Welt betet für Bahamas

Doris Baumann (links) und Anita Stauber mixen den Cocktail Bahama-Mama zum Probekosten für den Weltgebetstag.
Lokales
Grafenwöhr
06.03.2015
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Türkis leuchtendes Wasser gleitet über feinen Sand. Palmenzweige schaukeln im Wind. Bilder von den Bahamas zeigen traumhafte Urlaubsorte. Doch der Inselstaat hat Schattenseiten. Am heutigen Weltgebetstag erinnern Frauen in rund 170 Ländern an die Missstände. Der Katholische Frauenbund Grafenwöhr hat sich auf den Tag gut vorbereitet.

Mit gezückten Stiften sitzen die Frauen des Katholischen Frauenbunds im Grafenwöhrer Jugendheim und notieren in die bunten Programmhefte. Wer sagt was beim Gottesdienst am Weltgebetstag und wann, welche Lieder werden gesungen, gibt es den Cocktail Bahama-Mama erst zum Essen oder schon vorher und wie viel Maisbrot muss gebacken werden?

"Jedes Jahr ist ein anderes Land am ersten Freitag im März an der Reihe, für das gebetet wird. Heuer sind es die Bahamas, ein Inselstaat im Atlantik", erklärt Doris Baumann, Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes. "Zusammen mit den Evangelischen und dem Chor Ex Animo gestalten wir den Weltgebetstag bei uns im Jugendheim. Wir wollen auf die Probleme auf den Inseln hinweisen", erklärt sie. Eine Diashow soll den Gästen Eindrücke von den weißen Sandstränden bieten, aber genauso von der Armut, landwirtschaftlicher Kargheit und Gewalt gegen Mädchen und Frauen. "Puh, da bekomm ich richtig Gänsehaut", sagt die Grafenwöhrerin Elvira Regler und streicht über ihren Unterarm.

Armut und Gewalt

"Die Menschen auf den Bahamas leben hauptsächlich vom Tourismus. Es ist aufgrund der bergigen Landschaft durch die Vulkane kein Ackerbau möglich", sagt Regler. Sie blättert in ihrem kleinen Notizbuch, in dem sie sich ein paar Fakten aufgeschrieben hat. "Die Bahamas umfassen 13 935 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl liegt bei 255 000 und es gibt rund elf Prozent Analphabeten", sprudelt sie los. Regler hat, als sie wusste, welches Land im Jahr 2015 im Fokus steht, daheim in ihren vielen Büchern nachgeschlagen. "Ich wollte mich über das Land informieren, damit ich weiß, wovon wir sprechen und mich ein bisschen weiterbilden", sagt sie und grinst verschmitzt. Dafür sind der Grafenwöhrerin die Bücher immer noch lieber als das Internet.

Die Frauen wollen blaue Stofftücher auf dem Boden im großen Saal des Grafenwöhrer Jugendheims auslegen - als Symbol für das Wasser. "Anita Stauber hat ein paar der rund 700 Inseln aus dem Atlas in eine anschauliche Größe kopiert. Die legen wir auf die Tücher. Wahrscheinlich stimmt die geographische Anordnung nicht zu Hundert Prozent, aber es geht ja darum, sich die Bahamas besser vorstellen zu können", meint Baumann schmunzelnd.

Genauer Ablauf

"Auf den internationalen Konferenzen der Weltgebetstagskomitees, die es alle fünf Jahre gibt, entscheiden die Vertreterinnen für jede Weltregion wie Europa oder Afrika, welches Land wann den Auftrag bekommt, den Gottesdienst zu gestalten", berichtet Lisa Schürmann, Pressesprecherin des Deutschen Weltgebetstagskomitees. "Bis zum Jahr 2021 stehen die Länder schon fest." Die Liturgie für dieses Jahr haben die Frauen auf den Bahamas entwickelt, die Weltgebetstagskomitees haben sie jeweils in ihre Sprache übersetzt und in Programmheften abgedruckt. "Nach diesen Heften bereiten die Frauen weltweit die Gottesdienste vor", meint Schürmann.

Die Grafenwöhrerinnen wollen künstliche Orchideenblüten auf den blauen Tüchern verteilen, Palmen aufstellen und die Stühle der Gäste im Kreis um die Tücher platzieren. "Zu den einzelnen Inseln sprechen wir Fürbitten", sagt Baumann. Im Programmheft des Deutschen Weltgebetstagskomitees, das sich der Frauenbund bestellt hat, sind für 17 Inseln der Bahamas, unter anderem Andros, Eleuthera, Exuma und Bimini, Fürbitten abgedruckt. Nur 30 der rund 700 Inseln seien bewohnt. "Ich habe die Hefte im Dezember bestellt, um zu schauen, wie schwierig die Lieder sind, damit wir wissen, wie viel wir üben müssen", meint Baumann. Die eigentliche Planung habe im Januar begonnen.

In Weiden und Pirk gab es Einführungsveranstaltungen. Dort wurde der Gottesdienst durchgespielt. Ziel des Weltgebetstags sei es laut der Pressesprecherin, eine Verbindung zwischen den Frauen aus den Ländern herzustellen, offen für andere Kulturen zu sein und Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu schaffen. "Die Kollekte setzen wir für Frau- und Mädchenorganisationen weltweit ein. Auch ein Projekt auf den Bahamas wird unterstützt", sagt Schürmann. Nach dem Gottesdienst gibt es in Grafenwöhr selbst zubereitete Gerichte - nach bahamaischer Art. "Wir bieten Kürbissuppe mit Maisbrot und den Cocktail Bahama-Mama an, andere machen vielleicht das Nationalgericht Conch, eine Meeresschnecke mit Limettensaft", sagt Baumann. "Die Zutaten für Conch sind hier schwer zu bekommen und weil wir eine relativ kleine Gruppe sind, können wir kein riesiges Büfett bieten." Deshalb haben sich die Frauen für die Suppe entschieden, genau genommen zwei verschiedene Kürbissuppen. "Die Suppe von Elvira ist schön würzig und passt durch die Kokosmilch auch zum Thema", meint Baumann. (Rezepte siehe Kasten)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.weltgebetstag.de/
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