Viel Lärm um Arbeitsplätze

Man muss sich mit der US-Seite auseinandersetzen, wenn der Lärm zu viel wird und Kompromisse machen.
Lokales
Grafenwöhr
11.05.2015
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Der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr ist ein zweischneidiges Schwert: Mit den trainierenden Soldaten bringt er Lärm in die Region, aber auch Arbeitsplätze. Klaus Lehl steht zwischen den Fronten.

Klaus Lehl vertritt beide Seiten: Als dritter Bürgermeister von Eschenbach kümmert er sich um die Interessen der Bürger, und die sind vom Krach der Kampfjets, die derzeit über der Region kreisen, geplagt (wir berichteten). Er vertritt als Betriebsratsvorsitzender der Zivilbeschäftigten am Truppenübungsplatz aber auch die, die mit den Krachmachern ihr Geld verdienen. Ein Interview:

Wie sehr beschäftigt Eschenbach das Thema Fluglärm?

Klaus Lehl:In Eschenbach wird wie in den anderen Randgemeinden des Truppenübungsplatzes über den erhöhten Fluglärm diskutiert. In der Bevölkerung herrscht aber auch Verständnis wegen den Arbeitsplätzen, die davon abhängen. Allerdings geht der Fluglärm im Moment über das gewohnte Niveau hinaus. Mich stört vor allem, dass die Übungen so spät sind. Es ist ein gewisses Maß an Belästigung.

Welche Möglichkeiten hat die Stadt, etwas dagegen zu tun?

Lehl:Das ist sehr schwer. Stadt oder Bürgermeister können beim Garnisonskommandeur vorsprechen, aber man müsste auf höherer Ebene tätig werden, bei der Staatskanzlei in Bayern zum Beispiel. Die könnte darauf hinwirken, dass sich zumindest die Flugzeiten ändern. Tagsüber hört man wenig, ab 16 Uhr geht es los. Die Frage ist: Müssen die F-16-Kampfjets unbedingt nach 22 Uhr üben? Es wäre ein guter Kompromiss, wenn sich die Übungszeiten ändern. Man könnte auch darüber nachdenken, den Lärm ins Innere des Übungsplatzes zu verlagern. Das Gebiet ist ja weitläufig.

Wie viele Deutsche sind im Lager beschäftigt?

Lehl:In Grafenwöhr und Vilseck sind es rund 2000.

Wie viele der Arbeitsplätze hängen tatsächlich von den Übungen ab?

Lehl: Alle. Letztendlich hängt alles an den Truppen, die dort üben. Amerikaner, die extra hier herkommen, um zu trainieren, brauchen Support: einkaufen, schlafen und, und, und. Allein von den Schießbahnen hängen rund 350 Arbeitsplätze ab.

Viele befürchten, dass Beschwerden dazu führen, dass die Truppen ganz abziehen und mit den Soldaten auch die Arbeitsplätze gehen. Muss man alles hinnehmen?

Lehl: Nein, muss man nicht. Auch nicht als Betriebsrat. Wir leben in Deutschland und auch für die Armee müssen deutsche Gesetze wie das Lärmschutzgesetz gelten. Man muss sich mit der US-Seite auseinandersetzen, wenn der Lärm zu viel wird und Kompromisse machen. Wenn die Amerikaner sehen, dass sie alles machen können, dann weitet es sich aus. Man kann ruhig mal den Finger in die Wunde legen, wenn es berechtigte Beschwerden gibt.

Sie sagen, es hängen alle Arbeitsplätze von den Übungen ab - wird weniger geübt, heißt das demzufolge weniger Arbeitsplätze, oder?

Lehl: Das ist richtig, aber deshalb sage ich ja, wir müssen einen Kompromiss mit den Amerikanern finden, zum Beispiel andere Übungszeiten. Wenn wir Arbeitsplätze wollen, müssen wir aber mit einem gewissen Lärm rechnen.
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