Euro für Sicherheits- und Anwaltskosten tragen. Besonders perfide: Die Täter gaben sich als Mitarbeiter von Interpol und der Dortmunder Polizei aus. Dank moderner Computertechnik konnten sie sogar die Telefonnummern der Behörden nutzen.

2014 nahm die Frau ein Probeabo einer bekannten Zeitschrift an. Damit war ein Gewinnspiel verbunden. Mitte Januar erhielt die Frau einen Anruf. Der Anrufer versprach ihr 48 000 Euro als Gewinn. Dafür sollte sie 700 Euro Sicherheitskosten vorstrecken. Die Frau sagte zu. Am nächsten Tag berichtete ein Anrufer von einem Zahlendreher: Der Gewinn erhöhe sich auf 84 000 Euro, allerdings auch die Kosten auf 6000 Euro. Die Grafenwöhrerin überwies das Geld tatsächlich an einen Empfänger im Kosovo.

Schon am nächsten Tag ging das Schauspiel weiter: Es wären nochmals 6000 Euro plus 260 Euro für die bevorstehende Auszahlung erforderlich, erfuhr die Frau am Telefon - und sie überwies erneut, obwohl der Mitarbeiter der Bank sie ausdrücklich davor warnte. Am nächsten Tag meldete sich eine Frau, die sich als Interpol-Mitarbeiterin ausgab. Sie sprach von einer Fangschaltung und davon, dass die Grafenwöhrerin wohl einer Betrügerbande aufgesessen sei. Sie solle sich aber keine Sorgen machen, es bestehe die Aussicht, dass Geld wiederzubekommen. Allerdings solle sie bei neuen Forderungen, weiter überweisen, damit die Betrüger keinen Verdacht schöpfen. Diesmal dämmerte der Geschädigten, dass etwas nicht stimmen kann. Sie lehnte ab und legte auf.

Der negative Höhepunkt folgte mit dem Anruf eines angeblichen Polizeibeamten aus Dortmund. Der erklärte, dass im Kosovo zwei Betrüger festgenommen wurden, an die auch das Geld der Grafenwöhrerin geflossen sei. Um das Geld zurückzubekommen, müsse sie allerdings erneut 5000 Euro überweisen, diesmal für einen Anwalt: Die Frau überwies.

Insgesamt hatte die Frau damit 17 300 Euro überwiesen. Erst als die Frau die angezeigte Nummer zurückrief, flog alles auf. Es meldete sich tatsächlich die Dortmunder Polizei. Dort wusste man allerdings nichts von dem Fall. Nach der Schilderung der Geschichte empfahl ihr ein echter Polizist, die Kollegen in Eschenbach zu kontaktieren. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei Weiden.

Die Frau gab an, dass alle Anrufer akzent- und dialektfreies Hochdeutsch sprachen. In allen Fällen wurde eine deutsche Telefonnummer angezeigt. Nach den Ermittlungen lässt dies auf das sogenannte "Call ID Spoofing" schließen. Dabei werden die tatsächlichen Rufnummern (der Betrüger) unterdrückt und stattdessen andere Nummern, etwa die der Polizei, angezeigt. Die Täter traten redegewandt und hartnäckig auf und setzen ihre Opfer unter Druck. Die Überweisungen erfolgten über die "Western Union Bank". Die US-Bank bietet Bargeldtransfers und somit die Möglichkeit, Geld schnell ins Ausland zu transferieren. Diese seriöse Geschäftsabwicklung wird von den Betrügern missbraucht. Sobald das Geld ausbezahlt wird, besteht wenig Möglichkeit es zurückzubekommen.
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