Wie die wilden Tiere

Lokales
Grafenwöhr
11.11.2015
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Ein gerissenes Reh sorgt in Grafenwöhr für Ärger. Jagdpächter und Jagdvorsteher glauben, den Schuldigen zu kennen, der Bürgermeister warnt vor Vorverurteilung.

(az/wüw) Jagdpächter Heinrich Schultes ist sauer. Die Polizei meldete ihm am Samstag, dass in der Bierlohe ein totes Reh liege, aufgerissen an Hals und Bauch. Spaziergänger hatten das Tier bei der Weidenkathedrale am Waldlehrpfad gefunden. Für Schultes steht fest: Ein Hund hat das Tier gerissen.

Er vermutet, dass zwei große Hunde schon seit einiger Zeit das gesamte Revier in Unruhe versetzen. Nicht nur im Wald, auch im Wohngebiet der Ochsenhut sind die Hunde schon streunend beobachtet worden. Der Jäger berichtet von besorgten Eltern, die ihre Kinder nicht mehr allein vor die Gartentüre lassen. "12 Rehe sieht der Abschussplan vor, 13 starben schon bei Wildunfällen auf der Straße, dieses wurde nun tot gebissen", bilanziert Schultes. Unterstützung erhält er vom Vorsitzenden der Grafenwöhrer Jagdgenossen, Reinhard Kraus. Er war wegen des gerissenen Rehs bei Bürgermeister Edgar Knobloch, weil er einen Verdacht hat, wem die Hunde gehören. Allerdings habe die Stadt "ohnmächtig" reagiert.

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Bürgermeister Knobloch: Tatsächlich seien die besagten Hunde dem Ordnungsamt bekannt und die Stadt habe bereits reagiert. "Wegen der beiden Tiere haben wir die Anleinpflicht noch einmal verschärft." Seit Jahresbeginn seien die Tiere aber kaum mehr aufgefallen, deren neuer Besitzer sei kooperativ und im konkreten Fall habe die Tiere niemand in der Nähe der Rehe gesehen. "Wir können nicht aufgrund eines Verdachts Strafen aussprechen", sagt Knobloch.

Jagdvorsteher Kraus beruhigt das kaum, freilaufende Hunde sind ihm ein Dorn im Auge, und noch mehr deren uneinsichtiger Besitzer. "Freilaufende Hunde scheuchen die sensiblen Rehe auf. Sie hetzen und flüchten, überqueren dabei Straßen und werden dann von Autos erfasst." Besonders unfallträchtig sind die Felsmühlstraße, die Dießfurter Straße entlang des Waldgebiets "Mark" und die Pressather Straße an der Ochsenhut. Jagdpächter Schultes "dürfte" sich nur mehr um das Raubwild, um krankes Wild, um die Wildschweine in seinem Revier kümmern. "Vom Rehwild hat er überhaupt nichts", sagt Kraus. Dabei dauert das Jagdjahr noch bis Ende April.
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