Ureinwohnerin mit Potenzial

Lokales
Grafenwöhr
06.11.2015
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Jetzt wird's spannend: Die Grafenwöhrer Strandschönheit lässt die Hüllen fallen. Die Trockenheit macht ihr zu schaffen und der Frost nagt an den Blüten. Aber auch fast "nackt" ist sie noch einen Hingucker wert.

Der Natur ein Stück ihrer Schönheit und Vielfalt zurückzugeben - dafür sind die Verantwortlichen des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald angetreten. Eines der Ziele ist der Erhalt der biologischen Naturvielfalt. Speziell die Sicherung von Lebensräumen für wildlebende Arten im Siedlungsbereich und die Erlebbarkeit städtischer und dörflicher Naturoasen liegt dem Vorsitzenden, Landrat Andreas Meier, seinem Naturpark-Geschäftsführer Martin Koppmann und Diplom-Biologin Mathilde Müllner besonders am Herzen. Grund genug, sich an der Kampagne "Bayerns Ureinwohner" zu beteiligen und die Grafenwöhrer Sandgrasnelke als eine der Besonderheiten in der weitläufigen Parklandschaft des Naturparks herauszustellen.

Exemplare vermehren

Beim Startschuss der Kampagne nahe der Grafenwöhrer Kläranlage erklärte der Landrat in Anwesenheit von Bürgermeister Edgar Knobloch, von Stadt- und Behördenvertretern, Schulleitern und Erzieherinnen sowie von Landschaftspfleger Karl Dobmeier die seltene und auf Grafenwöhrer Trockenböden entdeckte Sandgrasnelke ganz offiziell zur Grafenwöhrer "Strandschönheit". Hintergrund dieser werbewirksamen Bezeichnung ist die Ortslage Grafenwöhrs vor 230 Millionen Jahren. Damals soll die Gegend am Küstensaum eines Muschelkalkmeeres gelegen haben. "Die Pflanze gehört deshalb zu den Ureinwohnern", befand Andreas Meier und erklärte das äußerst attraktive, rosa blühende Gewächs ganz offiziell zur Strandschönheit.

"Das passt zu den Grafenwöhrern", meinte der Landkreischef augenzwinkernd. Jetzt gelte es, diese Prachtexemplare zu vermehren, erklärte Meier vielsagend und wünschte einen sonnigen Projektverlauf. Gleichzeitig dankte er der Stadt Grafenwöhr für die Bereitschaft zur Kooperation. Besonders das Grafenwöhrer Umland biete mit dem Creußental und auf vielen Magerflächen ideale Lebensräume für das Projektziel, dem Artenverlust zu begegnen, wusste der Landkreischef.

Vor der Gefährdung dieser Lebensräume warnte Naturpark-Mitarbeiterin Mathilde Müllner. Die Diplom-Biologin machte auf den Lebensraumverlust seltener Pflanzen entlang der Straßen und Siedlungen aufmerksam und forderte Lösungen zu einer artenfreundlicheren Bewirtschaftung der Straßenränder und straßenbegleitenden Grünflächen. Müllner appellierte an die Straßenbauverwaltungen des Staates und der Kommunen, die Straßen- und Wegeränder nicht zu Tode zu Mulchen. Von den Verantwortlichen für den Wege- und Straßenunterhalt wünschte sich die Biologin deshalb ein Umdenken bei den Pflegemaßnahmen. Weniger Mähen und Mulchen bedeute ein Mehr an Artenvielfalt, an Insektennahrung und an biologischem Reichtum, bemerkte Müllner.

Diesen Reichtum speziell mit der Sandgrasnelke in Grafenwöhr zu mehren, diene die Kampagne "Bayerns Ureinwohner". Das erklärte Ziel sei es, mehr Natur in die Stadt zu transferieren, betonte Mathilde Müllner. Im Rahmen eines innerstädtischen Konzepts soll die gefährdete Pflanze in das urbane Stadtgebiet Einzug halten. Als Standorte sucht der Naturpark nach naturnahen Sandlebensräumen, zum Beispiel an der Felsmühle. "Natur in die Stadt zu bringen und beim Vorbeigehen erleben", dafür wirbt die leidenschaftliche Artenschützerin.

Vortrag am Dienstag

Mathilde Müllner weiß: "Für die ganzheitliche Umsetzung des Projekts sind verlässliche Partner notwendig". Deshalb hofft sie auch auf Unterstützung aus dem Bereich der Grundstückseigentümer, wie zum Beispiel der kommunalen Straßenbauverwaltungen. Aber auch auf die Interessengemeinschaften setzt die Expertin. "Schulen, Kindergärten oder Mitglieder von Naturschutzverbänden sind zum Mitmachen eingeladen". Besonders die Kinder möchte der Naturpark für den Lebensraum Sand begeistern.

Dazu besteht bereits am nächsten Dienstag Gelegenheit. Naturparkverwaltung und Stadt laden ein zum Informationsabend "Natur in der Stadt". Referent ist am 10. November um 19.30 Uhr im Hotel zur Post Peter Mlnarik von der "SandAchseFranken".
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