Viel Arbeit auf Lager

Klaus Lehl. Archivbild: rgr
Lokales
Grafenwöhr
21.10.2015
1
0

In Bonn verhandelt Verdi derzeit für die deutschen Zivilbeschäftigten bei der US-Armee. Nach mehreren dürren Jahren ist Grafenwöhrs Betriebsratsvorsitzender Klaus Lehl diesmal zuversichtlich - obwohl offiziell immer noch Entlassungen drohen.

(wüw) Klaus Lehl glaubt nicht an ein schnelles, aber an ein gutes Ende der Tarifverhandlungen. Verdi fordert bei der Gehaltsrunde pauschal 120 Euro mehr im Monat für alle Beschäftigten. "Damit können sich die Amerikaner nicht anfreunden", hat der Betriebsratsvorsitzende am Übungsplatz erfahren. Solch pauschale Erhöhungen sind in den USA nicht üblich, und die US-Armee wolle sie auch in Deutschland nicht akzeptieren. Formell vertritt das Bundesfinanzministerium die Arbeitgeberseite bei den Verhandlungen, das regelt das Nato-Truppenstatut. Weil aber letztlich die US-Armee die Löhne und Gehälter überweist, gebe es keinen Abschluss gegen den Willen der Amerikaner, erklärt Lehl.

Bessere Aussicht

Wenn sich die USA auch nicht von einer Pauschalerhöhung überzeugen lassen, so haben die Arbeitgeber doch Grund, zuversichtlich nach Bonn zu schauen. Im Vergleich zu vorherigen Verhandlungsrunden hat sich die Ausgangslage verbessert: Die Übungsmöglichkeiten in Grafenwöhr sind gefragt, wie seit Jahren nicht. Der Grund ist unschön: Der Krieg in der Ukraine und der Konflikt mit Russland lassen Osteuropa für die Amerikaner wieder wichtiger werden. Seit der Ostblock zerbrach, haben sich die USA immer mehr in Asien engagiert, Europa wurde unwichtiger, das merkten die Beschäftigten auf den deutschen Übungsplätzen: Soldaten und Übungen wurden weniger - und damit die Arbeit. Im vergangenen Jahr hat sich das geändert. Lehl liegen keine Zahlen vor, aber er schätzt, dass die Auslastung des Grafenwöhrer Übungsplatzes 2015 um mindestens 50 Prozent gestiegen ist, die zivilen Beschäftigten haben wieder gut zutun.

Abbau auf Eis

Dabei müssen sie offiziell immer noch um ihre Arbeitsplätze bangen, formell ist immer noch Arbeitsplatzabbau geplant. Bei der Trainingseinheit JMTC geht es um 8, bei der Garnison um 72 Arbeitsplätze. "Derzeit liegt aber alles auf Eis", sagt Lehl. Tatsächlich stammen die Beschlüsse zum Abbau aus der Zeit, bevor die Ukraine zum Brennpunkt wurde. Die Pläne bei der Garnison haben laut Lehl vor allem mit deren früheren Kommandeur Oberst James E. Saenz zu tun. Seit Oberst Mark A. Colbrook dessen Posten übernommen hat, war davon nichts mehr zu hören.

"Ich kann keine Entwarnung geben, aber es sieht besser aus als vor einem Jahr", sagt Lehl. Die US-Armee habe den Abbau der Arbeitsplätze beschlossen und solche Beschlüsse nehme der schwerfällige Betrieb nicht ohne weiteres zurück. Offiziell ist die US-Armee in Europa auch weiter zum Sparen angehalten. "Aber wenn es drauf ankommt und die politische Lage es erfordert, ist plötzlich doch Geld da", sagt Lehl. Davon könnten nun die zivilen Beschäftigten profitieren.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.