Weltbekannte Szene im Carport

Eine weltbekannte Szene: "Breakfast over the Skyscraper of New York". Die Nachbildung von Werner Hößl ist toll gelungen. Der Grafenwöhrer Hobbykünstler schaffte diese Replica in acht Tagen in schwieriger Hockestellung an seiner Carport-Wand. Bilder: az (2)
Lokales
Grafenwöhr
17.10.2014
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Das Empire State Building im Herzen von New York. Mit 381 Metern ist es aktuell das zweithöchste Gebäude der Stadt und zählt mit zu den höchsten und bekanntesten der Welt. Erbaut 1931, wurde der Skyscraper seither unzählige Male fotografiert, gemalt und natürlich per Lift "erklommen".

Doch, als es sich noch im Bau befand und schon viele Wolkenkratzer überragte, ging davon bereits ein Bild um den Globus: Nämlich jenes, wie Bauarbeiter auf einem Eisenträger sitzen, in schwindelnder Höhe seelenruhig Brotzeit machen und dabei Zeitung lesen.

Von einem Hubschrauber aus, heißt es, soll die Szene fotografiert worden sein. Nach anderen Quellen wäre diese Momentaufnahme vom Rockefeller-Center aus entstanden, wo sich ebenfalls ein Wolkenkratzer im Bau befunden habe. Wie auch immer, diese schier unglaubliche Szene ist keiner Fantasie entsprungen, sie ist echt. Die Arbeiter, schwindelfreie Einwanderer und Indianer, sollen der Beschreibung nach nicht abgesichert gewesen sein. Das Material für das überwiegend aus Stahl konstruierte Gebäude kam aus dem Staat Pennsylvania, acht Kräne zogen die Stahlteile nach oben. Insgesamt 3400 Männer arbeiteten daran - bei einem Stundenlohn von 1.92 Dollar.

Gelungenes Werk

Eine Nachbildung dieser Szene kann man in der Schulstraße Grafenwöhr bewundern. Werner Hößl hat sie an die Wand seines Carport gemalt. Echt gut gelungen, darf man feststellen beim Vergleich mit der Originalfotografie. "Für alle möglichen Anlässe hast du schon gemalt. Ich wünsche mir, dass du ,Breakfast over the Skyscraper of New York' malst", hatte ihn Sohn Arthur gebeten. Seiner Bitte um dieses tolle Motiv kam der Vater schließlich nach.

Die Replica findet immer wieder Aufmerksamkeit und Bewunderung. Analog zur vorliegenden Originalaufnahme hatte Hößl eine Acrylfarbenmischung in Weiß und Grau gewählt.

Hartes Stück Arbeit

Das Malen selbst, die räumliche Aufteilung, die getreue Wiedergabe hätten ihm kein Problem bereitet, wohl aber die Umstände. "Es war alles andere als bequem", erinnert er sich. Aufgrund der zur Verfügung stehenden niedrigen Wandfläche sei er gezwungen gewesen, überwiegend in Hockestellung zu arbeiten. Und so habe er immer wieder seine Beine "entkrampfen" müssen. Doch nach acht Tagen war es geschafft. Wenn Werner Hößl nämlich was anpackt, dann will er zügig dran bleiben. Das Bild wurde zum Hingucker. Viele Amerikaner hätten es fotografiert, auch eine Schulklasse sei daran interessiert gewesen, erzählt der Hobbykünstler nicht ganz ohne Stolz.

Traumberuf: Bühnenmaler

Je intensiver man es betrachtet, desto mehr besticht die Qualität. Das Bild lebt. Werner Hößl ist es vortrefflich gelungen, den Gebäuden New Yorks Tiefe, Schärfe und damit Identität zu geben, was auf die auf dem Stahlträger sitzenden Arbeiter ebenso zutrifft. Sogar die Dunstglocke über dem "Big Apple" lässt sich erkennen.

Werner Hößls künstlerische Ader ist hinlänglich bekannt. Obwohl er nie eine Kunstakademie besucht hat, durfte er schon viel Lob ernten. Themenbezogene Bilder bei kirchlichen Anlässen (Erstkommunion etwa), Motive an Gebäudefassaden, Abbildungen des heiligen Florian an Feuerwehrhäusern, um nur einige zu nennen, tragen seine Handschrift. "Ich male gerne, modern und klassisch", verrät er. "Mein Berufswunsch war ja einmal Bühnen- und Kulissenmaler zu werden." Aber, dafür habe den Eltern leider "das nötige Pulver gefehlt - es war halt so", bedauert der 73-Jährige schon ein bisschen.

Vorahnung?

Zurück zur NY-Kulisse an seiner Carport-Wand. Werner Hößl ist ein ausgesprochener Amerika-Fan. "Schuld" daran sind Schwägerin Heidi (Heidi Schäfer aus Pressath) und Bill Cullen, die in Pennsylvania leben. Zehnmal schon war er mit Frau Rosi in den Staaten und hat bei den gemeinsamen Überlandtouren unglaublich viel gesehen und erlebt. Selbstverständlich wurde auch vom Empire State Building aus die über acht Millionen zählende Stadt mit den vielen Wolkenkratzern bestaunt. Stundenlang könnte man Werner Hößl beim Erzählen zuhören.

An eine Begebenheit muss er immer wieder mal denken. Akkurat ein Jahr vor dem schicksalhaften 9/11, also in den Septembertagen des Jahres 2000, habe er mit seiner Rosi, Schwägerin Heidi und Schwager Bill unmittelbar am World Trade Center bei Kaffee und Kuchen gesessen. "Unvorstellbar das Chaos, würden die Türme einstürzen", sei ihm beim nachdenklichen Betrachten der Giganten so in den Sinn gekommen. Als es tatsächlich passierte, war die Erschütterung groß...
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